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Gruppe F: Islands Hashtags, Bayerns Zukunft und die Schlabberhose

Kurz & Knapp: Ein paar Infos zu den Gruppen. Nicht zuviele Details, aber ein bisschen Namedropping. Wir haben doch alle keine Zeit. Los geht’s.

Wer ist dabei?

GruppeF

Wie lief die Quali?

Portugal gab sich in der Fünfergruppe mit Albanien, Dänemark, Serbien und Armenien keine Blöße. Nach einer überraschenden Auftaktniederlage im ersten Spiel gegen Albanien gewann man die weiteren sieben Partien allesamt. Überraschend dabei die geringe Torausbeute: Trotz sieben Siegen konnten insgesamt nur 11 Treffer erzielt werden, jeder Sieg wurde dabei mit lediglich einem Tor Unterschied errungen. Island gelang wahrscheinlich die Überraschung der Qualifikation, als man sich vor der Türkei und den Niederlanden auf Rang 2 der Qualifikationsgruppe A hinter Tschechien durchsetzte. Insbesondere der Auftakt, als Island mit drei Siegen und 8:0 Toren von der Spitze grüßte, war beeindruckend.

Die österreichische Mannschaft um David Alaba zeigt weiter eine starke Entwicklung an und beendete die Qualifikation sensationell mit 9 Siegen und einem Remis vor Russland und Schweden. Weitaus weniger souverän agierten die Ungarn. Mit lediglich 16 Punkten in der Qualifikation sind sie das Team mit den wenigsten Punkten, welches es zum Turnier geschafft hat. Sie blieben auf Rang 3 hinter Nordirland und Rumänien, konnten sich in der Relegation allerdings gegen Norwegen durchsetzen.

Wie liefen die letzten Tests?

Allein in den drei Testspielen vor der EM konnten die Portugiesen ihre Torausbeute aus der kompletten Qualifikation beinahe einstellen – trotz einer 0:1 Niederlage gegen England, bei der sie einen Großteil der Partie in Unterzahl absolvieren mussten. Deutliche Testspielsiege gegen Norwegen (3:0) und Estland (7:0) dürften der portugiesischen Offensivabteilung jedoch einiges an Selbstbewusstsein gebracht haben. Ein wenig Unsicherheit dagegen bei den Österreichern: Einem mühsamen 2:1-Sieg gegen Malta, bei dem David Alaba mit einem kuriosen Eigentor auffiel, folgte eine 0:2-Pleite gegen die Niederlande.

Ungarn testete früh – und gegen einen ungewöhnlichen Gegner zur Euro-Vorbereitung. Am 20. Mai gab es ein 0:0 gegen die Elfenbeinküste. Anfang Juni folgte die Niederlage gegen die deutsche Nationalmann-schaft (0:2). Auch Island weiß noch nicht so recht, wo es sich formtechnisch befindet. Wie Gruppengegner Portugal testeten sie gegen Norwegen – unterlagen jedoch knapp mit 2:3. Anschließend konnten sie sich gegen Liechtenstein ein wenig Selbstvertrauen holen (4:0).

Players to Watch

Neben Weltfußballer Cristiano Ronaldo (31) und Bayern-Star David Alaba, mit seinen 23 Jahren bereits fünf Mal zu Österreichs Fußballer des Jahres gewählt, gibt es in Gruppe F noch weitere interessante Personalien. Wie zum Beispiel Ungarns Kulttorwart Gabor Kiraly, der mit seinen 40 Jahren immer noch in Schlabberhose bekleidet im Tor steht und aller Voraussicht nach den Rekord als ältester EM-Spieler von Lothar Matthäus übernehmen wird. Beim jüngsten Testspielsieg der Portugiesen zeigte auch Ricardo Quaresma (32), das mit ihm durchaus noch zu rechnen ist. Mit zwei Treffern und drei Assists drückte er der Partie maßgeblich den Stempel auf. Noch interessanter dürfte jedoch das Auftreten von Bayern-Neuzugang Renato Sanches (18) sein, sofern er spielen darf. Nicht minder interessant ist jedoch auch William Carvalho (24), der im vergangenen Jahr bei der U-21-Europameisterschaft groß aufspielte.

Island nimmt den ehemaligen Barcelona- und Chelsea-Akteur Eidur Gudjohnsson (37) mit, der jahrelang auf die Teilnahme mit Island an einem großen Turnier gewartet und 2013 nach dem Aus in den Playoffs gegen Kroatien schon aus der Nationalmannschaft zurückgetreten war. Nach zwischenzeitlicher Vereinslosigkeit ist er inzwischen bei Molde FK in Norwegen aktiv – und darf sich seinen Traum von dem Turnier zum Ende seiner Karriere hin noch erfüllen. Ob er viele Minuten sammeln wird, bleibt abzuwarten. Im Sturm gibt es durchaus Konkurrenz, zum Beispiel durch den Augsburger Spieler Alfred Finnbogasson (27). Mehr Chancen auf einen nachhaltigen Einfluss aufs isländische Spiel hat derzeit jedoch der ehemalige Hoffenheimer und jetzige Swansea-Spieler Gylfi Sigurdsson (26), der aus dem Mittelfeld heraus für Torgefahr sorgt und in der Qualifikation mit sechs Treffern bereits erfolgreichster Torschütze des Teams war.

https://www.youtube.com/watch?v=9-8npVurmWg

Fun Facts

Verfolgt man Twitter dieser Tage, könnte man denken, die Europameisterschaft findet in Island statt. Dem Hashtag „EM2016“ folgt automatisiert eine isländische Flagge. Die Wahrheit dahinter: Jedes Land hat einen eigenen Hashtag, mit dem man bei Twitter die jeweilige Landesflagge aktivieren kann. Während sich viele Teams mit Slogans wie #Jederfuerjeden (Deutschland), #TogetherStronger (Wales) oder #TogetherForEngland (England) von den anderen Teams deutlich abgrenzen, hat Island aus bisher ungeklärten Gründen den Hashtag #EM2016 genommen. Offizieller Turnierhashtag ist nun EURO2016 – hier wird ein Pokal als kleines Icon automatisch angehangen. Kreativlosigkeit hinsichtlich eines Slogans – oder verdammt cleverer Move der Isländer? Der Hashtag dürfte den Twitter-Contest schon einmal gewinnen.

Prognose:

Ungarn geht als krasser Aussenseiter in die Gruppe F und dürfte es nach dem jetzigen Stand sehr schwer haben, selbst über den dritten Platz ins Achtelfinale einzuziehen. Nach der eindrucksvollen Qualifikation der Isländer darf man gespannt sein, wie das Team von Lars Lagerbäck bei der ersten Europameisterschaft des Landes auftritt. Die Portugiesen scheinen rechtzeitig zum Turnier in Form zu kommen, erinnern sich aber auch nur allzu gut an die WM 2014, als sie in der Vorrunde noch in einer Gruppe mit Deutschland, den USA und Ghana scheiterten.

Für die Österreicher muss nach der Art und Weise der Qualifikation ein Weiterkommen ebenfalls Pflicht sein. Sogar von der goldenen ÖFB-Generation und einem möglichen Geheimfavoriten war zu lesen. Während das ein bisschen weit gehen könnte, so ist dem Team der Gruppensieg durchaus zuzutrauen. Dahinter streiten sich dementsprechend Island und Portugal um Rang 2 – bereits am ersten Spieltag könnte beim direkten Aufeinandertreffen eine Vorentscheidung fallen. Ob die Portugiesen es schaffen, mehr als eine Ansammlung talentierter Spieler wie Nani, Quaresma und Cristiano und Hitzköpfen wie Nani, Quaresma und Pepe zu sein, wird auch an der erfolgreichen Einbindung der nächsten Generation um Sanches und Carvalho hängen. Gelingt dies, kommt Portugal vor Island ins Achtelfinale.

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