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Ende vom Eiertanz

1:1 gegen Bayern München, 1:1 gegen Chelsea London, 2:1 gegen Borussia Dortmund. Alles innerhalb der letzten paar Wochen.
Aber eben auch: 1:1 zuhause gegen Maribor. Eine 1:2-Niederlage in der ersten Pokalrunde in Dresden.

Klar, Unkonstanz konnte man Jens Keller und den Seinen schon seit Ewigkeiten vorwerfen. Es schien quasi wie verhext: Immer, wenn der Trainer quasi bereits auf dem Weg zum Flughafen war, riss seine Mannschaft noch einmal das imaginäre Steuer herum und brachte Keller zurück ins Stadion. Dann wieder zum Flughafen. Ins Stadion. Zum Flughafen. Und so weiter.

So oft wie Keller in seiner Zeit in Gelsenkirchen bereits angezählt war, braucht es schon gewiefte Mathematiker, um Schritt zu halten. Und ja, irgendwie wirkte Keller ja auch stets wie einer, der sich selbst angezählt fühlt. Die Mimik meist nur knapp entfernt von einer ernsthaften Depression und in Interviews emotional wie Deutschland nach der Verkündung der neuen Matthäus-Verlobung. Aber irgendwie hat Keller – für mich – gerade in den letzten Monaten einen unglaublichen Charme entwickelt. Seine Art, die andauernde Kritik in Interviews zu kommentieren, stets mit einem leichten Schmunzeln begleitet, konnte man schon als kühn ansehen. Andere Trainer hätten bei ähnlichem Verlauf sicher gleich mehrmals ihren Hut genommen. Und ich frage mich bis heute, ob ein Thomas Tuchel sich dieses Chaos tatsächlich angetan hätte. Aber Tuchels potentielle dauerthematisierte Zukunft bei chaosgefährdeten Clubs wie Schalke oder dem HSV ist ein eigenes Thema.

Es schien nach dem Derbysieg gegen die Borussia aus Dortmund noch unglaublich, dass Schalke nur zehn Tage später endgültig die Reissleine zieht. Länderspielpause eben, ein kleiner Neuanfang ist da am besten möglich. Und mit Roberto di Matteo stand der Nachfolger ja bereits parat. Vielleicht wartete man in Gelsenkirchen auch nur seit Wochen auf die Zusage des Italieners. Beziehungsweise: Vielleicht wartete man seit Monaten auf die Zusage von irgendeinem der Wunschkandidaten, um den Wechsel endlich vollziehen zu können. Blöd war dann halt, dass Keller mal eben die erfolgreichste Rückrunde der Vereinsgeschichte auf den Tisch legte.

Der Kicker hat geschrieben, dass Keller nun als Gewinner geht. Nach zwei Champions-League-Qualifikationen mit Schalke trotz dem dauerhaften Aus vor Augen kann man das sicherlich so sehen. Die Frage ist, ob und wie Keller sein Image eventuell ändern muss, um nicht als der Übergangstrainer schlechthin angesehen zu werden, der er bei Schalke de facto ewig war.

Horst Heldt wagt sich jetzt noch einmal richtig ran. Für ihn ist dieser Trainerwechsel wohl (hoffentlich) entscheidend, was seine weitere Zukunft bei Schalke anbelangt. Aber auch die Draxlers und Boatengs haben nun kein Alibi mehr. Komplett unverständlich ist der Wechsel wie bereits angedeutet nicht: Konstanz war im Verein nie vorhanden. Naja, mit einer Ausnahme: Der dauerhaften Kritik am Trainer.

 

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