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Debatten aus der Hölle? Bayernbonus und Elfmeterschinder

Die Debatte um den sagenumwobenen Bayernbonus nimmt nach dem klar unberechtigten Elfmeter gegen den FC Augsburg altbekannte Ausmaße an. Gibt es ihn wirklich, den Vorteil für den deutschen Rekordmeister in entscheidenden Situationen? Die Fanlager sind oftmals ja bereits naturgemäß klar aufgeteilt.

Was sagt die „wahre Tabelle“?

Auf der der Plattform „wahre Tabelle“ wird seit jeher auf Schiedsrichterfehler hingewiesen und eine korrekte Tabelle erstellt. So kann man sich innerhalb von Sekunden über einen jahrelangen Zeitraum informieren. Die letzten fünf Spielzeiten der Bayern lesen sich wie folgt:

2014/2015: Drei Punkte „zuviel“ am Ende der Saison
2013/2014: +/- 0
2012/2013: +/- 0
2011/2012: Zwei Punkte „zuwenig“ am Ende der Saison
2010/2011: Einen Punkt „zuviel“ am Ende der Saison.

Natürlich ist diese Tabelle lediglich ein Indiz denn ein Beweis dafür, dass es keine wirkliche Bevorteilung in spielentscheidenden Situationen für den FC Bayern München gibt. Mehrere Spieler beschwerten sich über die Jahre gerade über den Unterschied im Umgangston, welchen einige Schiedsrichter mit den Bayernspielern pflegten. Oftmals macht sich eine Bevorteilung eines Vereins auch eher in kleinen denn in großen Pfiffen bemerkbar.

Die Logik der Debatte

Neben der Tatsache, dass die Bayernpartien sich meist in der gegnerischen Hälfte abspielen und ein Foul im gegnerischen Strafraum allein dadurch prozentual höher einzustufen ist, weist die Heftigkeit der aktuellen Debatte doch zugleich darauf hin, wie selten sie geführt wird – und führt sie damit ein Stück weit ad absurdum. Die Frage nach dem Bayernbonus wird in der Regel 1-2 Mal pro Saison geführt – wenn die Mannschaft tatsächlich durch eine klare Fehlentscheidung zusätzliche Punkte eingefahren hat.

Die Emotion dahinter ist unverkennbar und auch nicht sonderlich verwerflich: Die Bundesligafans wünschen sich nach nunmehr zwei Jahren früh entschiedenem Meisterkampf wieder mehr Spannung – auch wenn die meisten Fans gerne so tun, als wäre die Meisterschaft inzwischen vollkommen uninteressant. Das Warten auf das Stolpern der Bayern macht einen der Reize eines normalen Bundesligawochenendes für viele Fans aus. Um diese Chance, dem FC Bayern diese Saison das erste Bein zu stellen, wurden demnach nicht nur der FC Augsburg, sondern auch viele Fans gebracht. Der Krösus einer Disziplin kriegt die gewohnte Gegenwehr von unten. Wenn er dort noch Hilfe von „scheinbar“ oben bekommt, ist die Grundlage einer jeden Debatte bereits gelegt. Und es gibt keinen Bereich außer dem Fussball, wo man selbige mit den immer gleichen Expertenmeinungen, die sich lediglich in Bezug auf Name und Verzweiflungsgrad, wieder in die Medien zu kommen unterscheiden.

Mehr Nüchternheit = Mehrwert

Die Debatte des Bayernbonusses ist jedoch gleichzeitig nicht verzichtbar. Die Schiedsrichter sollten sich stetig hinterfragen, inwiefern eine Gleichbehandlung aller Spieler vorliegt. Die Abstrusität, mit welcher diese Debatte schlagzeilenträchtig betrieben wird, nimmt dem Ganzen jedoch oftmals seine wichtige Grundlage. So wurde Douglas Costa am Wochenende gar ein absichtliches Elfmeterschinden vorgeworfen. Trotz aller mit Fußball verbundenen Emotionen wäre eine ruhige Betrachtung der Sachlage oftmals für alle Seiten profitabler. Auch vielen Fans des FC Bayern würde es dabei gut tun, die gerne intuitiv eingenommene Gegenposition zu verlassen. Die Fakten sind eigentlich ganz simpel: Ein Elfmeter war es niemals – eine Schwalbe jedoch genau so wenig. Der Sieg war nicht unverdient, das Ganze aber doch sehr ärgerlich für den FC Augsburg. Doch in der von Schwarz- und Weiß-Denkern dominierten Fussballwelt macht Grau eben keine Schlagzeilen.

2 Kommentare

  1. Pingback: Debatten aus der Hölle? Bayernbonus und Elfmeterschinder | re: Fußball

  2. Also bei den Vorwürfe gegen Costa habe ich auch gelacht. Er kann nicht wissen, dass es kein Foul war, ohne die Bilder gesehen zu haben. In seiner Wahrnehmung war es sicherlich ein Elfmeter und es gibt auch nach dem Betrachten der Fernsehbilder Argumente dafür. Allerdings deutlich weniger als dagegen. Trotzdem hätte ich gerne gewusst wie der Schiedsrichter entschieden hätte, wenn sich diese Szene auf der anderen Seite abgespielt hätte? Ich denke, er würde deutlich seltener auf den Punkt zeigen.