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Endlich „oben“: Gladbach braucht das Quäntchen Glück

Die Borussia aus Mönchengladbach darf und muss diesen Sommer mal so richtig einkaufen. Nach der direkten Qualifikation für die Champions League für die Saison 2015/2016, welche allein 12 Millionen Euro einbringt, steht das Team von Lucien Favre wohl vor einer entscheidenden Saison: Die Mannschaft muss gezielt verstärkt werden, um den Herausforderungen der nächsten Saison gerecht zu werden und zu beweisen, dass man dauerhaft zu den Teams „da oben“ zählen will. Eine schwierige Aufgabe, wie sich bereits dieser Tage wieder sehen lässt – und wie die jüngste Vergangenheit schon öfters gezeigt hat.

Als aufstrebendes Team in der Bundesliga braucht man eine Kombination verschiedener Faktoren, um sich dauerhaft oben zu etablieren. Wobei dauerhaft auch nicht das richtige Wort zu sein scheint – zu wenige Vereine schafften es tatsächlich, länger als fünf Jahre konstant unter den ersten Plätzen zu agieren. Eine besondere Rolle spielt dabei die Fähigkeit, den wirtschaftlichen Nachteil gegenüber der finanzstarken Clubs zu verringern, indem man aussichtsreiche Spieler günstig verpflichtet und weiterentwickelt. Neben einem ruhigen Umfeld und kompetenten Angestellten braucht es eben bei den Neuverpflichtungen auch das berühmte Quäntchen Glück.  Ist das nicht mehr da, kann es schnell abwärts gehen – wirtschaftlich wie sportlich.

Werder Bremen – Ein paar Jahre im Glück

Zwischen der Saison 2003/2004 und 2009/2010 fanden sich die Bremer fast immer unter den ersten drei Teams der Liga wieder. Das hervorragende Management von Klaus Allofs gepaart mit Thomas Schaafs Kompetenz funktionierte – und jahrelang schlug nahezu jeder Transfer ein. Ailton, Johan Micoud, Diego – die Bremer galten als Paradebeispiel für ein glückliches Händchen auf dem Transfermarkt. Doch selbst, wenn ein Verein sechs Mal die Champions League erreicht – bleibt das Glück bei Neuzugängen plötzlich auf, wird es ganz schnell wieder eng.

Wir haben es geschafft, den SV Werder so aufzustellen, dass wir uns ohne internationalen Wettbewerb finanzieren können. Es sind lediglich die Abschreibungen für Spielertransfers der Vergangenheit, die eine sichtbare Auswirkung auf die Bilanz verhindern.(Klaus Filbry, Vorsitz Geschäftsführung, 2014).

Unvergessen sind daher auch die Transfers von Wesley (ca. 9 Mio. Euro), Carlos Alberto (7,8 Mio.), Marko Arnautovic (6,5 Mio.) oder Eljero Elia (5,5 Mio.). Keiner der Spieler wusste wirklich zu überzeugen, die Lage in Bremen drehte sich. Im Vergleich zu anderen Klubs stehen die Bremer noch höchst solide dar – aber das Beispiel zeigt, über welchen absurd langen Zeitraum man in der Bundesliga die Mischung aus guter Arbeit und Glück beibehalten muss, um nicht wieder abzurutschen (es sei denn man ist der FC Bayern München oder gönnerhaft besponsort vom ein- oder anderen Konzern).

 Borussia Dortmund – Kampf um die Rückkehr

Bei der Dortmunder Borussia ist man gerade mitten in dieser Entwicklung. Auf die sensationellen Meisterjahre 2011 und 2012 und zwei starke Plätze 2013 und 2014 folgte diese Saison der totale Einbruch, ehe man sich vom letzten Platz wieder auf Platz 7 hocharbeitete und die Qualifikation für die Europa League erreichte. Dortmund hat sich bekanntermaßen clevererweise mit einer umstrittenen Versicherung gegen solche Einnahmeverluste geschützt. Ein zweites Jahr ohne Champions League dürfte den BVB jedoch teuer zu stehen kommen.

Die Transfers von Ciro Immobile (19 Mio.), Matthias Ginter (10 Mio.) und Adrian Ramos (9 Mio.) sollten einen Großangriff einleiten. Keiner von ihnen konnte überzeugen. Auch beim Winterneuzugang Kevin Kampl (12 Mio.) ist noch viel Luft nach oben. Diesen Sommer gibt es für den BVB nun die Möglichkeit zum Korrektiv. Nach den Verpflichtungen des Leverkuseners Gonzalo Castro (11 Mio.) und des Freiburgers Roman Bürki (3,5 Mio.) steht dem Verein noch einiges an Arbeit bevor. Eine weitere Saison ohne Champions League könnte auch die bisher treueren Spieler zum Nachdenken bringen.

Borussia Mönchengladbach – Was folgt auf Drmic?

Man kann bei Transfers im Nachhinein immer sagen, man hat es ja gewusst. Das Spieler XY einschlägt oder untergeht. Fakt ist, dass selbst die ausführlichste Beobachtung und genaueste Planung nicht davor schützen kann, dass Spieler nicht so funktionieren, wie man sich das vorgestellt hat.

Borussia Mönchengladbach hat sich nun dazu entschlossen, mit Josip Drmic (22) für stolze 10 Millionen Euro einen der Stars der Saison 2013/2014 zu verpflichten. Am Marktwert hat sich durch sein Reservistendasein bei Bayer Leverkusen wenig geändert, ebenso wenig an der Bereitschaft der Borussia, dieses Geld zu bezahlen. Weitere 10 Millionen Euro wären fast für einen anderen Aufsteiger der Vor-Vorsaison investiert worden: Reserve-Weltmeister Matthias Ginter (21), der jedoch nun beim BVB bleiben muss.

Die Gladbacher suchen logischerweise verstärkt nach noch entwicklungsfähigen Spielern. Bei Granit Xhaka hat das wunderbar funktioniert. Doch selbst dieser war mit einer Ablöse von 8,5 Mio. noch günstiger als die gehandelten Neuzugänge. Unvergessen bleibt jedoch das Verlustgeschäft mit Stürmer Luuk de Jong, der 2012 für 12 Mio. kam, um 2014 für 5,5 Mio. und relativ unverrichteter Dinge das Weite zu suchen.

Gerade bei Drmic und auch Ginter ist das Risiko nach der letzten Saison nicht gerade gering, auch angesichts der Ablösesummen. Das Ginter in Dortmund bleibt, könnte sich für die Gladbacher noch als Glücksfall erweisen. Doch auch das Verpflichten von international erfahrenen Spielern sorgt nicht automatisch für einen anhaltenden Erfolg. Nach dem tollen Fußball der vergangenen Saison bleibt zu hoffen, dass Borussia Mönchengladbach das Quäntchen Glück erhalten bleibt – der Transfersommer wird dafür jedoch ganz entscheidend sein.