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Die Aufgabe der Liga gegen die Langeweile

Der große FC Bayern gegen den Rest der Liga – diese nicht ganz unberechtigte Wahrnehmung führt in der Bundesliga derzeit wieder zahlreiche „Langweilig“-Schreier auf den Plan. In der Tat hat die Art und Weise, mit der die Münchner im dritten Guardiola-Jahr ihre Gegner derzeit bespielen etwas fast schon klinisches. Ein „Matchplan“ nach dem anderen wird für alle sichtbar einfach durchgezogen auf der Grundlage einer Mischung aus extremster Qualität und Disziplin innerhalb des Kaders.

Die Bayern auf Jahre Meister, wie BVB-Boss Watzke populistisch anmutend und das alte Understatement reinstallierend verkündete? Es ist nicht auszuschließen. Die derzeitige Haltung der Liga zu diesem Thema ist jedoch weder in keinster Weise förderlich.

Zwei Strategien – Keine funktioniert

In den letzten Monaten gab es – stark heruntergebrochen – zumeist zwei Strategien, wie man gegen den Rekordmeister spielen sollte. Die einen beorderten einen Bus vor die eigene Hütte. Etwas, was nicht erst seit den Guardiola-Jahren, sondern bereits seit Jahrzehnten von kleinen gegen große Teams fabriziert wird.

Die andere Strategie ist die des aktiven Fußballspielens – und das im Fußball, verrückt. Die letzten nationalen Ergebnisse dieser Partien mit zwei Mannschaften sind ein Hauptgrund für den derzeitigen Grad an Verzweiflung. Sowohl Dortmund (5:1), Wolfsburg (5:1 und 3:1) sowie Leverkusen (3:0) gerieten nicht einmal knapp unter die Räder der Münchner Ballbesitzmaschine, lediglich international zeigte Arsenal, dass ein Sieg eben doch allzu gut möglich ist.

Zwischen Vorwürfen und Resignation

So vergehen Wochen und Monate, Teams werfen sich gegenseitig zu großen Respekt vor den Münchnern zu und fordern eine andere Einstellung oder resignieren angesichts der aktuellen Lage. Dabei läge genau in der aktuellen Situation die Herausforderung für die Liga, die einige Teams auf ein neues Niveau heben könnte.

Sobald ein Team einen derartigen Lauf hat, wird gerne ein Legendenstatus verhängt mit absoluten Urteilen, die einen glauben machen, dass sich ab jetzt nie wieder etwas daran ändert. Die Finanzkraft der Bayern gepaart mit dem aktuellen Kader und Knowhow läd dazu geradezu ein. Doch unabhängig von idealistisch geführten Debatten über eine optimale Finanzierung des Fußballs werden sich in der Realität auch bei anderen Vereinen neue Einnahmequellen ergeben, neue Konzepte entwickeln und verbesserte Teams bilden.

Sich eine spannende Liga zu wünschen, indem man etwa hofft, dass Trainer Guardiola die Liga verließe, ist abstrus. Die Lösung eines solchen Problems kann unmöglich darin liegen, die guten Teams wieder schlechter zu machen. Sie muss darin liegen, die anderen Teams auf ein Niveau zu bringen, welches wieder näher an das des Branchenprimus heranreicht. Nur so sind irgendwelche Erfolge auf internationalem Terrain zu erreichen.

Konkurrenten in Sichtweite

Bei der diesjährigen Bundesligasaison handelt es zudem nicht um eine Zwei-Klassen-Gesellschaft, wie gerne tituliert wird. Mit der Dortmunder Borussia hat sich (wieder) ein zweites Team abgesetzt und besitzt derzeit fünf Zähler Vorsprung auf Rang 3 – was übrigens demselben Vorsprung entspricht, den die Münchner Bayern derzeit auf Dortmund innehaben. Von Resignation seitens der Verfolger hört man diesbezüglich wenig. Unter denen tummeln sich mit den Wolfsburgern im Jahr 1 nach de Bruyne, den von Schmidt gut aufgestellten Leverkusenern und einem jungen hungrigen Schalker-Team sowie der wiedererstarkten Borussia aus Mönchengladbach einige Mannschaften, deren Anspruch es mittelfristig nicht sein kann, sich im Aufgeben zu üben – auch wenn es kurzfristig davor schützt, nach Niederlagen die eigenen Aussagen vorgeführt zu bekommen.

Kaum eine nationale Fußballdebatte ist so alt wie die der drohenden Langeweile in der Liga. Und klar ist: Von den letzten 24 Titeln konnten die Münchner ganze 13 selbst einfahren. Doch der Maßstab sollte doch eigentlich sein: 11 konnten sie nicht gewinnen. Der Favoritenstatus wird den Münchnern auch in Zukunft gehören, die Titelfrage nur über sie zu klären sein. Aber die Langeweile zu besiegen – das wird nur gehen, wenn man selbst nicht dazu beiträgt. Und alles daran setzt, die Dominanz eines Teams als Ansporn für die anderen zu nehmen.

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