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Das Sommerloch – Die Klicks liegen auf der Straße!

Puuuh… So eine Sommerpause kann dann eben doch verdammt lange werden. Am 23. Mai endete die vergangene Bundesligasaison.. das ist also auf den Tag zwei Monate her. Natürlich – es gab noch einige Gelegenheiten, sich weiter mit dem runden Leder, oder aus was die Dinger heutzutage hergestellt werden, zu beschäftigen. Zusammengefasst: Die U21-EM beinhaltete eine fette Schlappe des deutschen Teams gegen Portugal, die Frauen-WM in Kanada hatte interessante Diskussionen über Kunstrasenplätze im Allgemeinen und bei der U19-EM kam es zum Kuriosum, dass die deutsche Mannschaft punktgleich mit allen anderen Teams der Vorrunde als Gruppenletzter ausschied.

So richtig befriedigend war das alles dann irgendwie nicht. Während ich persönlich am Ende der vergangenen Saison, die sich gefühlt direkt an die WM anschloss, fast schon dankbar über eine Fußballpause war, wurde schnell deutlich, wie sehr die Themen eben doch den eigenen Alltag beherrschen – allein, um von möglicher Langeweile abzulenken. Denn das Sommerloch schlägt schließlich überall gleichzeitig zu.

Zeit für Schwachsinn – Jaaa, noch mehr Schwachsinn!

Auch für die Medien ist das natürlich eine schwierige Zeit – aus der sich jedoch ungeahnte Chancen ergeben. Denn insbesondere im englischen Journalismus und hierzulande auf bestimmten Internet-präsenzen ist für den Zeitraum der Sommerpause der eigenen Fantasie endlich einmal keine Grenze mehr gesetzt! Mit dem Wissen, dass jeder halbwegs abhängige Fußballfan mehrfach am Tag die neuesten Transfergerüchte auscheckt, lässt sich ein kompletter Sommer nicht allzu schwer überbrücken.

Man muss Verständnis haben: Die Redakteure müssen ja auch alle von irgendetwas leben. Und die Meldung: „Schweinsteiger, Lewandowski und Müller wechseln im Tausch mit di Maria und Wayne Rooney zu Manchester“ mit der Klausel „van Gaal wird fortan gezwungen seine Töchter zu duzen“ generiert im Sommerloch schließlich aberwitzige Klickzahlen. Denn auch wenn jeder inzwischen weiß, das allein die Meldung eines möglichen Tauschgeschäfts im Stile von Trades, wie sie nur bei Comunio oder auf Grundschulhöfen üblich sind, reicht, um selbige nicht für voll zu nehmen, so hat man auch selten besseres zu tun, als den Schwachsinn mal eben zu lesen. Und im Idealfall: Darunter anschließend zu kommentieren, was es für ein Schwachsinn ist. Unter jeden Artikel.

Es gibt kein Zitat, dass man nicht drehen kann

So bilden sich bei bestimmten Seiten mit der Zeit gar Fotogalerien voller spannender Transfergerüchte, die man täglich durchzappen kann. Fotos sind ja etwas schönes, aber ein Sommer kann eben nicht nur mit Bildern des Rückzugsortes von Cristiano Ronaldo oder Lionel Messi füllen. Redakteure brauchen Texte. Die Trennung von Sami Khedira und Lena Gehrcke ist ja schön und gut – aber das Thema kann man doch höchstens zwei Wochen in siebzehn Artikeln wiedergeben. Es ist zum Verzweifeln.

Ein Glück kann man seit dem Trainingsauftakt wieder alle möglichen mit Fußball beschäftigten Menschen interviewen. Ganz harmlos, nach Saisonzielen etwa, oder möglichen Neuzugängen und Abgängen.  Schreiben kann man hinterher ja stets etwas anderes. Ein Beispiel:

„Der BVB hat es schon bewiesen, die Wahrscheinlichkeit ist vielleicht etwas größer als in Leverkusen, der Kader etwas stärker“ (Gonzalo Castro, SportBild)

Die Aussage klingt so, als wäre BVB-Neuzugang Castro mit Samthandschuhen und Flip-Flops bewaffnet möglichst langsam und behutsam durch ein vermintes Feld marschiert. Aber als Schlagzeile folgte daraufhin: „Castro stichelt gegen Leverkusen“. Selbstredend.

Hier könnte ihr Transfergerücht stehen

Die nicht hinterfragte Übernahme des Sushi-Zitates von Mario Götze in der letzten Woche ist ebenso schockierend wie die regelmäßige Verbreitung der Schlagzeilen von Daily Mirror und Daily Mail, deren täglich neue Aussagen von Louis van Gaal inzwischen hierzulande völlig unkritisch übernommen werden. In anderen Ländern ist diese Tendenz natürlich weit verbreitet – und trotzdem schrecken jeden Sommer alle wie die Hühner auf, wohlwissend, dass am Ende eines von 50 Gerüchten tatsächlich überlebt.

Klappt ein Transfer denn einmal, wird auch da alles herausgesogen. Ich wüsste nicht, wer bald noch alles im Umfeld des FC Bayern München ein Statement oder eine Bestätigung des bevorstehenden Transfers von Arturo Vidal abgeben müsste. Vielleicht ja David Alaba. Der hat so einen coolen Akzent, das könnte man dann gleich mit Video machen. Und wer weiß, vielleicht will der ja auch noch weg.