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7:1 gegen Brasilien: Kommt her, liebe Enkel…

DeutschlandBrasil

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…und ich erzähle euch von einem Spiel. Damals, vor langer Zeit. Im Jahr 2014. Es gab die Fußball-Weltmeisterschaft der FIFA, das war diese korrupte Vereinigung, die damals auseinandergefallen ist, als Sepp Blatter die Austragungsrechte zur WM 2030 auf Ebay reinstellte. Wie auch immer, Kinder, diese WM fand damals in Brasilien statt. Es war das Halbfinale in Belo Horizonte. Und wir waren dabei! Deutschland gegen Brasilien, gegen den Gastgeber, gegen das ganze Land. Was dann passiert ist, war unglaublich…

Ich sehe mich schon erzählen. In ein paar Jahrzehnten. Über dieses eine Spiel. Dieses Spiel, das so anders verlief, als ich, als wohl die meisten es erwartet hatten. Und so kann man noch lange davon zehren. Ein bisschen reden über Thomas Müller, von Toni Kroos, und von dem Tore-Rekord von Miroslav Klose. Wohl weniger über Neymar und Thiago Silva, vielleicht aber einen Marco Reus mit einbauen, definitiv auch Manuel Neuer und Mats Hummels (als Vorgeschichte).

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Vor diesem 7:1-Sieg gegen Brasilien war ganz klar gewesen: Rekorde schön und gut, aber das alleine bringt eben nicht viel. Man kann vier Mal hintereinander bei Weltmeisterschaften unter die letzten Vier kommen – das allein gibt eben nicht diesen verdammten Stern aufs Trikot. Das tut übrigens auch so ein Sieg im Halbfinale gegen den Gastgeber noch nicht. Aber dennoch: Das gestern war ein Spiel für die Ewigkeit.

Der Moment einer…na gut…Generation

Generell bin ich kein großer Freund des Generationengeredes. Generation Lahm und Schweinsteiger. Generation dies, Generation das. Ich bin allerdings ein großer Freund von Nostalgie, von Erinnerungen an bestimmte Momente. Und jede Generation hat wohl so ihre Fußballmomente, die man nie vergisst. Im Bezug auf Deutschland war der prägnanteste für mich aber bisher nicht etwa die Finalniederlage 2002 gegen die Brasilianer. Ich glaube, dass sich, was das betrifft, bis heute mein Unglaube darüber nicht gelegt hat, mit welchem Kader und wie man es damals überhaupt in dieses Finale geschafft hat (sorry Jörg Böhme und Marko Rehmer) nachdem man zwei Jahre zuvor und zwei Jahre danach noch sang- und klanglos in EM-Gruppenphasen verendet ist. Nein, DER Moment war bisher diese verdammte Halbfinal-Niederlage 2006 gegen Italien. Im eigenen Land. Ich habe das damals im Kino gesehen. Blöde Idee. Im Kino kommt  sehr wenig Stimmung auf. Alle Menschen, die man danach getroffen hat, waren in einer Art Trance, in einer Schockstarre. Die Straßen waren voll, doch die ganze Stadt war ruhig. Lediglich gestört durch ein paar italienische Autohupen. Für Außen-stehende sicher ein sehr bizarres Bild.

Dass die Partie gestern so ein 90-Minuten-langer historischer Moment werden würde, wusste man spätestens nach 29 Minuten. Richtig realisiert habe ich es wohl erst viel, viel später (Ich glaube, jetzt so langsam, sicher bin ich mir nicht). Im Spiel selbst hatte man überhaupt keine Zeit, auch nur irgendetwas zu realisieren. Was insbesondere zwischen der 23. und der 30. Minute geschah, waren aber wohl die acht geilsten Minuten Fußball, an die ich mich erinnern kann.

 

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Neben all der Euphorie werden natürlich auch andere Bilder im Kopf bleiben. Die der hemmungslos weinenden Brasilianer. Auch der Fans, aber insbesondere die Tränen der Spieler haben einen gestern ebenfalls mitgerissen. Die Mannschaft sollte durch einen WM-Sieg die Kosten des Turniers rechtfertigen, die Sorgen der armen Bevölkerung vergessen machen und das ganze Land dort in einen Ekstasezustand versetzen. Ein Land, in dem einen Monat zuvor wegen eben jenem Turnier noch Demonstrationen statt-fanden. So einen Druck auf die Spieler kann kaum einer nachempfinden, und da bin ich auch nicht neidisch drauf. Das ist mit dem Spiel von Deutschland 2006 gegen Italien auch trotz gewisser Parallelen nur mäßig vergleichbar.

Hallo, Realität?

So wie man sich aber ein ganz klein wenig Demut bewahren sollte, so ist aber auch klar, dass man so ein Spiel einfach würdig feiern und genießen muss. Allein nach dem ersten Tor hatte ich bereits keine richtige Stimme mehr. Dieses unerwartet frühe 1:0 nach der neuen deutschen Paradedisziplin Standards (Ich bin mir sicher, dass wir inzwischen bei der WM soviele Tore nach Standards gemacht haben wie gefühlt in den letzten dreihundert-siebzehn Jahren zusammen) hatte schon extatische Wirkung. Alle, wirklich alle, na gut, alle bis auf Bela Rethy (ließ sich eventuell auch einfach von einem Roboter vertreten) eskalierten während dieser Partie adäquat. Beim 5:0 konnte man nicht einmal mehr schreien. Mein Kopf musste sich konzentrieren, denn meine Beine waren zu verwirrt von der Frequenz von Hinsetzen, Aufstehen und ungläubig im Zimmer herumlaufen. Realitätsfremd. Einfach nur realitätsfremd. Man sah sich um und blickte überall nur in Gesichter, die nicht wussten, wie man mit dem umgehen sollte, was da gerade passiert.

Irgendwann endet selbst das schönste Spiel. Ab und an hörte und las man danach dann doch wieder ein wenig Gemecker. Dass das Ergebnis ja zu hoch sei, nicht gut fürs Team. Das ab der 30. Minute ja die Luft raus war. Özil das 8:0 machen muss und damit nur seine aktuelle Form unterstreichen würde. Gestern habe ich mir nicht einmal die Mühe gemacht, so Diskussionen überhaupt anzufangen. Vielleicht war das lediglich eine Form der Leute, diesen positiven Schock irgendwie zu verarbeiten. Die Trance von 2006 war wieder da, nur ganz, ganz anders. Welches Spiel war damals noch gleich?

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Die Suche nach der Krönung

Klar ist aber auch: Diese Geschichte wird man erzählen können. Noch ewig. Aber die Qualität der Geschichte ist eben nicht ganz unabhängig von diesem einen Spiel, dass es noch zu spielen gilt. Für ein gutes Drehbuch braucht es noch den perfekten Abschluss.

Niemand will sich doch in Jahren sagen hören, dass man im Halbfinale damals ja epochal gespielt, aber das Finale dann leider irgendwie noch unglücklich verloren hat. Nach so einem Spiel muss man sich einfach krönen. Irgendwie. Egal ob gegen Holland oder gegen Argentinien. Egal wie. Dieses Mal ist das Gefühl, im Finale zu stehen, so komplett anders als es 2002 noch war. Allein der Finaleinzug war bereits eine einzige Erlösung und nun steht die Mannschaft davor, sich ein Denkmal zu setzen.

Es wäre das perfekte Ende der Geschichte. Und man will ja später den Kids was bieten können.

 

1 Kommentar

  1. Arno Zöller

    10/07/2014 @ 12:40

    Hallo KER STN,
    Betrachtet man den O² Verbrauch der ganzen Spiele können diese der Welt nur schaden Viel Spass für die Zukunft !!!
    Der Querdenker