Artikelformat

Khedira zu Bayern: Warum es nicht passt

Als es Sami Khedira nach der WM 2010 in Richtung Madrid zog, war längst bekannt, dass zuvor bereits der deutsche Rekordmeister Bayern München großes Interesse am Mittelfeldspieler gezeigt hatte. Das war nur logisch: Mit 23 Jahren und einer bereits beeindruckenden Vita wäre er prädestiniert gewesen, auf Jahre mit Bastian Schweinsteiger eine mehr als ordentliche Doppelsechs beim FCB zu spielen. Junge, deutsche Nationalspieler fallen bekanntlich in das beliebteste Beuteschema der Bayern.

Khedira arbeitete in Spanien weiter an seinem Profil, überzeugte die Kritiker und zeigte insbesondere vor der WM 2014 seinen Charakter als bedingungsloser Kämpfer, als er sich nach einem Kreuzbandriss rechtzeitig zum Turnier zurückmeldete. Bei seinem Verein schien er nach weiteren Verletzungen kombiniert mit den naturgemäß stets neuen Konkurrenten bei Real Madrid zuletzt ein wenig außen vor zu sein. Die internationale Presse schrieb ihn bereits im Sommer hundertfach nach London, München oder Manchester. Aber nichts dergleichen geschah, was sicherlich auch mit der bereits mehrfach verbürgten Wertschätzung Khediras von Real-Trainer Ancelotti zusammenlag.

Das Lazarett des FCB birgt Risiken

Da beim FC Bayern derzeit mit Javi Martinez, Thiago, Alaba und nun auch noch Philipp Lahm gleich vier potentielle zentrale Mittelfeldkräfte mittel- bis langfristig ausfallen und Bastian Schweinsteiger nach Monaten ohne Spielpraxis an seinem Comeback arbeitet, kamen die alten Gerüchte um eine anstehende Liaison zwischen Khedira und dem deutschen Rekordmeister wieder auf. Er hat in Spanien schließlich immer noch zu wenig Spielzeiten und die Bayern das Risiko, in der Rückrunde keine Entlastung für Xabi Alonso zu finden – sollte das Lazarett nicht kleiner werden. Mit Khedira gibt es auf dem Markt also potentiell einen vergleichsweise günstigen Spieler von bewiesenermaßen internationalem Profil, der die Bundesliga und ihre Spieler kennt. Mit vielen vom FC Bayern hat er bereits bei der Nationalelf zusammengespielt, mit einem Xabi Alonso über Jahre bei Real Madrid. Es klingt auf den ersten Blick nach einer sinnvollen Transferoption.

Was mal passte, passt nicht mehr

Doch der FC Bayern hat sich in den letzten Jahren grundlegend verändert. Khedira passt nicht in das Profil des Mittelfeldstrategen, den Guardiola in der Zentrale eines Spiels verlangt. Die Spieler müssen variabel sein, die noch beim CL-Triumph 2013 erfolgreiche Doppelsechs existiert bei all den Systemvariationen so nicht mehr. Der klassische Sechser Khedira wäre für den Trainer Guardiola nur schwer unterzubringen. Doch der entscheidende Punkt ist ein anderer.

Denn auch der FC Bayern dürfte sein Limit in Sachen „Gesunder Konkurrenzkampf“ erreicht haben. Die Rückrunde in der Bundesliga beginnt am 30. Januar. Noch ein wenig über zwei Monate also. Die Verletzungen von Alaba, Thiago (beide Innenbandverletzungen), Javi Martinez (Kreuzbandriss) und Lahm (Sprunggelenkbruch) sind zwar alles langwierige Verletzungen, doch die Zeit spielt für die Münchner, die sich nach dem vorzeitigen Achtelfinaleinzug in der Champions League bis zur Winterpause „nur“ auf die Bundesliga konzentrieren müssen. Ein Transfer Khediras wäre dann auch ein (falsches) Zeichen an Thiago und Schweinsteiger. Glaubt man etwa nicht an deren vollständige Genesung? Gerade Schweinsteiger steht jetzt bereits wieder im Kader des FC Bayern, bei Thiago soll nach der dritten Operation am Innenband endlich die Leidenszeit zuende gehen und auch Alaba dürfte bis zum Rückrundenauftakt wieder einige Trainingseinheiten absolviert haben.

Wenn schlussendlich im März alle Mann wieder an Bord sein könnten, hätte man für die Zentrale mit Alonso, Schweinsteiger, Thiago, Alaba, Martinez und Lahm genügend Spitzenkräfte, dazu die Talente Höjbjerg, Gaudino und Rode, deren Einsatzzeiten sich bis zur Winterpause zumindest erhöhen dürften. Die Option Khedira ist mit Ablösesumme (Transfer IN der Saison!), Gehalt (Er lebt nicht von Erdnüssen) und potentiellen Konflikten innerhalb der Mannschaft ein zu großes Risiko, als dass der FC Bayern dieses eingehen wird. Selbst wenn sich von den Verletzten einige nicht rechtzeitig erholen, wird die Kadersituation im Januar 2015 eine andere sein als im November 2014. Khedira und Bayern? Es soll einfach nicht sein. Vorerst. Denn die letzten Jahre haben gezeigt, wie schnell im Fußball alles gehen kann..

1 Kommentar

  1. Bayern ist im defensiven Mittelfeld in der Regel perfekt aufgestellt. Natürlich ist es sehr bitte, dass mit Schweinsteiger, Martinez, Lahm, Thiago oder auch Alaba gleich fünf Spieler ausgefallen sind, die diese Position spielen können. Schweinsteiger hat gegen Hoffenheim sein Comeback gefeiert und auch sonst haben wir mir Alonso, Rode, Höjbjerg und auch Gaudino einige Alternativen. Die angeschlagenen Spieler werden Anfang der Rückrunde wieder zurück in den Kader kommen und dann hat sich die Situation entspannt. Bayern braucht kein Khedira, auch nicht ablösefrei, und sollte aus meiner Sicht eher dem Nachwuchs wie Höjbjerg und Gaudino eine Chance geben