Die Bundesliga ist vorbei, der DFB-Pokal ist vergeben und der Bundes-Jogi hat seinen vorläufigen Kader bereits bekanntgegeben – die Europameisterschaft in Frankreich rückt unweigerlich näher. Bis zum Eröffnungsspiel am 10. Juni sind es zwar noch ein paar Tage, aber nicht nur aufgrund der Veränderungen im Turniermodus lohnt es sich eventuell, sich bereits jetzt mit ein paar Fakten vertraut zu machen.

24 statt 16 Teams

Erstmals werden an einer Europameisterschaft 24 Mannschaften teilnehmen. Bei 54 Teams, die insgesamt in den Qualifikationsspielen teilgenommen haben, nehmen also 44,4 % der Bewerber teil. Wie schon vor einiger Zeit auf diesem Blog dargestellt, war es für gute Mannschaften so nur schwer möglich, sich nicht zu qualifizieren.

Wie wir heute wissen, war das ein wenig voreilig geurteilt. So bleibt das Team aus der Niederlande ebenso zuhause wie beispielsweise die Mannschaften aus Bosnien-Herzegowina oder Dänemark. Ansonsten ist das Teilnehmerfeld jedoch mit allen größeren und einigen kleineren Fußballnationen Europas gefüllt. Der neue Modus sorgte sogar dafür, dass sich mit Nordirland, Irland, Wales und England vier Inselnationen für das Turnier qualifizierten – lediglich Schottland scheiterte in der deutschen Gruppe. Fünf Nationen nutzten dabei das erweiterte Teilnehmerfeld zur erstmaligen Qualifikation bei einer EM. Neben der Slowakei, Albanien und Island gehören dazu auch Wales um Real-Madrid-Star Gareth Bale und Nordirland.

Die Gruppen

EM-Gruppen

Die Gruppen weisen bereits in der Vorrunde einige interessante Duelle auf. So muss sich Belgien bereits am ersten Spieltag mit Italien messen, zwischen England und Wales kommt es zu einem prestigeträchtigen Inselduell und die deutsche Nationalelf muss erneut gegen die polnische Mannschaft um Robert Lewandowski antreten.

Kalauer des Turniers

In Gruppe F gibt es nur drei Mannschaften.

Der Verlauf

Da es nun sechs statt der bisherigen vier Gruppen gibt, verändert sich auch der weitere Ablauf des Turniers. So qualifizieren sich nun neben den Gruppenersten und -zweiten auch die vier besten Gruppendritten. Bei Punktgleichheit innerhalb einer Gruppe entscheidet dabei der direkte Vergleich, während bei Punktgleichheit der jeweiligen Gruppendritten logischerweise das Torverhältnis entscheidend ist.

Der Modus hat zur Folge, dass nach der Vorrunde lediglich 8 von 24 Teams die Heimreise antreten müssen. Die Ungewissheit, welche Gruppendritten denn weiterkommen, sorgt zudem für 15 verschiedene Achtelfinal-Kombinationen, die hier mehr oder weniger klar nachvollzogen werden können.

Grob gesagt: Die Sieger der Gruppen A-D erhalten als Gegner jeweils einen Drittplatzierten. Die Sieger der Gruppen E und F bekommen die Zweitplatzierten der Gruppen F und D, es kommt jedoch im Achtelfinale auch zu Duellen zwischen Gruppenzweiten (2. Gruppe A – 2. Gruppe C, 2. Gruppe B – 2. Gruppe F). Das klassische, leicht verständliche Prinzip 1. gegen 2. wird es so bei dem Turnier also nicht mehr geben.

Die Favoriten

Neben Titelverteidiger Spanien und Weltmeister Deutschland gilt auch Gastgeber Frankreich als Mitfavorit auf den Titel. Die Truppe um Kapitän und Torwart Hugo Lloris (Tottenham Hotspur) beinhaltet neben internationalen Stars wie Paul Pogba (Juventus Turin) und Antoine Griezmann (Atletico Madrid) auch einige hochinteressante Talente wie Bayerns Kingsley Coman oder den 50-bis-80-Millionen-Transfer Anthony Martial (Manchester United). Die Umstrukturierung der Mannschaft macht sich auch daran erkennbar, dass im Kader nur sechs Spieler stehen, die überhaupt schon einmal bei einer EM teilgenommen haben (zum Vergleich: Im deutschen Kader sind es 14 Spieler).

Ginge man rein nach der Qualifikation (welche die Franzosen als Gastgeber nicht absolvieren mussten), wird die Rolle der Engländer zu beobachten sein, die ohne Punktverlust mit 10 Siegen, einem Torverhältnis von 31:3 und einer breiten Brust zum Turnier anreisen dürften.  Auch die deutsche Mannschaft hat im März bereits schmerzhafte Bekanntschaft mit der Truppe von Trainer Roy Hodgson gemacht, als es eine 2:3-Niederlage setzte.

Die Österreicher blieben mit 9 Siegen bei einem Unentschieden ebenfalls ohne Niederlage, ähnlich wie die oft unterschätzte Mannschaft aus Italien (7 Siege, 3 Remis), die jedoch ohne ihren inzwischen in den Staaten kickenden Mittelfeldregisseur Andrea Pirlo und den skandalträchtigen Mario Balotelli anreisen werden. Der Hype um Belgien, bei der WM 2014 noch beliebter Geheimfavorit, ist in den letzten zwei Jahren zwar ein wenig abgeklungen, dennoch könnte das Team um Kevin de Bruyne (ManCity) und Eden Hazard (Chelsea London) nun mit mehr Erfahrung für mehr Furore sorgen.

Genug Infos. Wann spielt Deutschland?

Den eigenen Zeitplan sollte man in Zeiten wie diesen dringend im Auge behalten. Die ersten drei Pflichttermine für Fans der deutschen Mannschaft sind:

Sonntag, 12. Juni, 21.00 Uhr: Deutschland – Ukraine

Donnerstag, 16. Juni, 21.00 Uhr: Deutschland – Polen

Dienstag, 21. Juni, 18:00 Uhr: Deutschland – Nordirland

Und bis dahin?

Wild spekulieren, wer es in den finalen Kader schafft, hitzige Debatten darüber führen, warum Poldi & Schweini nominiert wurden, sich mit dem Ende der Aufbruchstimmung der FIFA befassen oder sich einfach noch einmal zwei Wochen Pause vom Fußball nehmen – es steht einem die Welt offen! Spätestens am 10. Juni wird es aber ernst, wenn um 21.00 Uhr die Mannschaften von Frankreich und Rumänien das Turnier eröffnen.

 

 

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Bereits seit Wochen wird gemutmaßt, dass es mehrere BVB-Leistungsträger nach der Saison wegziehen könnte. Neben Mats Hummels waren insbesondere die Namen von Henrikh Mkhytarian und dem dauerhaft auf dem Sprungbrett befindlichen Ilkay Gündogan als Abgänge gehandelt worden. BVB-Geschäftsführer Watzke überraschte diesbezüglich aber schon früh mit einem klaren Statement:

“Es ist völlig ausgeschlossen, dass alle drei nächstes Jahr nicht für Borussia Dortmund spielen.” (Hans-Joachim Watzke)

Der Abgang von Hummels ist inzwischen fix, und auch Gündogans Tendenz ging klar in Richtung Abschied – bis er sich erneut schwer verletzte und damit potentielle Abnehmer verschrecken könnte. Dieses Jahr will der BVB jedoch nicht erneut den Abschied von Gündogan lediglich um ein Jahr herausschieben, indem sie ihm eine Verlängerung um lediglich eine Saison gewähren. Vielmehr drängt man hier auf ein eindeutiges Bekenntnis: Langfristige Verlängerung – oder Abschied. Sollte Gündogan sich trotz seiner schweren Verletzung für den ja offenbar lange schon geplanten nächsten Schritt entscheiden, würde dies im Umkehrschluss bedeuten: Henrikh Mkhytarian muss beim BVB bleiben.

Unter Tuchel aufgeblüht

Galt Mkhytarian in seinen ersten beiden Saisons unter Klopp bereits als hoch veranlagt, gelang es dem 25-Millionen-Euro-Transfer von 2013 erst unter Thomas Tuchel, sein großes Potenzial regelmäßig abzurufen. Vor dem letzten Spieltag liegt er mit 20 Assists nur eine Torvorlage hinter dem Rekord von Kevin de Bruyne aus der letzten Spielzeit (auch wenn er diesen aufgrund einer Gelbsperre nicht mehr einholen kann).

Mit 11 Treffern hat der Armenier zusätzlich seine Abschlussschwäche beseitigt und fiel in dieser Saison bereits mehrfach durch Traumtore auf. Der 27-jährige scheint sich im Kollektiv der Dortmunder richtig wohl zu fühlen. Eine Vertragsverlängerung würde sich also für beide Seiten definitiv anbieten. Doch eines könnte dem im Wege stehen.

“Der berüchtigste Spielerberater der Welt”

So bezeichnete ihn die Rheinische Post Anfang des Jahres, als sie bereits darauf hinwiesen, dass Raiola Juventus Turin in einer italienischen Zeitung eine 50-prozentige Chance auf Mkhytarian im Sommer einräumte. Bei den Klienetn befindet sich Mkhytarian in einer illustren Runde wieder: Raiola berät neben Skandalnudel Mario Balotelli auch Nachwuchsstar Paul Pogba, den belgischen Angreifer Romelu Lukaku sowie natürlich Zlatan Ibrahimovic – dessen Vermarktungsrechte er auch besitzt.

Sechs Mal hat er diesen bereits zu anderen Vereinen transferiert, und Ibrahimovic hat in seiner Biographie hat die Wichtigkeit seines Managers bei der Karriereplanung sehr deutlich aufgezeigt. Raiola gilt als schwierig in Verhandlungen, als Mann, der sehr hoch pokert, um seine Klienten zu besseren Bezügen oder Vereinen zu bekommen. Als Mann, der gerne schonmal öffentlich sagt, Sepp Blatter sei ein “debiler Diktator” oder Pep Guardiolas idealer Platz wäre “ein Irrenhaus, wo er mit Johan Cruyff Karten spielen kann.”

Knackpunkt Ausstiegsklausel

Im Falle von Henrikh Mkhytarian sieht wohl selbst Mino Raiola derzeit, dass dieser beim BVB momentan am Besten aufgehoben ist. Doch für den Fall der Fälle will er nun wohl eine Ausstiegsklausel in den neuen Vertrag schreiben lassen – etwas, was man in Dortmund seit der Causa Götze mit einem allergischen Zucken kommentiert.

Die Entscheidung soll noch vor dem DFB-Pokalfinale am 21. Mai fallen. Einigen sich die Parteien nicht, müsste Watzke abwägen, was er tut. Ein Abgang von Mkhytarian noch in diesem Sommer erscheint nach dem Transfer von Mats Hummels zumindest unwahrscheinlich.

 

 

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Die börsennotierte Borussia aus Dortmund hat den Wechselwunsch von Mats Hummels zum FC Bayern München nun allen Fans öffentlich mitgeteilt. Aufgrund möglicher Schwankungen bezüglich der Aktie war der BVB nun zu diesem für andere Vereine ungewöhnlichen Schritt gezwungen worden – beim Wechsel von Mario Götze vor 3 Jahren hatte im Nachhinein die Finanzaufsicht geprüft, ob die Borussen ihren Aktionären rechtzeitig von dem bevorstehenden Transfer Meldung gemacht hatten.

Man kann davon ausgehen, dass bei anderen Voraussetzungen bis nach dem DFB-Pokalfinale gewartet worden wäre, um eine Meldung von solcher Brisanz zu veröffentlichen.

Anfeindungen im Netz

Was nun folgte, war die fast schon obligatorische Anfeindung vieler Fans im Netz auf den Seiten von Hummels, wie es sie in den letzten Jahren auch schon bei Manuel Neuer, Mario Götze oder Julian Draxler gegeben hatte. Während in diesen Fällen der Wechsel inklusive Zeitpunkt jedoch bereits perfekt war, gilt es im Falle Hummels noch, eine Einigung zwischen den Vereinen zu finden.

So sehr die Meldung der Borussen nach einem unter Dach und Fach gebrachten Transfer klingt, so muss auch allen Fans klar sein, dass die Chance, dass Hummels noch ein Jahr bei den Borussen verbringt, zumindest vorhanden ist.

Poker auf beiden Seiten möglich

Während die Borussia nun auf das “äußerst werthaltige Angebot” pocht, werden auch die Bayern sich genau überlegen, wieviel ihnen Hummels für dieses eine Jahr wert ist. Die kolportierten 40 Millionen Euro lägen jenseits jeglicher Summen, die bislang für Spieler mit einem Jahr Vertragslaufzeit ausgegeben wurden und würden Mats Hummels in die Top 5 der Bundesliga-Rekordtransfers hieven.

Ein schmaler Grat für alle Beteiligten. Muten die Bayern Mats Hummels ein weiteres Jahr beim BVB zu – bei dem er seine Meinung möglicherweise noch einmal revidieren könnte (wenn auch unwahrscheinlich)? Riskieren die Dortmunder es, auf 20-30 Millionen Euro zu verzichten, um ihren Kapitän in Lewandowski-Manier bis zum Vertragsende in Dortmund zu behalten?

Die Reaktion der Fans mitentscheidend

Mats Hummels wird nun mit seinen Aussagen konfrontiert, insbesondere bezüglich des Götze-Transfers von vor 3 Jahren. Das ein Mensch mit 27 Jahren eine andere Meinung haben darf als er sie noch mit 24 Jahren hatte – geschenkt. Aussagen von Fußballern gelten für viele Fans für die Ewigkeit, was bei vielen Fußballern dafür sorgt, keinerlei Treueschwüre mehr während ihrer Karriere abzugeben und möglichst emotionsarme, neutrale Interviews zu führen.

Die Dortmunder Fans könnten “Aki” Watzke und den Borussen einen Bärendienst erweisen, wenn sie Mats Hummels am Sonntag den Empfang bescheren, den viele Fans in den sozialen Netzwerken bereits ankündigen. Von “Hölle” ist da die Rede, viele äußern die Hoffnung, der Kapitän mache “kein Spiel mehr” für den BVB.

Pfeifkonzert als Millionengrab

Pfeifkonzerte gegen den eigenen Kapitän könnten die Verhandlungsposition der Dortmunder nachhaltig schwächen – zu unrealistisch erschiene in dem Fall ein reibungsloser Verbleib des Kapitäns für ein weiteres Jahr.

Hummels ist ein Spieler, der in Interviews durchaus anders ist als viele Kollegen – gerne polarisierend, sprachlich intelligent, fast schon ein wenig arrogant. Die Argumente, die für ihn für einen Bayerntransfer stehen, sind allseits bekannt – und durchaus auch akzeptabel. Doch während Watzke auf der BVB-Homepage bereits versucht, die eigenen Fans zu beschwichtigen und dabei gleichzeitig die Pokersituation mit den Bayern offen zu gestalten, könnte der deutsche Rekordmeister bei einem unfreundlichen Empfang von Hummels am Samstag in Dortmund einen Trumpf in der Hand haben, die Ablöse zu drücken.

Dass die generelle Reaktion ob der Verdienste Hummels über die Jahre hinweg beim BVB weiterhin ein großes Diskussionsthema bleiben wird, ist denkbar. Doch auspfeifen können die wütenden Fans ihren Kapitän schließlich auch dann noch, wenn er nicht mehr für ihren Verein spielt.

 

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