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Die Europameisterschaft 2016

Die Bundesliga ist vorbei, der DFB-Pokal ist vergeben und der Bundes-Jogi hat seinen vorläufigen Kader bereits bekanntgegeben – die Europameisterschaft in Frankreich rückt unweigerlich näher. Bis zum Eröffnungsspiel am 10. Juni sind es zwar noch ein paar Tage, aber nicht nur aufgrund der Veränderungen im Turniermodus lohnt es sich eventuell, sich bereits jetzt mit ein paar Fakten vertraut zu machen.

24 statt 16 Teams

Erstmals werden an einer Europameisterschaft 24 Mannschaften teilnehmen. Bei 54 Teams, die insgesamt in den Qualifikationsspielen teilgenommen haben, nehmen also 44,4 % der Bewerber teil. Wie schon vor einiger Zeit auf diesem Blog dargestellt, war es für gute Mannschaften so nur schwer möglich, sich nicht zu qualifizieren.

Wie wir heute wissen, war das ein wenig voreilig geurteilt. So bleibt das Team aus der Niederlande ebenso zuhause wie beispielsweise die Mannschaften aus Bosnien-Herzegowina oder Dänemark. Ansonsten ist das Teilnehmerfeld jedoch mit allen größeren und einigen kleineren Fußballnationen Europas gefüllt. Der neue Modus sorgte sogar dafür, dass sich mit Nordirland, Irland, Wales und England vier Inselnationen für das Turnier qualifizierten – lediglich Schottland scheiterte in der deutschen Gruppe. Fünf Nationen nutzten dabei das erweiterte Teilnehmerfeld zur erstmaligen Qualifikation bei einer EM. Neben der Slowakei, Albanien und Island gehören dazu auch Wales um Real-Madrid-Star Gareth Bale und Nordirland.

Die Gruppen

EM-Gruppen

Die Gruppen weisen bereits in der Vorrunde einige interessante Duelle auf. So muss sich Belgien bereits am ersten Spieltag mit Italien messen, zwischen England und Wales kommt es zu einem prestigeträchtigen Inselduell und die deutsche Nationalelf muss erneut gegen die polnische Mannschaft um Robert Lewandowski antreten.

Kalauer des Turniers

In Gruppe F gibt es nur drei Mannschaften.

Der Verlauf

Da es nun sechs statt der bisherigen vier Gruppen gibt, verändert sich auch der weitere Ablauf des Turniers. So qualifizieren sich nun neben den Gruppenersten und -zweiten auch die vier besten Gruppendritten. Bei Punktgleichheit innerhalb einer Gruppe entscheidet dabei der direkte Vergleich, während bei Punktgleichheit der jeweiligen Gruppendritten logischerweise das Torverhältnis entscheidend ist.

Der Modus hat zur Folge, dass nach der Vorrunde lediglich 8 von 24 Teams die Heimreise antreten müssen. Die Ungewissheit, welche Gruppendritten denn weiterkommen, sorgt zudem für 15 verschiedene Achtelfinal-Kombinationen, die hier mehr oder weniger klar nachvollzogen werden können.

Grob gesagt: Die Sieger der Gruppen A-D erhalten als Gegner jeweils einen Drittplatzierten. Die Sieger der Gruppen E und F bekommen die Zweitplatzierten der Gruppen F und D, es kommt jedoch im Achtelfinale auch zu Duellen zwischen Gruppenzweiten (2. Gruppe A – 2. Gruppe C, 2. Gruppe B – 2. Gruppe F). Das klassische, leicht verständliche Prinzip 1. gegen 2. wird es so bei dem Turnier also nicht mehr geben.

Die Favoriten

Neben Titelverteidiger Spanien und Weltmeister Deutschland gilt auch Gastgeber Frankreich als Mitfavorit auf den Titel. Die Truppe um Kapitän und Torwart Hugo Lloris (Tottenham Hotspur) beinhaltet neben internationalen Stars wie Paul Pogba (Juventus Turin) und Antoine Griezmann (Atletico Madrid) auch einige hochinteressante Talente wie Bayerns Kingsley Coman oder den 50-bis-80-Millionen-Transfer Anthony Martial (Manchester United). Die Umstrukturierung der Mannschaft macht sich auch daran erkennbar, dass im Kader nur sechs Spieler stehen, die überhaupt schon einmal bei einer EM teilgenommen haben (zum Vergleich: Im deutschen Kader sind es 14 Spieler).

Ginge man rein nach der Qualifikation (welche die Franzosen als Gastgeber nicht absolvieren mussten), wird die Rolle der Engländer zu beobachten sein, die ohne Punktverlust mit 10 Siegen, einem Torverhältnis von 31:3 und einer breiten Brust zum Turnier anreisen dürften.  Auch die deutsche Mannschaft hat im März bereits schmerzhafte Bekanntschaft mit der Truppe von Trainer Roy Hodgson gemacht, als es eine 2:3-Niederlage setzte.

Die Österreicher blieben mit 9 Siegen bei einem Unentschieden ebenfalls ohne Niederlage, ähnlich wie die oft unterschätzte Mannschaft aus Italien (7 Siege, 3 Remis), die jedoch ohne ihren inzwischen in den Staaten kickenden Mittelfeldregisseur Andrea Pirlo und den skandalträchtigen Mario Balotelli anreisen werden. Der Hype um Belgien, bei der WM 2014 noch beliebter Geheimfavorit, ist in den letzten zwei Jahren zwar ein wenig abgeklungen, dennoch könnte das Team um Kevin de Bruyne (ManCity) und Eden Hazard (Chelsea London) nun mit mehr Erfahrung für mehr Furore sorgen.

Genug Infos. Wann spielt Deutschland?

Den eigenen Zeitplan sollte man in Zeiten wie diesen dringend im Auge behalten. Die ersten drei Pflichttermine für Fans der deutschen Mannschaft sind:

Sonntag, 12. Juni, 21.00 Uhr: Deutschland – Ukraine

Donnerstag, 16. Juni, 21.00 Uhr: Deutschland – Polen

Dienstag, 21. Juni, 18:00 Uhr: Deutschland – Nordirland

Und bis dahin?

Wild spekulieren, wer es in den finalen Kader schafft, hitzige Debatten darüber führen, warum Poldi & Schweini nominiert wurden, sich mit dem Ende der Aufbruchstimmung der FIFA befassen oder sich einfach noch einmal zwei Wochen Pause vom Fußball nehmen – es steht einem die Welt offen! Spätestens am 10. Juni wird es aber ernst, wenn um 21.00 Uhr die Mannschaften von Frankreich und Rumänien das Turnier eröffnen.