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Man kann sich nicht nicht qualifizieren

Vier Punkte aus drei Spielen und Platz 4 hinter den Fußball-Giganten Polen, Irland und Schottland. Ja, so richtig gelungen ist der Auftakt in die EM-Qualifikation für das Turnier in Frankreich nicht wirklich. Viele Zweckpessimisten nahmen das vermehrt zum Anlass, die gehasste Euphorie der WM endlich für beendet erklären zu können und in Alltagskritik zurückzukehren. Dabei sind größere Folgen für das Nationalteam wohl kaum zu befürchten.

Da man sich schließlich dazu entschlossen hat, jedes Turnier möglichst aufblasen zu müssen, nehmen 2016 erstmals 24 Teams an dem Turnier teil statt bisher 16. Das bedeutet, dass sich von den Qualifikationsgruppen erstmal die ersten beiden Teams direkt qualifizieren. Sogar der punktbeste Dritte kommt direkt ins Turnier. Die anderen Gruppendritten ermitteln in Play-Off-Spielen mit Hin- und Rückspiel noch vier weitere EM-Teilnehmer. Die Gruppendritten. Alle. Momentan befinden wir uns da ja in einem heißen Kampf mit Schottland und Georgien, Gibraltar ist auch noch in Schlagdistanz.

Man sollte natürlich niemals Gruppen unterschätzen, es gibt ja schlussendlich offiziell keine Kleinen mehr und man hat ja gesehen, wohin das nun führt. Aber seien wir ehrlich: Die Erweiterung des Turniers auf 24 Teams schließt großartige Überraschungen hinsichtlich von einer Nichtqualifikation doch nahezu aus. Selbst die schwach gestarteten Niederländer (nach Pleiten gegen Tschechien und Island) sind noch auf jenem heiß begehrten dritten Rang. Vielleicht ja ein potentieller Play-Off-Gegner für Deutschland?

Wer will noch mit? Wir haben noch Plätze!

Das System wird natürlich dazu führen, dass sich mehr Nationen über eine Teilnahme an den großen Turnieren freuen dürfen. Da werden dann statt wie bisher 31 ganze 51 Spiele ausgetragen. Sechs Vierergruppen, woraus sich die Gruppenersten und Gruppenzweiten direkt qualifizieren – zusammen mit den vier besten Gruppendritten – in einer Vierergruppe, wohlgemerkt! Man kann also theoretisch als Gruppendritter durch die Qualifikation, und im Turnier als Gruppendritter ins Achtelfinale. Da muss man dann leider sogar mal gewinnen, um weiterzukommen. Verrückt. Die ganzen Diskussionen um zusätzliche Belastungen dürften dadurch nicht sonderlich angeheizt werden, handelt es sich faktisch ja nur um eine potentielle Partie mehr für die Spieler (das bisher bei Europameisterschaften nicht übliche Achtelfinale). Den Modus darf man jedoch nach wie vor hinterfragen.

Was den schwachen Start der Nationalmannschaft betrifft, so darf man doch angesichts der Umstände und dem Zustandekommen der Ergebnisse unter Berücksichtigung der aktuellen Personalsituation ruhig mal ein wenig Nachsicht zeigen. Auch wenn das schwer fallen mag, weil es nicht polarisiert. Klar ist: Dank dem neuen System kann man sich als große Nation eigentlich nicht nicht qualifizieren. Und dieser Satz wird von mir automatisch gelöscht, wenn Jens Lehmann die 0:1-Niederlage gegen Gibraltar analysieren darf.

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