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Ilkay Gündogan im Sommerloch

Ilkay Gündogan hat mit einem längeren Facebook-Post Stellung zu den Transfergerüchten genommen. Das ist ungewöhnlich für einen Spieler, von dem bereits öffentlich bekannt ist, dass er aller Voraussicht nach diesen Sommer den Verein wechselt. Die Dortmunder Borussia hat das öffentlich ebenfalls schon länger kommuniziert und der fanübliche Shitstorm lässt sich auf Gündogans Facebookpräsenz täglich verfolgen.

Warum also nun diese Rechtfertigung? Das Image des Profis hatte in den letzten Wochen medial durchaus ein wenig gelitten. Von zu hohen Gehaltsforderungen war die Rede, weswegen der FC Bayern München angeblich Abstand von einer Verpflichtung genommen habe. Diverse Vereine aus England wurden diskutiert, und über allem thronte die dauerhafte Präsenz des angeblichen Wunsches von Gündogan, zum FC Barcelona zu wechseln, was ihm aufgrund der Transfersperre der Katalanen verwehrt wäre. Alles Teil des ganz normalen Wahnsinns, der zu Beginn des großen Sommerlochs im Transfergeschäft übermittelt wird. Gündogan entschied sich zu reagieren – wohl auch, weil die öffentlich negativen Kommentare ihm zuviel wurden. Doch da müsste er eigentlich drüber stehen.

Win-Win-Situation für Verein und Spieler

Viele Fans des BVB werfen ihm vor, er würde den Verein verraten, nachdem dieser während seiner hartnäckigen Rückenverletzung in der Saison 2013/2014 seinen Vertrag um ein Jahr bis 2016 verlängert hat. Die grundlegende Logik, dass ein Spieler seine Karriere lang für denselben Verein spielen muss, ist hier weniger störend als die Tatsache, dass auch dem BVB bewusst war, dass Gündogan zu dem Zeitpunkt der Verlängerung in einer schlechten Verhandlungsposition war – und bei einer erfolgreichen Rückkehr in der folgenden Spielzeit nicht die Gefahr bestand, dass er den Verein anschließend ablösefrei verlässt.

Ein Rückhalt für Gündogan war es zweifellos, war die Sportinvalidität doch zwischenzeitlich nicht auszuschließen. Somit kann von einer echten Win-Win-Situation für beide Seiten gesprochen werden. Aber im Business Fußball war diese Verlängerung des Vertrages mit Sicherheit nicht lediglich ein Zeichen von Echter Liebe, sondern von gesundem Geschäftsverstand.  Und angesichts der nur mäßigen Leistungen Gündogans in der abgelaufenen Spielzeit ist eine Klimaveränderung zum achtstelligen Preis für den Verein eine echte Chance, sich nach dem Karriereende von Kehl in der Mittelfeldzentrale neu aufzustellen.

Die fehlende Dankbarkeit, die die Fans, die einen sofortigen Wechsel fordern, Gündogan vorwerfen, kann man auch umdrehen – hatte Gündogan doch großen Anteil am Double des BVB in der Saison 2011/2012, inklusive Siegtreffer im DFB-Pokal-Halbfinale. Die Logik der Fans ist eben oft einseitig.

Am Ende vom Sommerloch steht der FC Barcelona…

Das Gündogan das Gefühl hat, sich rechtfertigen zu müssen, mag dem medialen Druck geschuldet sein. Mitte Juni werden Transfers dieser Klasse selten bekannt gegeben, das fehlende Großevent in Form einer WM oder EM sorgt aber natürlich dafür, dass andere Themen in den Fokus geraten.

Wohin Gündogan im Endeffekt geht, dürfte somit auch noch zumindest bis Juli unbekannt bleiben. Es ist fast zu vermuten, dass, sollte der FC Barcelona denn nach wie vor ernsthaftes Interesse haben, Gündogan denselben Weg wie Aleix Vidal geht, welcher seinen Wechsel vom FC Sevilla zu den Katalanen vor wenigen Tagen bekannt machte.

Spätestens nach dessen Verpflichtung weiß man auch, dass das Transferverbot des FC Barcelona mehr Schein als Sein ist. Im Sommer verpflichtete Spieler dürfen erst ab Januar 2016 für die Katalanen auflaufen – in Pflichtspielen wohlgemerkt. Das komplette Restprogramm steht ihnen offen, ein Leihgeschäft für die Hinrunde ist dabei ebenfalls möglich und denkbar.

…falls Gündogan sich nicht verzockt

Über die Gerüchte, Gündogan würde zuviel Geld fordern, kann man wenig wirklich fundiertes sagen. Das Interesse des FC Bayern war stets lediglich medial kolportiert, auch die englischen Vereine müssten der Gerüchteküche zufolge die halbe Bundesliga in der nächsten Woche verpflichten. Doch sollte der FC Barcelona wider Erwarten nicht von den Leistungen Gündogans überzeugt sein, was angesichts der vergangenen zwei Jahre nicht wirklich unverständlich wäre, müsste dieser einen neuen Abnehmer finden. Zu dem Zeitpunkt könnten andere Interessenten sich jedoch eventuell schon anderweitig umgesehen haben. Das ist das eigentliche Risiko von Gündogan.

 

 

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