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Champions League 2016/17: Beginn der Gruppenphase für deutsche Teams

Heute beginnt die Gruppenphase der prestigeträchtigen Champions League. Der Wettbewerb, der in Zukunft noch ein wenig mehr den Reichen und Schönen des Fußballs vorenthalten sein soll, genießt trotz all der Kritik an ihm international einen riesigen Stellenwert. Nach wie vor ist es noch keinem Team gelungen, den seit 1992 existierenden Nachfolgerwettbewerb des Europapokals der Landemeister zweimal in Folge zu gewinnen.

Die Champions League ist sportlich Fluch und Segen für die ganz großen Teams zugleich. Einerseits kann der Gewinn der Champions League über jedwedes nationale Scheitern mehr als hinwegtrösten. Andererseits hält die absurde Debatte darüber, dass ein Team diesen Titel angesichts Teilnehmern wie Real Madrid, FC Barcelona, Bayern München, Manchester City oder Atletico Madrid gewinnen müsse, um eine erfolgreiche Saison zu spielen, nach wie vor an. Pep Guardiola wird nach den vergangenen drei Jahren in München ein Lied davon singen können. Nirgends scheint die Erwartungshaltung so ungerecht wie hier. Aber nirgends ist auch die Spannung so groß.

Gladbach vor der unmöglichen Aufgabe

Für die vier deutschen Vertreter stehen Aufgaben gegen all die oben genannten Teams auf dem Programm. Bei Borussia Mönchengladbach dürften sich angesichts der Spiele gegen den FC Barcelona, Guardiolas Manchester City und Celtic Glasgow die Hoffnungen auf ein Weiterkommen in Grenzen halten. Zumindest Platz 3 für ein Überwintern in der Europa League wäre jedoch ein wichtiges Erfolgserlebnis. Wenn man als Gladbachfan mal ein paar internationale Auswärtsspiele mitmachen wollte – wann, wenn nicht jetzt?

Mit Manchester City fährt man direkt zum Auftakt zu einem der Brocken, der spätestens seit der Verpflichtung von Pep Guardiola seine Ansprüche in der CL nach mehreren durchwachsenen Jahren hochschrauben wird. Christoph Kramer sagt trotzdem: Lieber City als Gladbach.

Leverkusen in der Ausgeglichenheit gefangen

Die Gruppe von Bayer 04 Leverkusen gestaltet sich namenstechnisch wesentlich unspektakulärer. Mit dem AS Monaco, ZSKA Moskau und den Tottenham Hotspurs erscheint eine Prognose jedoch schwieriger, als das in anderen Gruppen der Fall sein mag. Eigentlich eine Pflichtaufgabe für die Leverkusener, die jedoch kurz vor Transferschluss ihren Kader durch die Abgänge von Papadopoulos, Öztunali und Ramalho nicht unbedingt notwendigerweise noch einmal verkleinert haben und mit Bellarabi bereits den ersten mittelfristigen Ausfall ersetzen müssen.

Es gilt als unwahrscheinlich, dass Joker-König Joel Pohjanpalo erneut drei Treffer abliefert, wenn Leverkusen in Probleme gerät. Mehr als das Achtelfinale war in den letzten Jahren selten drin für die Leverkusener – aber zumindest das sollte auch dieses Jahr wieder als Minimalziel gelten, wenn Bayer morgen gegen ZSKA Moskau in das Turnier startet.

Der BVB erholt sich von Leipzig

Einen herben Rückschlag erlitt die Dortmunder Borussia in der Bundesliga gegen Aufsteiger Rasenball Leipzig. Mit der sehr interessanten, neu zusammengestellten Truppe darf man von der Borussia zwar einiges erwarten – inwieweit sie das jedoch bereits in dieser Saison umsetzen kann, ist noch fraglich. Zumindest dürfen sie nach einem Jahr in der Europa League jetzt wieder mit den ganz Großen Europas spielen.

Die CL-Gruppe mit Auftaktgegner Legia Warschau, Sporting Lissabon und Dortmunds Lieblingsgegner Real Madrid ist für die Akteure in schwarz-gelb jedoch machbar. Und mit Glück ist es eine erneute Chance, Titelverteidiger Real Madrid ein wenig zu ärgern. Insbesondere an ein Spiel aus der jüngeren Vergangenheit dürfte man sich dort immer noch erinnern.

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Die Bayern mit der Chance zur Revanche

12 Jahre mussten die Fans des FC Bayern nach dem CL-Triumph 2001 warten, ehe die begehrte Trophäe erneut nach München wanderte. Seitdem ist der öffentliche Anspruch gestiegen – kurioserweise häufig nur von Seiten der Medien und der Fans anderer Vereine. Bei einem Nichtgewinn der Champions League wird die Saison des FC Bayern von vielen Seiten nun zum Misserfolg erklärt.

Klar ist aber auch: Von den Guardiola-Jahren erhoffte man sich auch intern beim FC Bayern wohl mehr als „nur“ drei Halbfinal-Teilnahmen. Mit beeindruckenden fünf Halbfinal-Teilnahmen in Folge sucht man zwar seinesgleichen. Doch man weiß sehr genau, dass man gerade über eine Mannschaft verfügt, die das Potenzial zum erneuten großen Wurf hat. Nun gibt es in der Gruppenphase neben Duellen gegen Eindhoven und CL-Neuling Rostow direkt die Chance zur Revanche gegen den bajuwarischen Vorjahresbezwinger, Atletico Madrid. Kann Carlo Ancelotti seinen fünf CL-Titeln (zwei als Spieler, drei als Trainer) einen weiteren in München hinzufügen?

Und sonst so?

Auch in den anderen Gruppen bahnen sich spannende Duelle an. So muss Paris St. Germain direkt zum Auftakt gegen den FC Arsenal London antreten. Diese werden einmal mehr versuchen, die Gruppenphase als Gruppensieger zu überstehen, da ihnen das Losglück in den vergangenen Jahren nicht allzu hold war (2016 gegen Barcelona, 2013 & 2014 gegen Bayern München).

Der englische Überraschungsmeister Leicester City steht nach verhaltenem Saisonauftakt mit 4 Punkten aus 4 Partien vor seinem CL-Debüt beim FC Brügge. Als Meister einer der großen Ligen in Topf 1 gesetzt, gestaltet sich auch die Gruppe mit Brügge, Kopenhagen und Porto als tendenziell machbar.