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Anthony Modeste: Symbol für den 1. FC Köln?

Die Frage „Aubameyang oder Lewandowski“ muss man nach sieben Spieltagen mit Anthony Modeste beantworten. Mit bereits sieben Treffern lässt er die Favoriten auf die Torjägerkanone in der Schlange stehen.

Bereits als Modeste noch bei Hoffenheim spielte, fiel einem die enorme Abschlussqualität gepaart mit einer für gegnerische Verteidiger ungünstigen Physis des Franzosen auf. Und obwohl die Quote schlechter hätte sein können (19 Treffer in 55 Spielen), gelang es Modeste nie, sich auf Dauer durchzusetzen. Eigentlich veranlagt für mehr, zog es ihn zum 1. FC Köln. Ein Verein, der seit jeher laut Eigenwahrnemung für mehr veranlagt ist. Wie übrigens auch der Hamburger SV, 1860 München und die komplette dritte Bundesliga.

Im Wechselspiel mit Ujah zum FC

Der 1. FC Köln reagierte mit Modeste auf den Verkauf von Anthony Ujah an Werder Bremen. Bereits damals diskutierte ich mit einem Bremenfan, der sich fragte, warum man selbst denn bei einem Ujah anfragt, wenn Modeste auf dem Markt sei. Und während Ujah mit 11 Bundesligatreffern zwar nicht enttäuschte, ließ er sich doch vom zehnten Frühling des Claudio Pizarro ein wenig den Rang ablaufen und war in Köln aufgrund der 15 Tore von Modeste ebenfalls bald vergessen.

Die China-Irritation

Umso erstaunter war ich, als der Express im Juni titelte, Modeste stehe vor dem Absprung nach China. War er also auch einer von diesen Sandro-Wagner-Typen, die den Wohlfühlfaktor ignorieren für die Chance auf das große Geld? Verübeln könnte man es ihm nicht. Er war auch wahrlich nicht als vereinstreuer Spieler bekannt. Der 1.FC Köln war der siebte Verein, für den Modeste seit 2007 spielte – mehrere Leihgeschäfte inklusive. Aber es machte sich bereits ein wenig Enttäuschung breit, glaubte ich doch, Modeste hätte mit dem FC endlich seine Adresse in der Bundesliga gefunden. Doch er zog seine Ausstiegsklausel – und in der Öffentlichkeit war damit der Wechsel schon quasi fix. Keinen Monat später verlängerte er in Köln bis 2020.

Rheinländische Offenheit

Und so unspektakulär offen, wie man beim 1. FC Köln die Dinge in den vergangenen Jahren versucht anzugehen, so unspektakulär spektakulär verkündete Modeste auch, dass die ganze Posse im Bereich der Beraterpolitik zu verorten wäre und für einen dicken Vertrag notwendig gewesen sei. Auch aufgrund einer hierzulande gut zu behandelnden Allergie seines Sohnes böte Deutschland ihm die perfekten Bedingungen. Ein Jahr nach dem von Hasskommentaren begleiteten Abgang von Ujah blieb den FC-Fans die Suche nach einem weiteren Nachfolger erspart, und beinahe lässig ging Modeste nach ein bisschen Sommergefasel wieder auf Torejagd.

Nach sieben Spielen hat er nun schon fast halb so viele Tore auf dem Konto wie letzte Saison. Er glänzt mit Traumtoren wie gegen den FC Bayern und hat mitentscheidenden Anteil, dass der 1. FC Köln sich plötzlich auf Rang 2 wiederfindet – und das, obwohl man mit Bayern (1:1), Leipzig (1:1) und Schalke (3:1) schon einige vermeintliche Topkandidaten bespielt hat.

Ruhe in Köln, Ruhe bei Modeste

Die Chancen auf die Torjägerkanone dürften für Modeste zwar größer sein als die der Meisterschaft für seinen Verein. Nichtsdestotrotz finden sich Parallelen. Denn auch bei ihm scheint ähnlich wie beim FC Köln Ruhe eingekehrt zu sein. Beim nächsten Spitzenspiel gegen Hertha BSC Berlin wird es das brauchen, um zumindest den Traum von Europa weiter zu beflügeln. Dann braucht es für die nächste Vertragsverhandlung auch keinen Chinapoker mehr.