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Währenddessen in Argentinien…

Argentinien gegen Chile hieß das Finale der Copa America Centenario, der einhundertsten Copa America, die gestern in den USA beendet wurde. Erstmals fand das Turnier, zur Feier des Jubiläums, ausserhalb von Südamerika statt. Chile gewann – wie 2015 – gegen Argentinien im – wie 2015 –  Elfmeterschießen. Torschützenkönig wurde – wie 2015 – Hoffenheims Eduardo Vargas, Bester Spieler des Turniers Alexis Sanchez und bester Torwart des Turniers Claudio Bravo. Im Viertelfinale fidelten die Chilenen Mexiko gar mit 7:0 vom Platz. Und einen Tag nach dem Finale reden alle über ein Land – Argentinien.

Während hierzulande die EURO im vollen Gange ist, bekommt man die Copa America doch meist nur am Rande mit. Brasilien trat gar ohne Superstar Neymar an, der sich lieber auf Olympia in Rio vorbereitet.
Jetzt, wo das Turnier vorbei ist, erfährt es auf einmal große Aufmerksamkeit. Denn der fünffache Weltfußballer Lionel Messi ist drei Tage nach seinem 29. Geburtstag aus der Nationalmannschaft zurückgetreten.

Was steckt dahinter?

Argentinien hat 2014 das WM-Finale verloren, 2015 und 2016 das Copa America Finale. Messi hatte dabei den ersten Elfmeter verschossen. Er soll so zerstört wie nie gewirkt haben, berichtete Mitspieler Aguero. Der Druck, trotz seiner Klasse seinem Land keinen Titel zu bringen, könnte zu groß geworden sein. Messi hatte über die Jahre stets heftige Kritik der Presse einstecken müssen, warum seine Auftritte bei Argentinien und Barcelona so unterschiedlich ausfallen.

Doch so groß der Frust aufgrund ausbleibender Triumphe bei Messi sicherlich sein mag: Hinter dem Rücktritt stecken auch andere Motive. Bereits nach dem Halbfinale der Copa America schoss Lionel Messi gegen den Verband AFA, weil die Mannschaft in einem Flugzeug warten musste.

„Mein Gott, was für eine Katastrophe die von der Afa sind!!!!“

(Lionel Messi am 23. Juni via Instagram, übersetzt)

Auch Sergio Aguero hatte zuvor bei Instagram schon ein Foto mit Messi gepostet, indem er darauf hinwies, dass die Spieler im Bus seien – ohne gegessen zu haben.

Feliz cumple amigo . siempre la pasamos en la concentración . ahora en un micro y sin cenar jeee … Te quiero amigo ✌

A photo posted by Sergio Leonel Agüero (@aguerosergiokun16) on

 

Korruption und Wahlmanipulation

Aufgefallen war der Verband im vergangenen Winter, als es offensichtlich zu Manipulationen bei der Wahl des Verbandspräsidenten kam. Sowohl der Interimspräsident Luis Segura als auch der TV-Moderator Marcello Tinelli erhielten jeweils 38 Stimmen. Das Problem: Insgesamt durften nur 75 Funktionäre abstimmen.

Zuvor war der 2014 verstorbene Julio Grondona 35 Jahre lang Chef der AFA gewesen. Gegen ihn war seit 2011 in Argentinien wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung im zweistelligen Millionenbereich, Geldwäsche und  Korruption  ermittelt worden, wobei es trotz eindeutiger Hinweise nie zu einem Urteil gegen ihn kam. Auch bei der FIFA war Grondona ein hohes Tier. Gleich nach Amtsantritt setzte Blatter ihn 1998 als Vorsitzenden der Finanzkommission ein, bis zu seinem Tod war er Vizepräsident des FIFA-Exekutivkommitees. Sein Spitzname: „Don Julio“. Nachdem ein Video publik wurde, in dem er einem Rivalen mit Mord drohte, sagte Grondona: „In 32 Jahren hatte ich mehr Klagen als Al Capone. Nie wurde ich bestraft!“

Sparzwang auch bei der Copa

Bei der Copa America fiel der Verband damit auf, dass er bei den Vorbereitungen für die Mannschaft an einigem sparte. Während das Team sonst mit einem Nachwuchsteam als Trainingspartner agierte, standen dem Team dieses Jahr ein paar Mädels und Jungs einer Universitätsmannschaft aus San José gegenüber.

Weitere Rücktritte wahrscheinlich

Neben Lionel Messis Rücktritt gelten laut argentinischen Medien die Rücktritte von Kun Aguero (28) und Javier Mascherano (32) als gesichert. Zusätzlich wird wohl über Rücktritte von Angel Di Maria (28), Ezequiel Lavezzi (31), Gonzalo Higuain (28) und Lucas Biglia (30) spekuliert.

Es droht der Zerfall des Vizeweltmeisters – wenn sich im Verband nicht etwas ändert. Die angedrohte Rücktrittsreihe kann auch als klares Signal der Spieler an die AFA verstanden werden. Es ist gut vorstellbar, dass man Lionel Messi trotz seines Rücktrittes in zwei Jahren bei der WM in Russland auf dem Platz sieht. Es ist aber auch realistisch, dass seine Nationalmannschaftskarriere gestern unrühmlich endete.