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Medien und Trainer: Geduld fordern, den Rausschmiss forcieren

Trainerwechsel bringen nichts. Das fand schon eine Spiegel-Studie im Jahr 2011 heraus. Dennoch bleibt es im Fußball der natürlichste Reflex, den Trainer bei ausbleibendem Erfolg auszutauschen. Das geht inzwischen ziemlich schnell, wie jüngst erst der FC Bayern München gezeigt hat. Während man bei den Bayern nach ausführlicher Betrachtung der Situation wohl tatsächlich zu dem Schluss kommen kann, hier wurde vielleicht sogar eher zu spät als zu früh entlassen, bleiben zahlreiche Fälle, wo Aktionismus die maßgebliche Motivation zu sein scheint.

Ein Aktionismus, der von den Medien befeuert wird. Denn die spielen seit Jahren eine merkwürdige Doppelrolle im Fußball-Business. Einerseits bemerken sie den immer schneller werdenden Trainerverschleiß, und sind sich nicht zu schade, in dem Fall die moralische Instanz zu spielen und schnell den Finger zu heben und die Sinnhaftigkeit auch ernsthaft zu hinterfragen.

Content über Alles

Andererseits bringen Trainerentlassungen eben Content, sie können kompletten Redaktionen das Tagesgeschäft deutlich erleichtern. „Warum ist Trainer A gescheitert, was sagen die Spieler dazu, wird nachgetreten, was macht Trainer B anders, wie ist sein erstes Training?“. Mit hoher Wahrscheinlichkeit gibt es in den Sportredaktionen des Landes mittlerweile festangelegte Fragenkataloge für den Fall eines Trainerwechsels.

Im aktuellen Fall ist diese Dynamik wieder beim 1. FC Köln und auch dem SV Werder Bremen zu beobachten. Insbesondere die Personalie Peter Stöger ist interessant. Nachdem er den 1. FC Köln zum ersten Mal seit einem Vierteljahrhundert in das europäische Geschehen gehievt hat, folgte der Verkauf des Starspielers Anthony Modeste, es folgten Verletzungen von Schlüsselspielern wie Jonas Hector und Jhon Cordoba, knappe Niederlagen und Pech.

Schema F in der Schublade

Doch der mediale Reflex der Trainerentlassung ist zu stark, die zu schreibenden Artikel liegen zu sehr auf der Hand, als das man das Faß nicht aufmachen kann. Die Bildergalerie zum Trainerkarussell braucht eben regelmäßig neuen Input. „Guckt mal, wie irre die Vereine dieses Jahr ihre Trainer gewechselt haben“ heißt es dann von Seiten der Medien. Die zuvor wochenlang an den Verantwortlichen herumgezupft und gefragt haben, wann es denn endlich mal an der Zeit sei, etwas zu ändern.

Es wäre mal an der Zeit, etwas zu ändern. Aber am Diskurs an sich. Nicht falsch verstehen: Die Verantwortlichen in den Bundesligavereinen sind in keinem Fall unschuldige, lediglich von gemeinen Journalisten getriebene Menschen, denen die Entlassung ihrer Übungsleiter aufgezuwungen wird. Oftmals liefern sie selbst durch unglückliche, aber oft auch gezielte Interviewäußerungen den Startschuss zum Trainercountdown.

Aber statt diesen fröhlich mitzugröhlen, wäre eine tatsächliche Überprüfung des Status Quo nicht oft zielführender? Klar. Es reduziert die Zahl der Artikel, die man innerhalb von 20 Minuten unter Berücksichtigung jüngster Ergebnisse und Zitate zusammenschrauben kann. Aber wenn einem vom immer schneller werdenden Trainerkarussell schwindelig wird, sollte man vielleicht zuerst schauen, ob man nicht selbst an der Bremse sitzt.