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WM 2018 – Gruppe H: Ein Trainerwechsel im April & Falcaos zweite Chance

Kolumbien

Bei der WM in Brasilien vor vier Jahren trumpfte Kolumbien groß auf – allen voran James Rodriguez, der Torschützenkönig wurde – und natürlich anschließend wie Costa Ricas Keylor Navas von Real Madrid verpflichtet wurde. Unter seinen Treffern war damals auch das Tor des Jahres 2014:

Auch diesmal war James Rodriguez für Kolumbien entscheidend: Mit sechs Treffern war er bester Torschütze in der Qualifikation, in der man das WM-Ticket erst am letzten Spieltag durch ein 1:1 gegen Peru. Torschütze? Natürlich James Rodriguez. Doch Kolumbien ist nicht nur James. Im Sturm sind die alternden Radamel Falcao (32) und Carlos Bacca (31) brandgefährlich, auf dem Flügel bringt Juan Cuadrado ordentlich Tempo. Die Mannschaft scheint homogen besetzt zu sein. Coach José Pekerman fährt zum dritten Mal als Trainer zu einer WM (2006 mit Argentinien, 2014 mit Kolumbien) und leitet bereits seit sechs Jahren die Geschicke für Kolumbien.

2014 verpasste Falcao noch das Turnier. Umso motivierter wird er sein, bei seiner wohl einzigen WM in der Karriere Eindruck zu hinterlassen. Tatsächlich sind nur noch neun Akteure dabei, die vor vier Jahren im Team waren. Insbesondere die Abwehr vor Arsenals Backup David Ospina ist bis auf AC Mailand-Routinier Zapata fast komplett ausgetauscht und verjüngt worden mit Talenten wie Tottenhams Davinson Sanchez (22). Die Erfahrung liegt in den anderen Mannschaftsbereichen, wo insbesondere Abel Aguilar (Länderspieldebüt 2004) als Mittelfeldstabilisator für Ruhe sorgen soll. Nicht mehr dabei ist übrigens Juan Zuniga, der im Viertelfinale 2014 Neymar mit einem üblen Foul aus dem Turnier nahm. Körperlich starke und schnelle Spieler hat Kolumbien aber immer noch zuhauf, und die Qualität der Mannschaft ist nicht zu unterschätzen.

Mit Gruppe H hat Kolumbien ein mehr als machbares Angebot an Gegnern bekommen. Der Gruppensieg erscheint realistisch – doch Polen wird es den Südamerikanern nicht leicht machen. Im Achtelfinale wartet für Kolumbien aber vermutlich England oder Belgien. Ein erneuter Einzug ins Viertelfinale erscheint angesichts des Kaders jedoch nicht ausgeschlossen.

Trainer:
Jose Pekerman

Tor:
David Ospina (Arsenal)
Camilo Vargas (Deportivo Cali)
Jose Cuadrado (Once Caldas)

Abwehr:
Cristian Zapata (AC Mailand)
Davinson Sanchez (Tottenham)
Santiago Arias (Eindhoven)
Oscar Murillo (Pachuca/Mexiko)
Frank Fabra (Boca Juniors) (nach Kreuzbandriss Farid Díaz (Olimpia Asunción) nachnominiert)
Johan Mojica (Girona)
Yerry Mina (FC Barcelona)

Mittelfeld:
Wilmar Barrios (Boca Juniors)
Carlos Sanchez (Espanyol Barcelona)
Jefferson Lerma (Levante)
Jose Izquierdo (Brighton & Hove Albion)
James Rodriguez (FC Bayern)
Abel Aguilar (Deportivo Cali)
Mateus Uribe (America/Mexiko)
Juan Quintero (River Plate)
Juan Cuadrado (Juventus)

Angriff:
Radamel Falcao (Monaco)
Miguel Borja (Palmeiras)
Carlos Bacca (Villarreal)
Luis Muriel (FC Sevilla)

 

Polen

Die letzten zwei Weltmeisterschaften musste Polen zuschauen, jetzt ist man wieder dabei. Und zwar ohne Zweifel: Souverän setzte man sich mit 8 Siegen bei einem Remis und einer Niederlage in der Quali-Gruppe vor Dänemark durch. 16 von 28 Treffern erzielte dabei Bayerns Robert Lewandowski, damit erfolgreichster Torschütze der WM-Qualifikation. Auch in Russland wird die Form von Lewandowski entscheidend sein, da Polen in großem Maße von seiner Torjägerqualität abhängig ist. Nachdem er durch seinen Berater mal wieder einen Wechselwunsch hat verlauten lassen, sollte er zusätzlich motiviert sein.

Dabei ist Lewandowski mitnichten der einzige Spieler, auf den man sich bei Polen konzentrieren sollte. Da gibt es zum Beispiel Abwehrchef Kamil Glik, dessen Einsatz aber immer noch auf der Kippe steht. Mit Dortmunds Piszczek, Wolfsburgs Blaszczykowski und dem Ex-Kölner Peszko stehen auch eine Menge Bundesliga-Erfahrung und sz-Buchstabenkombinationen im Kader. Besonders spannend ist aber das Duo vom SSC Neapel, Arkadiusz Milik und Piotr Zielinski. Der hoch gehandelte Milik – ebenfalls aus Bundesliga-Zeiten noch bekannt, hat eine enttäuschende Saison hinter sich, ist mit 24 Jahren aber immer noch mit reichlich Potential ausgestattet. Ebenso wie Zielinski, den sein Trainer Maurizio Sarri mal eben in eine Kategorie mit Kevin de Bruyne packt. Ebenfalls bekannt ist Mittelfeldstratege Krychowiak, der Teil der Mannschaft beim FC Sevilla war, die dreimal hintereinander den Europa League Titel holte. Danach ging er mit Sevilla-Coach Emery nach Paris, wo er sich nicht durchsetzte. Inzwischen spielt er bei West Bromwich Albion. Viel Potenzial – für Polen wäre es immens wichtig, dass dieses zur WM abgerufen wird.

In den letzten Tests gab es ein 2:2 gegen Chile, ein 4:0 gegen Litauen. Ganz klar: Die Gruppenphase muss für Polen machbar sein. Robert Lewandowski könnte die Abwehrreihen Senegals und Japans ordentlich durcheinander wirbeln. Angesichts der möglichen Achtelfinalgegner erscheint es jedoch unwahrscheinlich, dass Polen darüber hinaus im Turnier bleibt.


Trainer:
Adam Nawalka

Tor:
Bartosz Bialkowski (Ipswich Town)
Lukasz Fabianski (Swansea City)
Wojciech Szczesny (Juventus Turin)

Abwehr:
Jan Bednarek (FC Southampton)
Bartosz Bereszynski (Sampdoria Genua)
Thiago Cionek (SPAL)
Kamil Glik (AS Monaco)
Artur Jedrzejczyk (Legia Warschau)
Michal Pazdan (Legia Warschau)
Lukasz Piszczek (Borussia Dortmund)

Mittelfeld:
Jakub Blaszczykowski (VfL Wolfsburg)
Jacek Goralski (PFK Ludogorets Razgrad)
Kamil Grosicki (Hull City)
Grzegorz Krychowiak (West Bromwich Albion)
Rafal Kurzawa (Gornik Zabrze)
Karol Linetty (Sampdoria Genua)
Slawomir Peszko (Lechia Gdansk)
Maciej Rybus (Lokomotive Moskau)
Piotr Zielinski (SSC Neapel)

Sturm:
Dawid Kownacki (Sampdoria Genua)
Robert Lewandowski (Bayern München)
Arkadiusz Milik (SSC Neapel)
Lukasz Teodorczyk (RSC Anderlecht)

Senegal

Erstmals seit 2002 ist auch Senegal wieder mit von der Partie. In der Qualifikation setzte man sich erst gegen Madagaskar, und dann in der Gruppe vor Burkina Faso, Kap Verde und Südafrika durch. Dabei hatte man das Hinspiel gegen Südafrika erst mit 2:1 verloren. Nachdem der Schiedsrichter jedoch wegen Spielmanipulation lebenslänglich gesperrt wurde, wurde auch die Wertung der Partie annuliert. Das Wiederholungsspiel gewann Senegal mit 2:0.

Der bekannteste Name im Kader ist Liverpools Sadio Mane, der unter Jürgen Klopp komplett aufgeblüht ist. Dort ist er jedoch vom Rest der Mannschaft abhängig, die dort eine leicht andere Qualität besitzt als seine Nationalmannschaftskollegen. Doch schlecht sind diese nicht: Viele spielen in europäischen Ligen, zahlreiche Akteure in Engalnd oder Frankreich. Lediglich Torwart N’Diaye spielt in der Heimat. Neben Mane fallen vorne insbesondere der Turiner Niang (23) und Ex-Hannoveraner Diouf ins Auge, während der Aktuell-Noch-Hannoveraner Salif Sane in der Abwehr die Stabilität zusammen mit Neapels Koulibaly halten soll, bevor es nach dem Turnier zu Schalke 04 geht. Eine Problemposition könnte die des Torwarts sein – schon in der Qualifikation setzte man vier verschiedene ein, eine klare Nummer 1 scheint es nicht zu geben.

Die letzten Testspiele zeigten unterschiedliche Gesichter der Mannschaft. Es gab ein 0:0 gegen Luxemburg, ein 1:2 gegen Kroatien und einen 2:0-Sieg gegen Südkorea. Die Mannschaft ist schwer einschätzbar. Bei der letzten Teilnahme 2002 gelang zum Auftakt direkt ein Sieg gegen Weltmeister Frankreich. Diesmal bräuchte es ähnliche Überraschungen, um ein Weiterkommen in der Gruppenphase möglich zu machen – am Besten bereits zum Auftakt gegen Polen. Gelingt das, winkt das Achtelfinale. Aber nur dann.

Trainer:
Aliou Cissé

Tor:
Abdoulaye Diallo (Stade Rennes)
Khadim N’Diaye (Horoya)
Alfred Gomis (Ferrara)

Abwehr:
Kalidou Koulibaly (Neapel)
Lamine Gassama (Alanyaspor)
Kara Mbodji (Anderlecht)
Moussa Wague (Eupen)
Youssouf Sabaly (Bordeaux)
Saliou Ciss (Valenciennes)
Salif Sane (Hannover 96)

Mittelfeld:
Pape Alioune Ndiaye (Stoke City)
Idrissa Gueye (FC Everton)
Cheikhou Kouyate (West Ham United)
Cheikh N’Doye (Birmingham)
Alfred N’Diaye (Wolverhampton)

Angriff:
Sadio Mane (FC Liverpool)
Keita Balde (AS Monaco)
Diafra Sakho (Stade Rennes)
Ismaila Sarr (Stade Rennes)
Moussa Konate (SC Amiens)
M’Baye Niang (FC Turin)
Moussa Sow (Bursaspor)
Mame Biram Diouf (Stoke City)

Japan

Spanien nahm Japan im letzten Augenblick die Bürde ab, den Trainer mit der kürzesten Amtszeit mit zur WM zu schleppen. Denn erst im April war Halihodzic entlassen worden. Der Bosnier hatte Japan erfolgreich zur WM geführt, doch schlechte Ergebnisse und sein autoritärer Führungsstil sollen dem Verband zuviel gewesen sein. Jetzt führt Akira Nishino die Japaner zur WM. Man hat gute Erinnerungen an ihn: Als U23-Coach Japans schlug er 1996 immerhin die Brasilianer, rund um Ronaldo und Roberto Carlos mit 1:0.

Seit seiner ersten WM-Teilnahme 1998 schaffte es Japan jedes Mal, sich für die Fußball-Weltmeisterschaft zu qualifizieren. Zweimal endete das Turnier für Japan sogar erst im Achtelfinale. Auch in Russland sind sie am Start. In der zweiten Runde der Asien-Qualifikation gab es 7 Siege bei einem Unentschieden und 27:0 Toren, in Runde 3 wurde es dann deutlich knapper. Dennoch kam man als Gruppensieger vor Saudi-Arabien und Australien ins Ziel.

Im Tor steht wie schon 2014 Kawashima, mit 1,85m wohl unter Japanern noch eher einer der größeren Spieler. In den restlichen Mannschaftsteilen findet man viele bekannte Gesichter. Tatsächlich hat Japan, nach der deutschen und der schweizerischen Nationalmannschaft am drittmeisten Bundesliga-Akteure bei der WM im Kader. Und generell ist da einiges an hochklassigen Fußballern dabei: Keisuka Honda, inzwischen in Mexiko aktiv, war schon bester Torjäger in der Qualifikation. Er wird umgeben von Dortmunds Shinji Kagawa und Frankfurts Makoto Hasebe, vorne im Sturm wartet der wendige Okazaki. Junge Talente hat Japan derzeit nicht parat: Der jüngste Spieler ist 23 Jahre alt.

Fraglich ist, ob die Abwehr ähnlich gut halten wird wie in der Qualifikation. Gerade gegen körperlich starke Teams dürfte es für Japan schwer werden. Kolumbien und Polen dürften sich darüber freuen. Den Trainerwechsel gab es nach einem schwachen 1:1 gegen Mali und einem 1:2 gegen die Ukraine. Aber danach war nicht gerade alles revolutionär anders: Einem 4:2-Erfolg gegen Paraguay stehen 0:2-Pleiten gegen die Schweiz und Ghana gegenüber. Trotz der internationalen Erfahrung des Kaders fehlt es Japan wohl letztendlich an defensiver Qualität, um große Chancen in der Gruppe zu besitzen.

Trainer:
Akira Nishino

Tor:
Eiji Kawashima (FC Metz)
Kosuke Nakamura (Kashiwa Reysol)
Masaaki Higashiguchi (Gamba Osaka)

Abwehr:
Tomoaki Makino (Urawa Reds)
Yuto Nagatomo (Galatasaray)
Maya Yoshida (Southampton)
Hiroki Sakai (Marseille)
Gotoku Sakai (Hamburger SV)
Gen Shoji (Kashima Antlers)
Wataru Endo (Urawa Reds)
Naomichi Ueda (Kashima Antlers)

Mittelfeld:
Makoto Hasebe (Eintracht Frankfurt)
Hotaru Yamaguchi (Cerezo Osaka)
Gaku Shibasaki (FC Getafe)
Keisuke Honda (Pachuca)
Takashi Inui (SD Eibar)
Genki Haraguchi (Fortuna Düsseldorf)
Takashi Usami (Fortuna Düsseldorf)
Ryota Oshima (Kawasaki Frontale)
Shinji Kagawa (Borussia Dortmund)

Sturm:
Yuya Osako (1. FC Köln)
Yoshinori Muto (Mainz 05)
Shinji Okazaki (Leicester City)

Prognose:

Kolumbien lief 2014 in Brasilien zur Höchstform auf. Abzuwarten bleibt, wie sie in Russland agieren. Angesichts der Qualität des Kaders sind sie leicht favorisiert auf den Gruppensieg. Bei Polen wird viel davon abhängen, wie Robert Lewandowski in den wichtigen Spielen drauf ist, nachdem er genau diese bei den Bayern eher mäßig absolviert hat. Senegal und Japan bleiben die Turnier-Außenseiterchancen. Insbesondere die senegalesische Offensive könnte den Gegnern wehtun.

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WM 2018 – Gruppe G: Der Premier-League Faktor bei Belgien und England

Belgien

2014 bei der WM: Geheimfavorit. Ergebnis: Endstation Argentinien im Viertelfinale. 2016 bei der EM: Geheimfavorit. Ergebnis: Endstation Wales im Viertelfinale. 2018 bei der WM: Von „Geheim“ kann ja wohl keine Rede mehr sein. Dennoch ist Belgien im Pool der 7-8 Nationen zu sehen, die realistische Chancen auf den WM-Titel besitzen. Der Kader ist immens stark und verfügt über viele Spieler, die bereits in den letzten Jahren Erfahrung bei den großen Turnieren sammeln konnten und vielleicht jetzt reif für den nächsten Sprung sind.

Mit neun Siegen bei einem Remis und beeindruckenden 43:6 Toren ballerte sich Belgien souverän zur WM (4,3 Tore pro Spiel, u.a. natürlich mit 9:0 und 6:0-Erfolgen gegen Gibraltar, 8:1 gegen Estland). Darunter auch das schnellste Tor der WM-Geschichte von Benteke (s.u.). Der kann sich das Video immer wieder anschauen in den nächsten Wochen: Er wurde aus dem vorläufigen Kader ebenso gestrichen wie Romelu Lukakus Bruder Jordan und schaut nur zu. Dabei ist dagegen Abwehrchef Vincent Kompany, der jedoch mal wieder Verletzungsprobleme hat. Und zwar so starke, dass der eigentlich aussortierte Ciman noch ein paar Tage länger bei der Mannschaft blieb. Inzwischen ist er abgereist, Kompany sollte fit sein. Man wird sehen.

Kaum eine Mannschaft verfügt über ähnlich viele Spieler mit solch einer individuellen Klasse. Stürmer Romelu Lukaku (Manchester United), Mittelfeldstratege Kevin de Bruyne (Manchester City) und Flügelflitzer Eden Hazard (FC Chelsea London) vorneweg. Wirklich große Schwachpunkte besitzt Belgien nicht. Der entscheidende Faktor könnte die Ligenzugehörigkeit der Spieler werden. Elf Spieler verdienen ihr Geld derzeit in der Premier League, wo die Fußballer einiges an Pflichtspielen mehr absolvieren müssen als anderswo. Oft wirken gerade die Spieler bei den großen Turnieren schlicht müde. Gruppengegner England kann davon ebenfalls ein Lied singen. Bei den Testspielen wirkte Belgien aber noch fit (0:0 gegen Portugal, 3:0 gegen Ägypten, 4:1 gegen Costa Rica).

Mittlerweile trauen weniger Leute Belgien den großen Wurf zu als noch vor ein paar Jahren. Und das macht Belgien 2018 dann wohl doch zum ersten Mal zu einer Art echtem Geheimfavoriten. Panama und Tunesien dürften keinen Maßstab darstellen, im Duell gegen England geht es wohl direkt um den Gruppensieg. Auf diesen dürfte Belgien die größeren Chancen besitzen.

Trainer:
Roberto Martinez Montoliu (Spanien)

Tor:
Koen Casteels (VfL Wolfsburg)
Thibaut Courtois (FC Chelsea)
Simon Mignolet (FC Liverpool)

Abwehr:
Toby Alderweireld (Tottenham Hotspur)
Dedryck Boyata (Celtic Glasgow)
Vincent Kompany (Manchester City)
Thomas Meunier (Paris Saint-Germain)
Thomas Vermaelen (FC Barcelona)
Jan Vertonghen (Tottenham Hotspur)

Mittelfeld:
Kevin De Bruyne (Manchester City)
Mousa Dembélé (Tottenham Hotspur)
Leander Dendoncker (RSC Anderlecht)
Maroune Fellaini (Manchester United)
Adnan Januzaj (Real Sociedad)
Youri Tielemans (AS Monaco)
Axel Witsel (TJ Quanjian)

Angriff:
Michy Batshuayi (Borussia Dortmund)
Yannick Carrasco (DL Yifang)
Nacer Chadli (West Bromwich Albion)
Eden Hazard ( FC Chelsea)
Thorgan Hazard (Borussia Mönchengladbach)
Romelu Lukaku (Manchester United)
Dries Mertens (SSC Neapel)

England

In der Qualifikation hielt sich England schadlos und gelangte mit acht Siegen bei zwei Unentschieden ungeschlagen zur WM in Russland. Selbst in allen sechs Testspielen seit der Qualifikation blieb man ungeschlagen (0:0 gegen Deutschland, 0:0 gegen Brasilien, 1:0 gegen die Niederlande, 1:1 gegen Italien, 2:1 gegen Nigeria und 2:0 gegen Costa Rica). Geht da für England etwa etwas?

Seit 1990 hat es das Mutterland des Fußballs nicht einmal mehr in ein WM-Halbfinale geschafft. Das Problem, was Belgien besitzt, hat England in Extremform: Nicht ein einziger Spieler aus dem Kader ist nicht in der Premier League aktiv. Im vergangenen Jahr jubelte England ob der Siege sowohl bei der U17- als auch bei der U20-Weltmeisterschaft. Das mag eine schöne Prognose darstellen – für die WM 2022 in Katar. In Russland sind diese Spieler noch nicht dabei.

Dafür andere: Gerade in der Offensive ist England mit Spielern wie Harry Kane, Raheem Sterling und Co hochkarätig besetzt. Überall findet man Spieler von englischen Top-Teams. Dass wenige Leute England auf der Rechnung haben, mag eben mit der erfolglosen Vergangenheit zu tun haben. Vor vier Jahren scheiterte man in der Gruppenphase, vor zwei Jahren bei der EM im Achtelfinale an Island. Die Mannschaft scheint unter Trainer Gareth Southgate, der Sam Allerdyce Ende 2016 nach einem Enthüllungsskandal ablöste gefestigt zu sein. Wird England etwa in der Gruppe des ewigen Geheimfavoriten Belgien zum Geheimfavoriten?

Für Panama und Tunesien dürfte es locker reichen. Selbst ein zweiter Platz in der Gruppe G führt zu lösbaren Aufgaben aus Gruppe H, weswegen auch ein Viertelfinale erstmal nicht unrealistisch erscheint. Doch ob die englischen Spieler nach der langen Premier League Saison ihr ganzes Potenzial abrufen können, wird man erst am 28. Juni sehen. Da spielt man gegen Belgien wohl um Platz 1 der Gruppe.

Trainer:
Gareth Southgate

Tor:
Pickford, Jordan (FC Everton)
Jack Butland (Stoke City)
Nick Pope (FC Burnley)

Abwehr:

Ashley Young (Manchester United)
Phil Jones (Manchester United)
Gary Cahill (FC Chelsea)
John Stones (Manchester City)
Kyle Walker (Manchester City)
Fabian Delph (Manchester City)
Kieran Trippier (Tottenham Hotspur)
Danny Rose (Tottenham Hotspur)
Harry Maguire (Leicester City)
Trent Alexander-Arnold (FC Liverpool)

Mittelfeld:
Eric Dier (Tottenham Hotspur)
Jesse Lingard (Manchester United)
Ruben Loftus-Check (FC Chelsea)
Jordan Henderson (FC Liverpool)
Dele Alli (Tottenham Hotspur)

Angriff:
Danny Welbeck (FC Arsenal)
Jamie Vardy (Leicester City)
Harry Kane (Tottenham Hotspur)
Marcus Rashford (Manchester United)
Raheem Sterling (Manchester City)

Tunesien

Während England mit 0 Legionären zur WM fährt, besitzt Tunesien davon direkt 17. Die wichtigsten Spieler findet man vor allem in der französischen Liga, angeführt von Wahbi Khazri, der bei Stade Rennes immerhin auf neun Tore bei zwei Vorlagen kam. Die WM-Qualifikation erfolgte nach Siegen gegen Nationen wie Mauretanien, Libyen und Guinea nur ganz knapp vor der Demokratischen Republik Kongo – die fast das zweite Mal nach 1974 an einer WM teilgenommen hätten.

Somit ist es Tunesien, die zum fünften Mal an einer WM teilnehmen, dabei aber nie über die Gruppenphase hinauskamen. Auch 2018 wird das vermutlich der Fall sein – zu stark ist die Konkurrenz aus Belgien und England. Dabei sind die Testspielergebnisse größere Mutmacher als die Quali: Dieses Jahr gab es Siege gegen Iran (1:0), Costa Rica (1:0) bei Unentschieden gegen Portugal (2:2) und die Türkei (2:2) und nur einer knappen Niederlage gegen Spanien (0:1). Das Testspielergebnisse aber oftmals wenig Wert besitzen weiß man spätestens seit der 0:5-Klatsche von Saudi-Arabien gegen Russland zum WM-Auftakt.

Im letzten Gruppenspiel wird es gegen Panama vermutlich um Rang drei in der Gruppe gehen. Trainer Maaloul wird wohl dennoch zufrieden sein. Nachdem er Tunesien bereits bei der gescheiterten WM-Qualifikation 2014 betreute, hat er es nun im zweiten Anlauf geschafft. Im Vorfeld hatte man versucht, eine schlagkräftigere Truppe zusammen zu stellen, indem man z.B. versuchte Sami Khediras Bruder Rani anzuwerben. Erfolglos. Kleienr Trost: Es hätte wohl wenig geändert.

Trainer:
Nabil Maaloul

Tor:
Aymen Mathlouthi (Al-Batin FC)
Farouk Ben Mustapha (Al-Shabab)
Mouez Hassen (LB Chateauroux)

Abwehr:
Hamdi Nagguez (Zamalek SC)
Dylan Bronn (KAA Gent)
Rami Bedoui (ES Sahel)
Yohan Benalouane (Leicester City)
Syam Ben Youssef (Kasimpasa)
Yassine Meriah (CS Sfaxien)
Oussama Haddadi (FCO Dijon)
Ali Maaloul (Al-Ahli)

Mittelfeld:
Ellyes Skhiri (HSC Montpellier)
Mohamed Amine Ben Amor (Al-Ahli)
Ghaylene Chalali (Esperance Tunis)
Farjani Sassi (Al-Nasr)
Ahmed Khalil (Club Africain)
Seifeddine El Khaoui (ES Troyes)

Sturm:
Fakhreddine Ben Youssef (Al-Ettifak)
Anice Badri (Esperance Tunis)
Bassem Srarfi (OGC Nizza)
Wahbi Khazri (Stade Rennes)
Naim Sliti (FCO Dijon)
Sabeur Khalifa (Club Africain)

Panama

Mit Panama hat es ein absoluter WM-Neuling nach Russland geschafft! Die erste Qualifikation der Geschichte des Landes ist schon so etwas wie eine kleine Sensation. Punktgleich vor Honduras und einen Punkt vor den USA kam man als Dritter gerade so durch. Entscheidend dafür war der 2:1-Siegtreffer gegen Costa Rica im letzten Spiel, in der 88. Minute.

Panama hat lange auf dieses Turnier gewartet. Einige Spieler können davon ein Lied singen. Im Tor steht Jaime Penedo (36 Jahre, seit 2003 Nationalspieler), die Abwehr wird geführt von Felipe Baloy (37, seit 2001 Nationalspieler,) und im Sturm wirbeln immer noch Blas Pérez (37, seit 2001 Nationalspieler) und Luis Tejada (36, seit 2001 Nationalspieler) und natürlich „Jungspund“ Roman Torres (32, seit 2005 Nationalspieler), der den entscheidenden Treffer gegen Costa Rica erzielte. Das Turnier können sie entspannt angehen: In erster Linie erfüllt sich Panama mit der Teilnahme einen Traum, und in der Gruppe erwartet wohl kaum einer ein Weiterkommen. Doch gerade die Engländer dürften gewarnt sein: 2014 scheiterten sie unerwartet an Costa Rica. Wird Panama zum nächsten unüberwindbaren Mittelamerika-Giganten für die Briten?

Ganz klar: Panama muss über die Gemeinschaft und eine gute Defensive kommen, um die Favoriten zu überraschen. Neben den erfahrenen Akteuren hat Panama jedoch auch junge Talente dabei, wie den Mittelfeldspieler Jose Luis Rodríguez, der einen Tag nach dem ersten Spiel gegen Belgien seinen 20. Geburtstag feiert, oder Ismael Diaz (21), der jedoch auch „nur“ in der dritten spanischen Liga aktiv ist.

An sich scheint Panama stabil zu stehen. Dieses Jahr gab es eine knappe Niederlage gegen Dänemark (0:1), einen ebenso knappen Erfolg gegen Norwegen und Trinidad&Tobago (je 1:0) bei einem torlosen Remis gegen Nordirland. Lediglich gegen die Schweiz leisteten sie sich einen Komplett-Blackout bei dem 0:6 im März. Trotz der Qualifikation müssen da die Begleitumstände erwähnt werden: Die USA schaffte es nicht, gegen Trinidad&Tobago zu gewinnen und Panama erzielte insgesamt in 16 Qualifikationsspielen auch nur 16 Tore – bei 15 Gegentreffern. Platz 3 ist in der Gruppe aber definitiv drin – auch wenn Panama in Sachen Sympathien sicher um die vorderen Ränge mitspielen wird.

Trainer:
Hernán Darío Gómez

Tor:
Jose Calderon (Chorrillo FC)
Jaime Penedo (Dinamo Bukarest)
Alex Rodriguez (San Francisco FC)

Abwehr:
Felipe Baloy (Municipal, Guatemala)
Harold Cummings (San Jose Earthquakes)
Eric Davis (Dunajska Streda)
Fidel Escobar (New York Red Bulls)
Adolfo Machado (Houston Dynamo)
Michael Amir Murillo (New York Red Bulls)
Luis Ovalle (CD Olimpia)
Torres Roman (Seattle Sounders)

Mittelfeld:
Edgar Barcenas (Cafetaleros de Tapachula)
Armando Cooper (Universidad de Chile)
Anibal Godoy (San Jose Earthquakes)
Gabriel Gomez (Atletico Bucaramanga)
Valentin Pimentel (Plaza Amador)
Alberto Quintero (Universite)
Jose Luis Rodriguez (KAA Gent)

Angriff:
Abdiel Arroyo (Liga Deportiva Alajuelense)
Ismael Diaz (Deportivo La Coruna)
Blas Perez (Municipal)
Luis Tejada (Sport Boys)
Gabriel Torres (Huachipato)

Prognose

Die WM ist bisher ein Turnier des Favoritenstolperns. Erwischt es auch Belgien direkt gegen Panama oder England gegen Tunesien? Unwahrscheinlich. Belgien und England machen den Gruppenersten wohl im direkten Duell aus. Panama feiert eine WM-Party. England darf aber gewarnt sein: Nach Costa Rica 2014 wird man die Mittelamerikaner eventuell weniger unterschätzen.

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WM 2018 – Gruppe F: Zlatanlos, Orgienreich, Weltmeisterlich

Deutschland

Vier Jahre nach dem lange ersehnten vierten Stern scheint es schwer vorstellbar, dass die deutsche Mannschaft eine ähnliche Motivation besitzen könnte wie vor vier Jahren. Die alte Riege um Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm und Miroslav Klose krönte ihre internationale Karriere im letztmöglichen Zeitpunkt mit dem WM-Titel. Doch gerade darin liegt auch die Stärke: Der Umbruch hat in den letzten vier Jahren zahlreiche junge, titelhungrige Spieler hervorgebracht.

Doch Deutschland muss gewarnt sein: Die letzten beiden Weltmeister flogen im Folgeturnier schon in der Vorrunde raus (Italien 2010, Spanien 2014). Wird es zum Fluch? In der Gruppe warten mit Mexiko und Schweden zwei äußerst unangenehme Gegner, die man nicht unterschätzen sollte. Das bei den Deutschen gefürchtete zweite Spiel, indem es in der Ära Löw naturgemäß schlecht läuft, sollte diesmal möglichst gut verlaufen – ansonsten droht eine Niederlage gegen Schweden und, sollte man „nur“ auf Platz 2 der Gruppe landen, ein Achtelfinale gegen Brasilien. Und nochmal wird es kein 7:1 geben.

Nominell scheint die deutsche Elf gleichwertig, wenn nicht sogar besser besetzt zu sein als noch vor vier Jahren. Einzig auf der linken Abwehrseite, wo Jonas Hector seine Arbeit verrichtet, ist Deutschland nicht sensationell besetzt. Ein Fragezeichen steht natürlich weiter hinter Manuel Neuer, der von Jogi Löw trotz einer bockstarken Saison des Konkurrenten ter Stegen den Vorzug erhält. Kommt es zu einer weiteren Verletzung im Fuß, könnte das die Karriere von Neuer beenden. Wollen wir es nicht hoffen.

Der Verzicht von Leroy Sané tut weh – viele hatten sich schon sehr auf den potentiellen Shootingstar von der Bank gefreut. Dagegen kann nun aber das Augenmerk auf zwei Spieler gelegt werden, die bei einer WM noch nicht groß aufspielen durften: Timo Werner – und Marco Reus! Endlich hat er es wieder zu einem großen Turnier geschafft. Mit der überragenden Geschwindigkeit und der Technik beider Spieler dürften sie das deutsche Offensivspiel erheblich beleben. Und dann ist da noch Thomas Müller, der bei Weltmeisterschaften bisher zu seinem Namensvetter Gerd mutiert und nach zwei WMs bereits bei 10 Treffern steht – und damit Rekordtorjäger Miroslav Klose nahe kommen könnte. Defensiv kommt Toni Kroos als inzwischen vierfacher CL-Sieger zum Turnier, umgeben von den üblichen Verdächtigen Khedira, Hummels, Boateng und auch Joshua Kimmich, der den nahtlosen Übergang der Ära Lahm beim FC Bayern wie in der Nationalmannschaft gemeistert hat.

Unerfreulich ist derweil die fortlaufende populistische Diskussion um Özil und Gündogan, die die Nationalmannschaft bis in die WM hinein begleitet und Einfluss auf die Stimmung der gesamten Truppe haben dürfte. Man kann es fast schon als Vorteil sehen, dass die beiden sich in Russland und nicht in Deutschland messen müssen – und dort weniger mit Pfiffen rechnen dürften als beim Freundschaftsspiel gegen Saudi-Arabien. Gerade dieses Spiel war es aber auch, das gezeigt hat, dass Deutschland Probleme kriegen könnte, wenn sie sich auf die zweite Reihe verlassen müssen. Im Confed Cup mag das noch geklappt haben, bei der WM wird Deutschland abhängig davon sein, dass die entscheidenden Spieler das Turnier lang durchhalten. Jerome Boateng ist gerade erst wieder fit, Mesut Özil hatte in der Vorbereitung Probleme und andere Akteure wie Sami Khedira und Marco Reus sind generell verletzungsanfällig. Ganz klar: Viel muss zusammenkommen, damit ein erneuter Triumph wiederholt werden kann. Dennoch ist Deutschland ganz klar wieder Mitfavorit um den Titel.

Trainer:
Joachim Löw

Tor:
Manuel Neuer (FC Bayern)
Marc-André ter Stegen (FC Barcelona)
Kevin Trapp (Paris St. Germain)

Abwehr:
Jerome Boateng (FC Bayern)
Mats Hummels (FC Bayern)
Joshua Kimmich (FC Bayern)
Niklas Süle (FC Bayern)
Matthias Ginter (Borussia Mönchengladbach)
Jonas Hector (1. FC Köln)
Marvin Plattenhardt (Hertha BSC)
Antonio Rüdiger (FC Chelsea)

Mittelfeld:
Julian Brandt (Bayer Leverkusen)
Julian Draxler (Paris St. Germain)
Leon Goretzka (Schalke 04)
Ilkay Gündogan (Manchester City)
Sami Khedira (Juventus Turin)
Toni Kroos (Real Madrid)
Mesut Özil (FC Arsenal)
Marco Reus (Borussia Dortmund)
Sebastian Rudy (FC Bayern)

Angriff:
Mario Gomez (VfB Stuttgart)
Thomas Müller (FC Bayern)
Timo Werner (RB Leipzig)

Mexiko

Wie startet man so richtig geil in eine WM-Vorbereitung? Mit einer Party! Das ganze mexikanische Team soll sich im Vorfeld der WM mit 30 Eskort-Damen vergnügt haben. Der Verband bestätigt den Vorfall nicht, eine Strafe wurde auch nicht ausgesprochen. Generalsekretär Guillermo Cantu sagte, die Spieler hätten schließlich keine Trainingseinheit verpasst. Man könnte argumentieren, sie hätten sogar noch eine extra absolviert. Wie dem auch sei: Mexikos Chicharito klärte in einer Facebook-Fragestunde auf: Es war alles nur für seinen Geburtstag, und es waren keine Eskort-Damen dabei. Mittelfeldspieler Hector Herrera durfte im Anschluss aber sogar in die Heimat fliegen, um „Irritationen“ mit seiner Ehefrau zu lösen.

Ist doch schön, dass es zum Auftakt direkt gegen Deutschland geht und Mexiko Gelegenheit hat, an andere Dinge zu denken. Bereits letztes Jahr hatten die Teams das Vergnügen miteinander: Im Confed-Cup schlug die B-Elf von Deutschland Mexiko klar mit 4:1 (2x Goretzka, Werner, Younes). Ganz so einfach dürfte es dieses Jahr nicht werden. Die mentalitätsstarken Mexikaner kamen derweil souverän als Gruppenerster durch die Mittelamerika-Qualifikation. Doch die Generalproben zeigten größere Probleme: 0:0 gegen Wales, 1:0 gegen Schottland, 0:2 gegen Dänemark. Im März gewann man immerhin 3:0 gegen Island.

Mexiko ist absolut WM-erfahren – es ist die 16. Teilnahme. Personell kommen die Mittelamerikaner mit zwei Frankfurtern zur WM – das sind jedoch nicht die spannendsten Personalien. Das sind eher die Brüder Giovani (29) und Jonathan dos Santos (28). Beide ausgebildet in der Jugend des FC Barcelona und teilweise als sehr vielversprechend eingestuft, spielen sie inzwischen gemeinsam zusammen mit Zlatan bei Los Angeles Galaxy. Zuvor hatten sie auch schon gemeinsam bei Villareal gespielt. Ebenfalls bei LA Galaxy spielt Carlos Vela, der jahrelang bei Real Sociedad für die Tore zuständig war. Auch vom FC Porto waren drei Spieler nominiert, doch Verteidiger Diego Reyes wird nicht rechtzeitig fit und wurde kurz vor WM-Beginn noch ausgetauscht.

Wenn auch einzelne Spieler wie Chicharito oder Herrera herausragen, kommt Mexiko über das starke Kollektiv. Das zeigt auch die Qualifikation: Mit 16 unterschiedlichen Torschützen hat man am zweitmeisten aller Teams. Das einzige Team, das mehr hat? Deutschland. 21. Für Mexiko dürfte es durchaus hart werden, in der Gruppe zu bestehen. Insbesondere wenn man das Auftaktspiel verliert und Konkurrent Schweden bereits Gelegenheit hat, davonzuziehen.

Trainer:
Juan Carlos Osorio

Tor:
Alfredo Talavera (Toluca)
Jesus Corona (Cruz Azul)
Guillermo Ochoa (Standard Lüttich)

Abwehr:
Carlos Salcedo (Eintracht Frankfurt)
Hector Moreno (Real Sociedad San Sebastian)
Miguel Layun (FC Sevilla)
Diego Reyes (FC Porto) // Erick Gutierrez (Klub CF Pachuca) nachnominiert
Jesus Gallardo (Pumas UNAM)
Hugo Ayala (Tigres UANL)
Edson Alvarez (America)

Mittelfeld:
Hector Herrera (FC Porto)
Marco Fabian (Eintracht Frankfurt)
Andres Guardado (Betis Sevilla)
Giovani dos Santos (Los Angeles Galaxy)
Jonathan dos Santos (Los Angeles Galaxy)
Rafael Marquez (Atlas Guadalajara)

Angriff:
Carlos Vela (Los Angeles Galaxy)
Hirving Lozano (PSV Eindhoven)
Jesus Corona (FC Porto)
Javier Aquino (Tigres UANL)
Oribe Peralta (CF America)
Raul Jimenez (Benfica Lissabon)
Javier Hernandez (West Ham United)

Schweden:

Es ist das Turnier 1 nach Zlatan Ibrahimovic für die Schweden. Das ihnen das wenig ausmacht, haben sie in der Qualifikation gezeigt. In einer schwierigen Gruppe landete man zwar hinter Frankreich, aber punktgleich vor den Niederlanden und sorgte damit bereits für die erste Überraschung. In der Relegation schaltete Schweden dann auch noch Italien aus. Man kann sagen: Es scheint fast so, als wirke Schweden befreit. Der Kult um Zlatan Ibrahimovic wurde stets auch mit einer Portion Skepsis betrachtet. Doch die großen Momente, die er sich gerne mal für die großen Spiele aufhob, werden zweifelsohne fehlen.

Der neue Star der Mannschaft kommt aus Leipzig: Emil Forsberg zieht im Mittelfeld die Fäden. Das Prunkstück der Schweden ist aber vor allem die Defensive rund um Manchester United-Spieler Lindelöf und Granqvist, während auf den Außen wohl Bremens Augustinsson und Lustig verteidigen dürften. Diese Verteidigung bekam in 10 Spielen der Quali (4 davon ja gegen Frankreich und die Niederlande) nur neun Gegentreffer – und in zwei Relegationsspielen gegen Italien nicht einen einzigen. Auch die letzten Testergebnisse zeigen die Stärken der Schweden. 0:0 gegen Peru. 0:0 gegen Dänemark. Kann man auf zwei Arten lesen.

Natürlich fehlt vorne im Sturm nun ein Superstar. Die Rolle des Torjägers führt Ex-Hamburger Marcus Berg solide aus, traf in der Qualifikation sogar acht Mal – vier Tore davon aber bei dem 8:0 gegen Luxemburg. Fraglich, ob mit der starken Abwehr und dem schwächeren Angriff eine Wiederholung von 2012 möglich ist: In Deutschland erinnert man sich noch an das 4:4 in der Quali für die WM 2014 – nach 4:0-Führung der Deutschen. Jogi Löw meinte daher nach der Auslosung, man wolle diesmal 5:0 führen, um auf Nummer sicher zu gehen. Das wird es wohl nicht brauchen. Aber es wird schwer genug, durch den schwedischen Abwehrriegel zu dringen. In der Gruppe mit den schwächelnden Mexikanern ist die Truppe Favorit auf ein Weiterkommen.

Trainer:
Janne Andersson

Tor:
Robin Olsen (FC Kopenhagen)
Karl-Johan Johnsson (Guingamp)
Kristoffer Nordfeldt (Swansea)

Abwehr:
Mikael Lustig (Celtic)
Victor Nilsson Lindelöf (Manchester United)
Andreas Granqvist (Krasnodar)
Martin Olsson (Swansea)
Ludwig Augustinsson (Werder Bremen)
Filip Helander (Bologna)
Emil Krafth (Bologna)
Pontus Jansson (Leeds)

Mittelfeld:
Sebastien Larsson (Hull City)
Albin Ekdal (Hamburger SV)
Emil Forsberg (RB Leipzig)
Gustav Svensson (Seattle)
Oscar Hiljemark (Genua 1893)
Viktor Claesson (Krasnodar)
Markus Rohden (Crotone)
Jimmy Durmaz (Toulouse)

Stürmer:
Marcus Berg (Al-Alhi)
John Guidetti (Alaves)
Isaac Kiese Thelin (Waasland-Beveren)
Ola Taivonen (Toulouse)

Südkorea

Südkorea – inzwischen auch Stammgast bei Fußball-Weltmeisterschaften. Seit 1986 war man jedes mal dabei, es ist inzwischen die zehnte Teilnahme für die Nation, die 2002 bei der eigenen WM bis ins Halbfinale vordringen konnte. Diese Zeiten dürften sich 2018 nicht wiederholen. Allein die Qualifikation war mehr als holprig, am letzten Spieltag qualifizierte man sich durch ein 0:0 gegen Usbekistan und hatte Glück, dass Syrien ebenfalls nur 0:0 spielte. Syrien verlor in der Relegation gegen Australien. Kaum verwunderlich, dass Trainer Tae-Yong Shin auf andere Methoden setzt und versucht, im Vorfeld die Gegner zu verwirren: Durch falsche Trikotnummern, wenig zugelassenen Fragen und angeblich sogar absichtlich schlechten Leistungen in Testspielen.

Als Superstar geht ganz klar Tottenhams Heung-Min Son vorweg. Daneben gibt es einige Spieler von Qualität wie Augsburgs Ja-Cheol Koo oder den 22-jährigen Salzburger Hee-Chan Hwang. Insgesamt ist der Kader, in dem nur noch acht Akteure von der WM 2014 dabei sind, qualitativ jedoch mittelmäßig. Insbesondere in der Defensive ist auffällig, dass alle Akteure in den eher schwächeren asiatischen Ligen zuhause sind. Wie so oft dürften sie gerade mit körperlich starken Teams schnell Probleme bekommen – was bei allen drei Gegnern zutreffen dürfte. Überraschend fehlt im Kader auch Dong-Won Ji, vor vier Jahren noch dabei. Vor vier Jahren war er aber auch noch bei Borussia Dortmund – die Rückrunde 2018 spielte er aber gerade in Darmstadt. So schnell gehts.

Nur elf Tore in zehn Qualifikationsspielen bei zehn Gegentreffern, 2018 bereits Testspielniederlagen gegen Nordirland (1:2), den Senegal (0:2), Bosnien-Herzegowina (1:3) und Polen (2:3) bei lediglich einem Sieg gegen Honduras (2:0) – Südkorea wirkt nicht so, als könnte es in der schweren Gruppe F auch nur ein Wörtchen um den Achtelfinaleinzug mitreden.

Abwehr:
Shin Tae-Yong

Tor:
Seung-Gyu Kim (Vissel Kobe)
Jin-Hyeon Kim (Cerezo Osaka)
Hyun-Woo Cho (Daegu FC)

Abwehr:
Young-Gwon Kim (Guangzhou Evergrande)
Hyun-Soo Jang (FC Tokyo)
Seung-Hyun Jung (Sagan Tosu)
Yong-Sun Yun (Seongnam FC)
Ban-Suk Oh (Jeju United)
Min-Woo Kim (Sangju Sangmu)
Joo-Ho Park (Ulsan Hyundai)
Chul Hong (Sangju Sangmu)
Yo-Han Go (FC Seoul)
Yong Lee (Jeonbuk Hyundai Motors)

Mittelfeld:
Sung-Yueng Ki (Swansea City)
Woo-Young Jung (Vissel Kobe)
Se-Jong Ju (Asan Mugunghwa FC)
Ja-Cheol Koo (FC Augsburg)
Jae-Sung Lee (Jeonbuk Hyundai Motors)
Seung-Woo Lee (Hellas Verona)
Seon-Min Moon (Incheon United)

Angriff:
Shin-Wook Kim (Jeonbuk Hyundai Motors)
Heung-Min Son (Tottenham Hotspur)
Hee-Chan Hwang (Red Bull Salzburg)

Prognose

Der erste Platz für Deutschland muss zwar Pflicht sein, ist aber alles andere als selbstverständlich. Insbesondere im berüchtigten zweiten Spiel gegen Schweden könnte es für Deutschland heiß hergehen. Südkorea könnte eine ganz bittere Gruppenphase erleben. Mexiko braucht eine gute Teamleistung, um sich in der Gruppe durchzusetzen. Die beiden europäischen Teams sind in der Favoritenrolle.

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WM 2018 – Gruppe E: Brasilien + X? Kann Costa Rica es nochmal tun?

BRASILIEN

Brasilien ist zurück. So liest man es momentan überall. Vier Jahre nach der Heim-WM, die mit dem traumatischen 1:7 gegen Deutschland im Halbfinale endete, sehnt man sich in Brasilien nach Wiedergutmachung. Und der Weg dahin ist eindrucksvoll. In der schweren Südamerika-Qualifikation distanzierte Brasilien allein den zweitplatzierten aus Uruguay deutlich mit 10 Punkten Vorsprung. Lediglich im ersten von 18 Spielen setzte es eine Niederlage gegen Chile.

Vor vier Jahren war die Mannschaft dem kompletten Druck der Nation ausgesetzt. Erst jetzt scheint es, als könnte sie diesem gewachsen sein. Mit Philippe Coutinho, Gabriel Jesus oder Roberto Firmino gibt es offensiv genug Power, um Neymar zu entlasten – der gerade rechtzeitig zur WM wieder fit geworden ist und seitdem in den Testspielen nach Belieben trifft. Trainer Tite hat den Kader so verändert, wie er es brauchte. David Luiz, 2014 noch Kapitän, ist gar nicht dabei, dafür steht ein gewisser Pedro Geromel, den man aus der Bundesliga nur von seinen Leistungen vom 1.FC Köln kennt, Seite an Seite mit Kalibern wie Real Madrids Marcelo. Unter Carlos Dunga waren Bundesliga-Akteure im brasilianischen Kader noch gern gesehen, unter Tite ist man zurück zu alten Mustern gegangen. Sehr zum Missfallen eines Spielers wie Naldo.

Tite weiß genau, wen er sehen will. So verriet er bereits im Februar die Aufstellung für das erste Spiel der WM. Im Mittelfeld kommt Brasilien weniger mit der feinen Klinge, sondern starker Physis in Form eines Casemiro, Renato Augusto oder Paulinho. Dabei wäre es nicht so, dass diese Spieler nicht auch technisch stark wären. In den Testspielen gewann man zuletzt munter weiter, schlug im März auch Deutschland mit 1:0 und hat prinzipiell nur das Problem, dass es fast schon zu gut läuft. Die Gruppe sollte für Brasilien dennoch erstmal nur ein Warmlaufen werden.

Trainer:
Tite

Tor:
Alisson Becker (AS Rom)
Ederson (Manchester City)
Cassio (Corinthians Sao Paulo)

Abwehr:
Danilo (Manchester City)
Fagner (Corinthians Sao Paulo)
Miranda (Inter Mailand)
Marquinhos (Paris St. Germain)
Thiago Silva (Paris St. Germain)
Pedro Geromel (Gremio Porto Alegre)
Marcelo (Real Madrid)
Filipe Luis (Atletico Madrid)

Mittelfeld:
Casemiro (Real Madrid)
Fernandinho (Manchester City)
Fred (Schachtjor Donezk)
Paulinho (FC Barcelona)
Renato Augusto (Beijing Guoan)
Philippe Coutinho (FC Barcelona)
Willian (FC Chelsea)

Angriff:
Neymar (Paris St. Germain)
Gabriel Jesus (Manchester City)
Roberto Firmino (FC Liverpool)
Douglas Costa (Juventus Turin)
Taison (Schachtjor Donezk)

SCHWEIZ

Die Schweiz reist mit zehn Spielern aus der Fußball-Bundesliga im Gepäck nach Russland. Fast wäre es dazu nicht gekommen – trotz einer nahezu perfekten Qualifikation. Doch Portugal und die Schweiz holten beide je neun Siege bei einer Niederlage, und die Schweiz musste in den Play-Offs gegen Nordirland nachsitzen. Beide Vergleiche blieben bis auf ein entscheidendes Elfmetertor vom Ex-Wolfsburger Ricardo Rodriguez torlos.

Vor vier Jahren zog die Schweiz, damals noch unter Ottmar Hitzfeld, souverän (trotz 2:5 gegen Frankreich) ins Achtelfinale und unterlag dort dem späteren Finalisten Argentinien erst in der Verlängerung. Auch vier Jahre später ist ein Weiterkommen der Nati gut möglich – auch wenn das Auftaktspiel gegen Brasilien direkt eine riesige Hürde darstellt. Alle Spieler im Kader spielen auf hohem Niveau. Im Tor hat man mit Yann Sommer einen überragenden Keeper, in der Abwehr findet man gute Spieler wie den routinierten Lichtsteiner oder Ex-HSVler Djourou, während vorne die Abteilung Attacke mit  Spielern wie Shaqiri oder Seferovic aufwartet.

Es sind nicht die ganz großen Namen, weswegen die Schweiz es wohl auch schwer haben wird, zum ersten Mal seit 60 Jahren weiter als bis zum Achtelfinale zu kommen. Allein daran sollte man noch keinen Gedanken verschwenden – mit Costa Rica und Serbien warten erstmal zwei anspruchsvolle Aufgaben für das Team von Vladimir Petkovic.

Trainer:
Vladimir Petkovic

Tor:
Roman Bürki (Dortmund)
Yann Sommer (Gladbach)
Yvon Mvogo (Leipzig)

Abwehr:
Manuel Akanji (Dortmund)
Johan Djourou (Antalyaspor)
Nico Elvedi (Gladbach)
Michael Lang (Basel)
Stephan Lichtsteiner (Juventus)
Jacques-Francois Moubandje (Toulouse)
Ricardo Rodriguez (Milan)
Fabian Schär (La Coruna)

Mittelfeld:
Valon Behrami (Udinese)
Blerim Dzemaili (Bologna)
Gelson Fernandes (Frankfurt)
Remo Freuler (Bergamo)
Xherdan Shaqiri (Stoke City)
Granit Xhaka (Arsenal)
Denis Zakaria (Gladbach)
Steven Zuber (Hoffenheim)

Angriff:
Josip Drmic (Gladbach)
Breel Embolo (Schalke)
Mario Gavranovic (Zagreb)
Haris Seferovic (Benfica)

SERBIEN

Serbien ist für viele Fußballfans immer noch schwer einzuschätzen. Seit 2006 haben die Serben alleine eine Nationalmannschaft, zum zweiten Mal qualifiziert sich diese nach 2010 für die WM. Dabei blieb Serbien in der Quali vor Irland und sorgte auch dafür, dass sowohl EM-Halbfinalist Wales um Gareth Bale als auch Österreich eine Teilnahme verwehrt blieb. Die Qualifikation zur WM erfolgte noch unter Trainer Slavoljub Muslin. Dann kam es jedoch zum Bruch. Der serbische Verband wollte wohl, dass Sergej Milinkovic-Savic, serbisch-montenegrischer Jungstar von Lazio Rom nominiert wird, bevor Montenegro den Spieler kriegt. Muslin weigerte sich – und musste gehen. Nachfolger wurde Ex-Bremer und -Schalker Mladen Krstajic, der jetzt mit Serbien zur WM darf. Und Milinkovic-Savic mitnimmt, versteht sich.

Wie groß dessen Rolle letztendlich sein wird, bleibt abzuwarten. Der Fokus der gegnerischen Verteidiger dürfte auf Aleksandar Mitrovic liegen, mit sechs Toren bester Torjäger der Serben in der Qualifikation. In der Verteidigung wartet die ganze Erfahrung von Branislav Ivanovic, der inzwischen nicht mehr bei Chelsea, sondern St. Petersburg spielt. Fehlen wird dort Schalkes Nastasic, der nach Kreuzbandriss nicht rechtzeitig fit wurde. Im Mittelfeld steht mit Manchester Uniteds Nemanja Matic wohl der größte Star der Mannschaft, wohl neben ebenjenem Milinko-Savic. Als kreativer Vorlagengeber fungiert Southamptons Dusan Tadic.

Nach einer knappen Niederlage gegen Chile (0:1) zeigte man sich gegen Bolivien (5:1) in Torlaune. Serbien hat durchaus gute Chancen auf das Achtelfinale – dafür ist die erste Partie gegen Costa Rica aber bereits ausschlaggebend.

Trainer:
Mladen Krstajic

Tor:
Marko Dmitrovic (SD Eibar)
Predrag Rajkovic (Maccabi Tel Aviv)
Vladimir Stojkovic (Partizan Belgrad)

Abwehr:
Branislav Ivanovic (Zenit St. Petersburg)
Aleksandar Kolarov (AS Rom)
Nikola Milenkovic (AC Florenz)
Milan Rodic (Roter Stern Belgrad)
Antonio Rukavina (FC Villarreal)
Uros Spajic (RSC Anderlecht)
Dusko Tosic (Besiktas Istanbul)
Milos Veljkovic (Werder Bremen)

Mittelfeld:
Marko Grujic (Cardiff City)
Filip Kostic (Hamburger SV)
Adem Ljajic (FC Turin)
Nemanja Matic (Manchester United)
Sergej Milinkovic-Savic (Lazio Rom)
Luka Milivojevic (Crystal Palace)
Nemanja Radonjic (Roter Stern Belgrad)
Dusan Tadic (FC Southampton)
Andrija Zivkovic (Benfica Lissabon)

Angriff:
Luka Jovic (Eintracht Frankfurt)
Aleksandar Mitrovic (FC Fulham)
Aleksandar Prijovic (PAOK Saloniki)

COSTA RICA

WM 2014. Alle sprechen von der Todesgruppe D. Denn darin sind schließlich: England. Italien. Uruguay. Na gut. Und Costa Rica. Von vielen Seiten bekamen die Mittelamerikaner Mitleid zugesprochen, mit so einer Gruppe wohl jede Chance auf ein Weiterkommen vergessen zu können. Drei Spiele später (3:1 gegen Uruguay, 1:0 gegen Italien, 0:0 gegen England) grüßte Costa Rica als Gruppenerster von oben, bezwang im Elfmeterschießen Griechenland im Achtelfinale und wurde nur durch die Niederlande gestoppt – ebenfalls erst im Elfmeterschießen. Costa Rica schied ungeschlagen aus. Real Madrid reagierte – und kaufte Keeper Keylor Navas.

Es bleibt fraglich, ob Costa Rica noch einmal ähnliche Leistungen zeigen kann. In der Mittelamerika-Qualifikation blieben sie deutlich hinter Mexiko auf Platz 2, qualifizierten sich damit  jedoch souverän für die Weltmeisterschaft. Doch von zehn Spielen der Qualifikation wurden lediglich vier gewonnen, bei vier Unentschieden und zwei Niederlagen. In den jüngsten Testspielen setzte es ein 0:2 gegen England und ein 1:4 gegen Belgien – das nennt man wohl „klare Grenzen“.

Doch auch 2014 hatte niemand die Truppe auf der Rechnung, die von Kapitän Bryan Ruiz angeführt wird. Ebenfalls dabei ist 2014-Shootingstar Joel Campbell im Sturm, der mit nur 25 Jahren inzwischen bereits 75 Länderspiele auf dem Buckel hat. Erneut wird Costa Rica als Außenseiter in die Gruppe gehen. Umso mehr dieses Image aber im Vorfeld kommuniziert wird, umso mehr wird es die Jungs vielleicht freuen. Und wer weiß, was diesmal passiert.

Tor:
Keylor Navas (Real Madrid)
Patrick Pemberton (Alajuelense)
Leonel Moreira (Herediano)

Abwehr:
Giancarlo Gonzalez (Bologna)
Johnny Acosta (Águilas Doradas)
Cristian Gamboa (Celtic)
Bryan Oviedo (Sunderland)
Oscar Duarte (Espanyol)
Francisco Calvo (Minnesota United)
Kendall Waston (Vancouver Whitecaps FC)
Ronald Matarrita (New York City FC)
Ian Smith (Norrköping)

Mittelfeld:
Celso Borges (Deportivo La Coruna)
Christian Bolanos (Saprissa)
Randall Azofeifa (Herediano)
Yeltsin Tejeda (Lausanne)
David Guzman (Portland Timbers)
Rodney Wallace (New York City FC)
Daniel Colindres (Saprissa)

Sturm:
Bryan Ruiz (Sporting CP)
Joel Campbell (Real Betis)
Marco Urena (Los Angeles FC)
Johan Venegas (Saprissa)

Prognose:

Brasilien wird in der Gruppe wohl wenig Mühe haben, um als Gruppenerster ins Achtelfinale einzuziehen. Die Achtelfinalpartien werden gegen die deutsche Gruppe F bestritten, weswegen der zweite Platz auch nicht allzu verlockend sein dürfte (für Deutschland wiederum auch nicht). Hinter Brasilien stehen drei Mannschaften, von denen jeder der Einzug ins Achtelfinale zuzutrauen wäre. Die Schweiz könnte beim Auftakspiel gegen Brasilien bereits einiges an Selbstvertrauen verlieren, während der Verlierer der Partie Serbien gegen Costa Rica bereits die Koffer packen kann. Vielleicht ist es diesmal ja an der Zeit für Serbien, unter Krstajic das Weiterkommen zu schaffen.

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WM 2018 – Gruppe D: Messis Trauma, Okochas Neffe und Islands Debüt

Argentinien

Im vergangenen Oktober drohte Argentinien die WM in Russland zu verpassen. Dann folgte im letzten Spiel gegen Ecuador die Gala von Lionel Messi. Mit drei Treffern schoss er die Albiceleste im Alleingang zum Turnier. Es wird seine vierte WM werden. Die drei vergangenen endeten alle gleich: Mit dem Ausscheiden der Argentinier gegen Deutschland. Der WM-Finalist von 2014 zählt für viele nicht zum engsten Favoritenkreis. Doch allein von der nominellen Besetzung im Angriff können viele Teams nur träumen. Mit Mauro Icardi ließ man sogar den Torschützenkönig der Serie A (29 Tore in 34 Partien) zuhause! Dessen Stand ist in Argentinien jedoch seit ein paar Jahren wacklig. Der Grund: Das vermeintliche Ausspannen der Frau von Teamkollege Maxi Lopes! Soviel Boulevard muss sein.

Beide sind nicht bei der WM dabei. Doch die Offensive um Lionel Messi (47 Pflichtspieltore), Gonzalo Higuain (27), Sergio Aguero (31), Angel di Maria (22) und Paulo Dybala (26) lässt sowieso kaum Wünsche offen. Für viele aus dem Kader dürfte es die letzte Möglichkeit sein, bei einer WM doch noch den ganz großen Wurf zu landen. Ein wichtiger Bestandteil der alten Garde wird dabei jedoch fehlen: Stammtorwart Romero fällt beim Turnier verletzt aus. 94 Länderspiele hatte er bis dato auf dem Buckel. Die drei Torhüter, die in Russland dabei sein werden, kommen alle zusammen nicht einmal auf zehn Spiele. Dazu hat Argentinien insbesondere auf den defensiven Außenbahnen seine Probleme. Deutlich zu sehen war das im März beim Testspiel gegen Spanien, wo es ein heftiges 1:6 (!) setzte. Dazu gab es Probleme en masse: Von Spielerstreiks bis hin zu Ärger im argentinischen Verband.

Dennoch dürfte die Gruppenphase kein Problem darstellen. Und Lionel Messi hofft wohl nur darauf, dass Deutschland einen anderen Turnierweg wählt als den der Argentinier.

Trainer:
Jorge Sampaoli

Tor:
Franco Armani (River Plate)
Wilfredo Caballero (FC Chelsea)
Nahuel Guzman (Tigres UANL)

Abwehr:
Marcos Acuna (Sporting Lissabon)
Cristian Ansaldi (FC Turin)
Federico Fazio (AS Rom)
Javier Mascherano (Hebei China Fortune)
Gabriel Mercado (FC Sevilla)
Nicolas Otamendi (Manchester City)
Marcos Rojo (Manchester United)
Eduardo Salvio (Benfica Lissabon)
Nicolas Tagliafico (Ajax Amsterdam)

Mittelfeld:
Ever Banega (FC Sevilla)
Lucas Biglia (AC Mailand)
Angel Di Maria (Paris St. Germain)
Nahuel Guzman (Tigres UANL) (nachnominiert für Manuel Lanzini / Kreuzbandriss)
Giovani Lo Celso (Paris St. Germain)
Maximiliano Meza (Independiente)
Cristian Pavon (Boca Juniors)

Angriff:
Sergio Agüero (Manchester City)
Paulo Dybala (Juventus Turin)
Gonzalo Higuain (Juventus Turin)
Lionel Messi (FC Barcelona)

Kroatien

Wie eh und je begegnen einem eine Menge bekannter Namen im Kader von Kroatien. Allein fast alle Stürmer spielen oder spielten in der Bundesliga, mit Ivan Rakitic und Luka Modric verfügt man zudem über zwei der besten Mittelfeldspieler Europas, die es zusammen inzwischen auf fast 200 Länderspiele bringen. Dennoch reichte es in der WM-Qualifikation nur zu Platz 2 hinter Island. In der Relegation setzte man sich dann souverän gegen Griechenland durch.

Das Potential der Kroaten scheint gewohnt groß zu sein. Die Frage, ob sie es auf den Platz bringen, ist eine ganz andere. Wollen sie ins Achtelfinale, müssen sie diesmal besser sein als Island, die sich wie in der Qualifikation auch bei der WM in der gleichen Gruppe tummeln. Doch die Voraussetzungen dafür sind nicht rosig. Zum mühsamen Erreichen der Endrunde kommen mittelmäßige Testspielergebnisse im Jahr 2018, über das auch der jüngste 2:1-Sieg gegen WM-Teilnehmer Senegal nicht hinwegtäuschen kann.

Bei der letzten WM durfte man das Eröffnungsspiel bestreiten, scheiterte aber in der Gruppenphase an Brasilien und Mexiko. Mit einem Kader, der neben den beiden Superstars im Mittelfeld noch Hochkaräter wie Mario Mandzukic, Ivan Perisic und Matteo Kovacic besitzt, muss das Achtelfinale rein nominell Pflicht sein. Ob Island nach der EM 2016 und nach der Qualifikation zur WM 2018 auch diesmal überraschen kann? Nur wenn die Kroaten ihre individuelle Qualität im Mannschaftsgefüge abrufen können, wird das zu verhindern sein. Dennoch favorisiert für den zweiten Platz in der Gruppe D, was im Achtelfinale jedoch wahrscheinlich ein Duell mit Frankreich bedeuten würde.

Trainer:
Zlatko Dalic

Tor:
Lovre Kalinic (KAA Gent)
Dominik Livakovic (Dinamo Zagreb)
Danijel Subasic (AS Monaco)

Abwehr:
Duje Caleta-Car (Red Bull Salzburg)
Vedran Corluka (Lokomotive Moskau)
Tin Jedvaj (Bayer Leverkusen)
Dejan Lovren (FC Liverpool)
Josip Pivaric (Dynamo Kiew)
Ivan Strinic (Sampdoria Genua)
Domagoj Vida (Besiktas Istanbul)
Sime Vrsaljko (Atletico Madrid)

Mittelfeld:
Milan Badelj (AC Florenz)
Filip Bradaric (HNK Rijeka)
Marcelo Brozovic (Inter Mailand)
Mateo Kovacic (Real Madrid)
Luka Modric (Real Madrid)
Ivan Rakitic (FC Barcelona)

Angriff:
Nikola Kalinic (AC Mailand)
Andrej Kramaric (1899 Hoffenheim)
Mario Mandzukic (Juventus Turin)
Ivan Perisic (Inter Mailand)
Marko Pjaca (Schalke 04)
Ante Rebic (Eintracht Frankfurt)

Nigeria

Nur Legenden im Kader von Nigeria! Besser gesagt: Im Trainerstab. Neben Trainer Gernot Rohr, der mit Bayern München als Spieler in den 70ern zweimal Deutscher Meister wurde, arbeiten auch Jay-Jay Okocha und Viktor Agali für die nigerianische Nationalmannschaft. Nach Gabun, Niger und Burkina Faso ist Nigeria die vierte Trainerstation für Rohr bei afrikanischen Nationalmannschaften. Bei Nigeria hat er für einen Umbruch gesorgt. Nigeria hat einen der jüngsten Kader aller WM-Teilnehmer. Gleichzeitig wurde  die sechste WM-Qualifikation des Landes erreicht, trotz einer Gruppe mit Sambia, Kamerun und Deutschlandschreck Algerien. Wen man aus dem ersten Topf zugelost bekommt, war aber wohl jedem Nigerianer klar: Gegen Argentinien tritt man nun zum fünften Mal bei sechs WM-Teilnahmen teil. Jedes Mal gewann Argentinien mit exakt einem Tor Vorsprung.

John Obi Mikel hat sich nach elf Jahren bei Chelsea London inzwischen zwar in die chinesische Liga zurückgezogen, ist aber immer noch zentraler Punkt der Mannschaft. Mit Victor Moses und den jungen Stürmern Alex Iwobi und Kelechi Iheanacho verfügt die Truppe aber über ordentliches Offensivpotenzial. Iwobi schoss die Nigerianer bereits zur WM und war auch einziger Torschütze im Test gegen England Anfang Juni (1:2). Der Neffe von Jay Jay Okocha bräuchte nach einer durchwachsenen Saison bei Arsenal (drei Tore) jedoch eine deutliche Leistungssteigerung, um Nigeria im Turnier zu halten.

Die Gegner dürften jedoch gewarnt sein: Vor vier Jahren schaffte es Nigeria – natürlich hinter Argentinien – aber vor Bosnien und Herzegowina auf Platz 2 und ins Achtelfinale, wo gegen Frankreich Endstation war. Ein Duell, was auch diesmal möglich wäre, sollte man Platz 2 in der Gruppe erreichen. Die Super Eagles sollten nicht unterschätzt werden, sind jedoch letztendlich der Außenseiter der Gruppe.

Trainer:
Gernot Rohr (Deutschland)

Tor:
Francis Uzoho (Deportivo La Coruna)
Ikechukwu Ezenwa (Enyimba Aba)
Daniel Akpeyi (Chippa United)

Abwehr:
Kenneth Omeruo (Kasimpasa)
Elderson Echiejile (Cercle Brügge)
Leon Balogun (FSV Mainz 05)
Tyronne Ebuehi (ADO Den Haag)
Bryan Idowu (Amkar Perm)
Chidozie Awaziem (FC Nantes)
William Troost-Ekong (Bursaspor)
Abdullahi Shehu (Bursaspor)

Mittelfeld:
Wilfred Ndidi (Leicester City)
Ogenyi Onazi (Trabzonspor)
John Obi Mikel (Tianjin TEDA FC)
John Ogu (Hapoel Be’er Sheva)
Oghenekaro Etebo (UD Las Palmas)
Joel Obi (FC Turin)

Angriff:
Simeon Nwankwo (FC Crotone)
Victor Moses (FC Chelsea)
Odion Ighalo (Changchun Yatai)
Kelechi Iheanacho (Leicester City)
Ahmed Musa (ZSKA Moskau)
Alex Iwobi (FC Arsenal)

Island

Die Publikumslieblinge der EM 2016 sind auch bei der WM 2018 dabei, zur Freude vieler Fußballfans. Und wie: In der Qualifikation ließ man Gruppengegner Kroatien hinter sich und zeigte eindrucksvoll, dass man es hier nicht mit einer Einturnierfliege zu tun hat. Dass die Nation mit den rund 330.000 Einwohnern jetzt aber auch noch die erste Fußball-WM seiner Geschichte spielen darf ist dennoch eine Sensation. Damit löst man auch Trinidad & Tobago ab – als WM-Teilnehmerland mit den wenigsten Einwohnern.

Der Kader der Isländer hat sich nicht groß gewandelt – und der Star ist weiterhin die Mannschaft, wenn auch einzelne Akteure wie Evertons Sigurdsson oder Augsburgs Finnbogason hervorstechen. Dank Rurik Gislason ist auch der SV Sandhausen bei der WM 2018 vertreten. Und verträumte Islandromantik hin oder her – faktisch spielen fast alle Spieler aus dem WM Kader inzwischen quer verteilt in Europa, von Russland bis nach Bulgarien.

Die Gegner dürften gewarnt sein – Island ist nicht zu unterschätzen und nervenstark. Das zeigte man in der Qualifikation zum Beispiel am vorletzten Spieltag, als sie der Türkei durch einen 3:0-Auswärtserfolg endgültig die WM-Chance raubten. Die letzten Testspiele misslangen jedoch. Im März gab es Niederlagen gegen Mexiko (0:3) und Peru (1:3), im Juni war es kaum besser gegen Norwegen (2:3) und Ghana (2:2).

Dass nach der EM 2016 inflationär und überall eingesetzte „Hu!“ zwischen Fans und Mannschaft ist inzwischen (zum Glück) markenrechtlich geschützt. Eigentlich kann dann nichts schief gehen. Nur die gestiegene Erwartungshaltung könnte nerven. Doch im ersten Spiel gegen Argentinien hat man nichts zu verlieren. Perfekt für eine Überraschung? Trotz EM 2016 und WM-Quali 2018 bedarf es einer überdurchschnittlichen Vorstellung, um in der Gruppe weiterzukommen.

Trainer:
Heimir Hallgrímsson

Torhüter:
Hannes Halldorsson (Randers)
Runar Runarsson (Nordsjaelland)
Frederik Schram (Roskilde)

Abwehr:
Birkir Saevarsson (Valdur Reykjavik)
Sverrir Ingason (Rostov)
Ragnar Sigurdsson (Rostov)
Kari Arnason (Aberdeen)
Holmar Eyjolfsson (Levski Sofia)
Hordur Magnusson (Bristol City)
Ari Skulason (Lokeren)

Mittelfeld:
Samuel Fridjonsson (Valerenga)
Albert Gudmundsson (PSV Eindhoven)
Johann Gudmundsson (Burnley)
Birkir Bjarnason (Aston Villa)
Gylfi Sigurdsson (Everton)
Olafur Skulason (Karabükspor)
Aron Gunnarsson (Cardiff City/Wales)
Rurik Gislason (SV Sandhausen)
Emil Hallfredsson (Udinese Calcio)
Arnor Traustason (Malmö FF)

Angriff:
Björn Sigurdarson (Rostov)
Alfred Finnbogason (FC Augsburg)
Jon Bodvarsson (Reading)

Prognose:

Die Kroaten und Argentinier kommen mit routinierten Teams zur WM, Nigeria mit vielen Talenten und Island zum ersten Mal und hochmotiviert. Eine schwierig einzuschätzende Gruppe, in der es letzten Endes jedoch wohl nur um Platz 2 hinter Argentinien gehen wird. Island zeigte in den Testspielen Formschwäche, aber auch Nigeria und Kroatien sind nicht vollends überzeugend. Bei den Kroaten stehen die entscheidenden Spieler vor ihrem letzten Turnier – einmal Achtelfinale ist da noch drin.