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Der Olympia-Kader: „Ist da noch Pfand drauf“?

Erstmals seit 1988 nimmt eine Fußball-Nationalmannschaft der deutschen Herren wieder an Olympia teil. Bereits im April gab es hier dazu ein paar Informationen über Gruppen, Regeln und Anekdoten. Die gestrige Kaderbekanntgabe sorgte naturgemäß für einige Diskussionen. Doch das ist er:

Tor:
Timo Horn (1. FC Köln), Jannik Huth (Mainz 05)

Abwehr: Robert Bauer (FC Ingolstadt),  Matthias Ginter (Borussia Dortmund), Lukas Klostermann (RB Leipzig), Philipp Max (FC Augsburg), Niklas Süle, Jeremy Toljan (beide TSG Hoffenheim)

Mittelfeld:  Julian Brandt, Lars Bender (Bayer Leverkusen), Sven Bender (Borussia Dortmund), Max Christiansen (FC Ingolstadt), Serge Gnabry (FC Arsenal), Leon Goretzka, Max Meyer (beide Schalke 04)

Sturm: Nils Petersen (SC Freiburg), Grischa Prömel (Karlsruher SC), Davie Selke (RB Leipzig),

Nachrücker: Leonardo Bittencourt (1. FC Köln), Christian Günter, Sebastian Kerk (beide SC Freiburg), Eric Oelschlägel (Werder Bremen)

Bereits im Vorfel war die Kaderverkündung um einen Tag verschoben worden – für viele ein klares Anzeichen, dass Trainer Horst Hrubesch Probleme hat, in den Verhandlungen mit den Bundesliga-Vereinen die gewünschten Spieler loszueisen. Nicht unverständlich: Das Finale – sollte man es denn erreichen – findet am 20. August statt, die Bundesliga beginnt bereits am 26. August.

Regeln über Regeln: So entstand der Kader

Es geht um viele junge Spieler, für die die Vorbereitung in ihrer Mannschaft eventuell entscheidend sein kann, ob sie sich einen Platz im Team erarbeiten können oder nicht. Eine schwierige Situation. Und so hatte Horst Hrubesch ein paar Einschränkungen zur Kadergestaltung erhalten. Nicht nominiert werden durften so zum Beispiel:

• Spieler, die den Verein gewechselt hatten (z.B. Gerhardt, Volland)
• Spieler, die an Qualifikationsspielen zur EURO oder CL teilnehmen (Weiser, Stark)
• Spieler, die an der EURO 2016 teilgenommen haben (Kimmich, Weigl, Sané, Can, Rüdiger, Draxler)
• Maximal zwei Spieler pro Team

Ohne Kapitän, mit drei „Oldies“

Neben den EURO-Fahrern, unter denen sich ausschließlich bereits gestandene Profis befinden, fahren ebenfalls Spieler wie Kevin Volland, Kapitän der U-21, die sich für das Turnier qualifizierte oder Amin Younes (Ajax Amsterdam) nicht mit.

Dafür sind jedoch drei Spieler jenseits der U-23-Regel erlaubt. Und nach den letzten Monaten, wo gerüchteweise natürlich die Namen Philipp Lahm oder Miroslav Klose trotz Dementi diskutiert wurden, steht nun fest: Diese drei sind neben Freiburg-Stürmer Nils Petersen (27) die beiden Bender-Zwillinge Sven und Lars (27).

Chance für die zweite Garde

Der Kicker spricht von einer klaren Hackordnung im deutschen Fußball, und hat auch mit einer anderen These recht: Sollte das Team gewinnen, wird es vorübergehend zu „Deutschlands liebstem Kind“.

Andererseits handelt es sich bei vielen der nicht berücksichtigten Spieler um Akteure, die in ihren jungen Jahren bereits zahlreiche Spiele oder Turniere absolvieren mussten. Die Gelegenheit, auch einmal vielen aus der zweiten Garde eine Chance zu geben, könnte damit durchaus auch etwas positives haben. Und auch die drei „Oldies“ bekommen mit diesem Turnier die Chance, sich in der Nationalmannschaft zu präsentieren – und das bei Olympia, wo deutsche Fußballmannschaften normalerweise nur im Frauen-Bereich aufzufinden sind.

Zwischen Stolz und Schwierigkeiten

Und während Freiburgs Sympathieträger Nils Petersen sich daher auch geehrt fühlt und freut, weist Lars Bender auf die Schwierigkeiten der nicht eingespielten Truppe hin. Für die Benders ist es eine besondere Chance: 2008 wurden sie gemeinsam bei der U-19 zum „Besten Spieler des Turniers“ gewählt. Trainer damals: Horst Hrubesch.

Die Karriere der Zwillinge verlief erwartungsgemäß gut, beide können bei ihren aktuellen Vereinen Bayer Leverkusen und Borussia Dortmund jeweils mehr als 150 Bundesligaspiele aufweisen.

„Hey Benders, Ist da noch Pfand drauf?“

2012 veröffentlichte der DFB einen heute leider nicht auffindbaren Umwelt-Werbespot, in dem die Bender-Zwillinge mit einer Dose Fußball spielen, bis sie diese gezielt Rich- tung Mülleimer kicken. Manuel Neuer hält die Dose sensationell auf, und weist die Zwillinge auf den Pfandwert der Dose hin.

Es wäre zu hart, zu sagen, dass die Benders für Olympia recyclet worden wären. Aber die großen Nationalspieler wurden sie jedoch bislang nicht. Insbesondere verletzungsbe- dingt brachte es Sven Bender nur auf 7 Länderspiele, Bruder Lars kommt immerhin auf deren 19 und wirkte bei der EM 2012 mit, wo er den Siegtreffer gegen Dänemark erzielte. 2014 stoppte ihn jedoch erneut eine Verletzung, er wurde aus dem vorläufigen Kader gestrichen.  So spielten sie letztmals 2013 zusammen, beim 1:0-Sieg im Testspiel in Wembley gegen England.

So kann es für einige junge Spieler durchaus eine Chance sein, sich auf einer größeren Plattform zu präsentieren. Für daheim gebliebene Spieler kann es die Chance sein, sich bei neuen Vereinen einzugewöhnen, oder bei alten zu regenerieren. Und für die Benders ist es eventuell die letzte Chance zusammenzuspielen – oder sich für weitere gemeinsame Einsätze zu empfehlen.

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