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Boykott im Abstiegskampf? Das Montagabendspiel

Arminia Bielefeld schlägt den SSV Ulm mit 4:1, dank der Doppelpacks von Jörg Bode und Markus Weissenberger. Ein fast schon sensationeller Erfolg der Arminen im direkten Duell der Aufsteiger, hatten sie bis dato doch nur 11 Pünktchen aus den ersten 21. Begegnungen gesammelt und waren selbst nach diesem Sieg noch ganze 10 Punkte vom rettenden Ufer entfernt. Ebenfalls sensationell: Es handelte sich um eine Partie der 1. Bundesliga. Am 28. Februar 2000 – einem Montagabend.

16 Jahre keine Bundesliga am Montag – Bis jetzt

Für über 16 Jahre sollte es das letzte Bundesligaspiel an einem Montag bleiben. Die erste Fußball-Bundesliga, die beendete ihren Spieltag doch brav am Wochenende. Das man sich bald ja wieder Spiele Montags anschauen müsse, ist eine weit verbreitete Angst von abstiegsgefährdeten Teams, in Zukunft regelmäßiger Bestandteil des „Top-Spiels“ von Liga 2  zu werden.

Doch während damals die Partie wetterbedingt verschoben werden musste, führen offiziell nun Sicherheitsbedenken rund um die am Sonntag stattfindenden Demonstrationen zum 1. Mai zu einer erneuten Partie am Montagabend, wenn der Drittletzte, Werder Bremen den VfB Stuttgart, seines Zeichens Tabellen-15., empfängt.

Boykott der Fans

Während die Samstagskonferenz endlich mal wieder mit sechs Begegnungen auffährt, wurde die andere Sonntagspartie nun auf den Montag verlegt – zum großen Unwillen der Vereine und Fans. So wurde auch von gewichtigen Ultra-Gruppen beider Vereine ein Boykott angekündigt, auch VfB-Sportvorstand Robin Dutt kritisierte die Ansetzung scharf. Auch ohne einen Boykott wird es für viele Fans schlichtweg nicht möglich sein, die Partie live zu verfolgen.

Warum die Bundesligafans vor den zwei letzten Spieltagen, an denen naturgemäß alle Spiele zur selben Uhrzeit stattfinden, nicht bereits mit einer großen Konferenz glücklich gemacht wurden, bleibt – sportlich argumentiert – völlig unklar. Aber eins ist klar: So ein waschechter Abstiegskrimi – der lässt sich gut vermarkten.

Vorschau auf 2017

So entsteht der Eindruck, dass das Montagsspiel der DFL als kleiner Test für die nahe Zukunft durchaus gelegen kommt. Denn ab 2017 wird es erneut Änderungen im Spielplan der Bundesliga geben. So wird die Liga ab dann fünf mal pro Saison Partien am Montagabend sehen.

Wir reden über fünf von 306 Spielen. Es ist ausdrücklich nicht geplant, künftig noch mehr Montagsspiele durchzuführen (Christian Seifert, Geschäftsführer DFL)

Unter dem Deckmantel der „Ausweichspiele“ für Europapokal-Starter gibt es noch zusätzlich fünf Termine am Sonntag – teilweise mit Anpfiff um 13.30 Uhr. Das die Partien auch stattfinden, sollte kein Europapokal-Starter mehr im Wettbewerb sein, zeigt die Leere dieses Arguments. Es ist mit (gerechtfertigten) anhaltenden Protesten auf Fan-Seite zu rechnen, wenn diese neuen Regeln zur Saison 2017/2018 starten.

Der Härtetest direkt am Anfang

Doch das erste dieser Montagsspiele wird für die DFL schon zeigen, wie groß der Widerstand bei den Fans tatsächlich ist. Die Tabellenkonstellation offenbart ein potentiell hochdramatisches Spiel, dem Verlierer droht ein Abrutschen auf einen direkten Abstiegsplatz zwei Spieltage vor dem Ende.  Kaum vorstellbar, dass sich die Fans eine derartige Begegnung nicht anschauen – ob nun im Stadion, zuhause oder in einer Bar.

Es darf also mit Spannung erwartet werden, wieviel rund um die Ansetzung herum von Fan-Seite aus geschehen wird. Auch wenn eine mittelfristige Aufsplittung des Spielplans von vielen Fans bereits resignativ angekündigt wird, könnte der Ablauf dieser Partie Signalwirkung haben.

Wiederholt sich so Geschichte?

Das Spiel selbst ist fraglos ein absolutes Highlight des Spieltages – verloren haben aber jetzt bereits schon beide Mannschaften. Fast wie im Jahr 2000: Trotz des 4:1-Erfolgs gegen Ulm an jenem Montagabend stieg die Arminia am Saisonende ab – und nahm den SSV Ulm gleich mit in Liga 2.

Sollte den Stuttgartern oder Bremern ein ähnliches Schicksal bevorstehen, wird es sich mit dem Trost darüber, dass auch in Liga 1 der Montag zukünftig scheinbar zum unausweichlichen Termin für Fußballfans wird, wohl in Grenzen halten.