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De Bruyne – Der nächste Rekordtransfer?

Der Sommer rückt gefährlich näher, was das deutsche Wetter bereits mit einer Hochphase im April quittiert hat. Erwartungsgemäß steht nun noch eine gute Woche im Mai an, ehe die Sonne bis September ihre Sachen packt. Doch immerhin hat das Sommerloch eine hochspannende Phase parat: Die Transferphase. Während einige renommierte Sportseiten nur durch das Erwürfeln täglich neuer Transfergerüchte auch in der Saisonpause ihre Klickzahlen erreichen, wird hinter den Kulissen der Bundesligavereine bereits fleißig an den Kadern für die nächste Saison gearbeitet. Es soll ja alles besser werden als letztes Jahr.

VW fährt in die Champions League

In Wolfsburg wird man sich für die Champions League sicher nicht lumpen lassen. Das haben bereits die vergangenen Transferperioden inklusive der Transfers von André Schürrle, Luiz Gustavo und Kevin de Bruyne gezeigt. Letzterer stand nach seiner Leistungsexplosion in dieser Saison (10 Tore, 20 Assists, Topscorer der Liga) zuletzt vor der Entscheidung, sich öffentlich zu Wolfsburg zu bekennen. Der 23-Jährige ist aber längst Medienprofi genug für clevere Aussagen:

„Ich sage nicht, dass ich hier bald weggehe, ich sage aber auch nicht, dass ich für immer bleibe. Das wäre doch dumm. […] Wenn plötzlich ein noch größerer Verein kommt und Wolfsburg wäre einverstanden, dann ist es eben so“ (Interview in Die Welt, März 2015).

35, 50, 60, 80?

Die Wolfsburger können dem üblichen Treiben gelassen entgegensehen. De Bruyne hat schließlich Vertrag bis 2019, ohne Ausstiegsklausel. Möglich wäre laut allen Seiten eine zeitnahe Verlängerung bis 2020, die eine solche beinhalte, inklusiver einer üppigen Gehaltserhöhung. Sollte KdB jedoch schon in diesem Sommer seinen Weggang forcieren, wäre das nicht billig.

Der Marktwert des Belgiers wird derzeit auf 35 Millionen Euro geschätzt. Das erscheint angesichts seiner Leistung und Vertragslaufzeit inzwischen fast schon zu niedrig geschätzt. Sein Berater macht dann auch deutlich, dass die Ablöse sich doch eher im Bereich von 50-60 Millionen Euro bewegen würde. Der Kicker hat neulich noch einen draufgelegt: So soll sich die geforderte Ablösesumme von Kevin de Bruyne im Bereich von 80 Millionen Euro bewegen – je 20 für jedes Vertragsjahr. An sich keine unlogische Erklärung – steigen doch die Transferpreise inzwischen jährlich an.

80 Millionen – im internationalen Vergleich

Natürlich handelt es sich dabei aber auch bereits um das erste Geplänkel im Poker um die Talente de Bruynes. 80 Millionen Euro dürften nur die wenigsten europäischen Clubs für einen Spieler ausgeben wollen. Der bisherige Bundesligarekord liegt bei 40 Millionen Euro – die zahlte der FC Bayern im Sommer 2012 für Javi Martinez.

Es gibt sogar lediglich fünf Spieler, die ihren neuen Vereinen eine Ablösesumme in Höhe von 80 Millionen oder mehr wert waren: Die Madrilenen Cristiano Ronaldo (94), Gareth Bale (91) und James Rodriguez (80) gehen hier Hand in Hand mit 2/3 des Barca-Offensivfeuerwerks in Form von Neymar (86) und Luis Suarez (81).

Marktwert vs. Markenwert

Der enorme Anstieg der Ablösesummen hat im Fußball natürlich längst nicht mehr nur sportliche Gründe. Vielmehr ist das Potenzial des Fußballers als Marke für den Verein immens wichtig. Auch die 50 Millionen Euro, welche der FC Arsenal London für Mesut Özil hinblätterte, kamen bei fast 28 Millionen Facebook-Likes und rund 9,5 Millionen Twitter-Followern nicht von ungefähr. Der sportliche Marktwert in allen Ehren: Die inzwischen gezahlten Summen rentieren sich nicht durch ein paar Tore und Hackentricks. Das wissen auch die Vereine.

Kevin de Bruyne bringt es derzeit auf 1,5 Millionen Facebookfans, 500.000 sind es bei Twitter. Er hat  keine WM, wie ein James Rodriguez, um noch einmal weltweit auf sich aufmerksam zu machen. 2016 zur EM ginge das natürlich viel leichter. Käme diesen Sommer bereits jetzt ein Verein mit Summen jenseits der 50 Millionen Euro, ist es gut vorstellbar, dass der VFL Wolfsburg eventuell doch Gesprächsbereitschaft signalisiert. 80 Millionen Euro dürften es aber nun doch nicht werden. Der Markenwert bestimmt den Marktwert.

Wahrscheinlicher erscheint derzeit tatsächlich die Variante der Vertragsverlängerung inklusive Ausstiegsklausel. Diverse Sportseiten wird es bis dahin freuen: De Bruyne kann nun täglich mit einem anderen Klub in Verbindung gebracht werden – und wenn alles normal läuft, vermutlich nach der nächsten Saison noch einmal. Bis dahin dürfte Kevin de Bruynes Wechselbereitschaft sich weiter erhöht haben. Und er dürfte dann tatsächlich mit einer Ablöse verbunden werden, die – derzeit – noch für keinen Bundesligaspieler ausgegeben worden ist.