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Holger Badstuber: Das Streben nach Glück

Clique

 

Im Gruppenfoto fällt er sofort auf. Die Anweisung, eine möglichst coole Pose hinzulegen, hat Holger Badstuber wohl überhört. Wie so oft lächelt der 26-jährige in die Kamera und wirkt dabei wie ein großgewachsener Schuljunge, der irgendwie bei den ganzen Stars rumhängen darf.

Nein, den „Coolnessfaktor“ einiger Spieler hatte Badstuber nie. Trotz seinem Faible für Hip-Hop und Basketball, der sich auch in seinem Kleidungsstil ausdrückt, hat er nicht die modische Extravaganz eines Jerome Boateng – zum Glück möchte man meinen. Holger Badstuber wirkt eben wie der nette Junge von nebenan – der auf dem Platz aber knallhart seinen Job verfolgt. Und seit Jahren dafür kämpft, diesen auch ausüben zu können.

Das Glück des Tüchtigen?

Das Glück des Tüchtigen – für Badstuber muss dieser Spruch sich hämisch anhören. Dabei war der Anfang seiner Karriere noch maßgeschneidert: Mit 20 Jahren unter Louis van Gaal schaffte es der Linksfuß vor allem aufgrund dieser Qualität zum Stamm-Innenverteidiger beim deutschen Rekordmeister und gehörte ein Jahr darauf zum WM-Kader der Nationalmannschaft. 2012 bei der EM war er Stammspieler. Doch dann begann das Leiden: Kreuzbandriss im Dezember 2012, Re-Ruptur im Sommer 2013, Verletzung bis August 2014 (20 Monate). Comeback. Muskelsehnenriss im September 2014, Ausfall bis Januar. Comeback. Und nun: Verletzung im April 2015, Muskelriss im Oberschenkel. 3-4 Monate Pause. Nicht nur das Saisonaus ist damit sicher – auch die nächste Vorbereitung wird wohl großteils ohne Badstuber ablaufen.

Der unscheinbare Holger

„Immerhin nicht in einem Turnierjahr“, möchte man aufmunternd sagen. Nicht noch eine EM oder WM verpassen. Doch viel aufzumuntern gibt es nicht. 2013 verfolgte er das Triple seiner Mannschaft teilweise aus den USA, wo er auch jetzt wieder operiert wird. 2014 den WM-Titel vor dem Fernseher. Während ein Götze noch dem verletzten Marco Reus gedachte, hatten die wenigsten da Holger Badstuber noch im Sinn. Auch dieses Jahr hat sein Verein die Chance auf mehrere Titel – und Badstuber wird höchstens als Zuschauer dabei sein können. Per Tweets oder Instagram sein lächelndes Gesicht zeigen, einmal den Daumen hoch geben für die Leistung seiner Kollegen. Immer freundlich.

Das Holger Badstuber sich nach wie vor stets positiv und kämpferisch zeigt, grenzt an ein Wunder. Über die Leidensgeschichte seines Mannschaftskollegen Thiago wird er vermutlich höchstens schmunzeln können. In nun sechs Jahren bei den Profis hat er es trotz allem auf 111 Bundesligaspiele und 31 Länderspiele gebracht. Sein Standing ist – auch aufgrund der Leistung seines Konkurrenten Dante und der Verletzungsanfälligkeit von Benatia – nach wie vor unumstritten. Guardiola bemühte vor der Saison im Training einen seiner Superlative, als er vom besten Verteidiger sprach, den er trainiert habe. Bei einem Spieler, der eigentlich seit Jahren nicht die Möglichkeit hatte, sich auf dem Fußballfeld zu präsentieren.

Gegen die Zweifel – schon wieder

Man fragt sich, wie das auf Dauer funktionieren soll. Wie sich ein Spieler, der mehr in der Reha als auf dem Platz ist, weiterentwickeln soll in seinem Spiel. Doch Badstuber zeigt bisher allen Zweiflern, dass er jedes Mal wieder zurückkommt. Er mag auf dem Foto mit seinen Teamkollegen wie eine Rander-scheinung aussehen. Doch sein Eindruck vermochte bisher stets zu täuschen. Es bleibt zu hoffen, dass sein nächstes Comeback einen längeren Bestand hat. Und er noch Gelegenheiten bekommt, seine Karriere zu korrigieren. Das gottverdammte Glück zu erzwingen, dass den Tüchtigen doch eigentlich zusteht.

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