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Reus-Verlängerung: Zeichen für die Zukunft

Es ist erst Dienstag, und schon ist die Nachricht der Woche klar: Marco Reus verlängert, für viele doch überraschend, seinen Vertrag beim BVB bis 2019. Ohne Ausstiegsklausel. Zum Zeitpunkt der Verlängerung steht die Dortmunder Borussia derzeit auf Relegationsrang 16, und so ist diese Meldung natürlich weitaus mehr als nur ein neuer Kontrakt zwischen Spieler und Verein. Auf einigen Ebenen.

Reus und die „Echte Liebe“ zum BVB

Der gezielt gesetzte Marketingspruch der BVB-Abteilung hat in den letzten Monaten einiges an Häme einstecken müssen. Nach dem zwischenzeitlichen Rutsch auf Rang 18 sprachen viele von einem drohenden Ausverkauf um Kapitän Hummels und Vizekapitän Reus. Und wie auch immer man zu dem Slogan steht: Bei Reus trifft er zu. Bereits bei seinem Wechsel zum BVB hat er sich für seinen Geburtsort Dortmund und gegen die mit Sicherheit besser zahlenden Münchner Bayern entschieden. Knapp drei Jahre später bestätigt er diese Entscheidung nun durch die Vertragsverlängerung. Dass er damit in einer sportlich höchst brisanten Phase halb Europa einen Korb gibt, ist mehr als bemerkenswert. Für den ganzen Verein ist die Verlängerung eine Signalwirkung – für andere eventuell abwanderungswillige Spieler, aber auch für potentielle Neuzugänge. Die Attraktivität des BVB bleibt bestehen.

Der Preis ist heiß

Allein durch Liebe wird aber auch in Dortmund noch kein Spieler verpflichtet. Stimmen die in den Medien kolportierten 8 Millionen Euro Jahresgehalt plus zwei weitere Millionen über seine Deals wie mit BVB-Sponsor Puma, so steigt Reus mit dem Vertrag in die Gehaltsklasse eines Thomas Müller ein, alles zusammengerechnet wägt er sich in Regionen von Lahm und Schweinsteiger – viel mehr kann man bei Bayern München eben auch nicht mehr kassieren.  Ein wirklich deutlicher Mehrverdienst wäre hier wohl tatsächlich nur noch bei Real Madrid zu erwarten gewesen. Dort hätte Marco Reus seinen Status als internationale Marke natürlich manifestieren können – aber davon laufen in Madrid eben auch einige rum, die mit wenigen Ausnahmen alle zwei Jahre für neue Superstars vom Hof gejagt werden. In Dortmund kann er nun zur „Legende“ werden, zur personifizierten „Echten Liebe“.

Für den Verein ist der Verbleib von Reus immens wichtig und rechtfertigt auch wirtschaftlich ein Gehalt in dieser Höhe. Allein die Interessen der Sponsoren, die bei dem Deal mitgewirkt haben könnten, dürften diese Investition rechtfertigen. Sportlich ist Reus über allen Zweifeln erhaben. Sollte er sein von Verletzungen geprägtes Seuchenjahr endlich hinter sich gelassen haben steht selbst einem weiteren Qualitätssprung in seinem Spiel nichts im Weg.

Neues Zeitalter im Gehaltsgefüge

Watzke hat es in den letzten Jahren zu seinem Lieblingsthema gemacht, bei Fragen zu potentiellen Neuzugängen auf das intakte Gehaltsgefüge beim BVB zu verweisen, welches keine großen Diskrepanzen innerhalb der Verdienststruktur im Verein zuließe. Nun findet das natürlich ein Ende. Reus setzt in allen Bereichen Maßstäbe beim BVB, und auch ein Hummels wird sich die Wertschätzung des Vereins etwas kosten lassen – bedenkt man, dass Louis van Gaal und das zahlungsfreudige Manchester Untied quasi wöchentlich Liebesbriefe an Hummels‘ Adresse zu hinterlegen scheinen (die Cathy Fischer abfängt).

Vielleicht hätte vor Saisonbeginn bereits ein Spieler von ähnlichem (Gehalts-)Kaliber verpflichtet werden können, um den nächsten Schritt zu machen. Dass man nicht blind allen Forderungen der Spieler folgt, ist dabei nur verständlich, denn hohe Summen garantieren eben noch keinen Erfolg. Oftmals sind es aber doch diese Spieler, die einen Verein weiterbringen. In Zukunft wird das Gehaltsgefüge auch bei den Dortmundern etwas differenzierter ausfallen. Das birgt zwar Risiken bei Vertragsverhandlungen, aber wenn schon nicht der Zeitpunkt perfekt war, dann allen Anschein nach zumindest der Spieler, der das Gefüge durcheinanderwirbeln darf: Der geborene Dortmunder Marco Reus.

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