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Die Liebe zu Stadien: Unterwegs mit einem Groundhopper

Die meisten der Fußballfans haben es noch relativ einfach. Sie lieben einen, vielleicht zwei Vereine. Sie versuchen, den Verein möglichst oft live zu erleben – ob im Stadion oder am Fernseher. Groundhopper sind da ein wenig anders. Natürlich sind auch sie Fans bestimmter Vereine. Aber ihr Fokus gilt nicht den Vereinen – sondern den Plätzen, auf denen sie spielen. Sie sammeln Stadien wie andere Leute Panini-Sticker. Bayern gegen Real Madrid im Fernsehen? Ganz nett. Aber das reizt kaum, wenn man zeitgleich den SC Wiedenbrück gegen den Wuppertaler SV live sehen kann.

Ich wollte mich dem Phänomen ein wenig nähern und war mit Jonas Schulte, Groundhopper und Betreiber von „Groundblogging“ unterwegs. In Hagen. Für die Begegnung der Regionalliga West „TSG Sprockhoevel – Alemannia Aachen“. Wenige Tage, bevor die erneuten Zahlungsprobleme der Alemannie bekannt wurden sahen wir eine relativ triste Partie, die „leistungsgerecht“ 1:1 endete.

100 Spiele im Jahr

Jonas fährt ein ordentliches Pensum: Mehr als 100 Spiele hat er im letzten Jahr im Stadion gesehen, mehrere am Tag sind kein Problem. Teilweise muss man sogar vor Abpfiff los, um ins nächste Stadion zu kommen. Unter Groundhoppern kein Problem, aber als Regel gilt: 45 Minuten einer Partie muss man gesehen haben, damit es offiziell „zählt“. Man kann es sich schon vorstellen: Ein ordentlicher Teil der Freizeit geht für so ein Hobby drauf.

Groundhopper sind Einzelkämpfer, aber es gibt Verbindungspunkte: Über eine App kann man  Freundeslisten anlegen, Spiele eintragen und sich „einchecken“, sobald man im Stadion angekommen ist. So erfährt man auch, wieviele andere Groundhopper sich das Spiel ansehen.

Warum Sprockhövel gegen Aachen?

Die TSG Sprockhövel weicht immer nach Hagen aus, wenn es gegen größere Gegner geht. Schön für das Stadion, das ansonsten derzeit unbespielt bleibt. Da die TSG Sprockhövel jedoch im März bereits fast sicher als Absteiger feststeht, bahnt es sich früh an, dass in der nächsten Saison keine Spiele mehr hier bestritten werden. Für Jonas der Hauptgrund, das Stadion zu besuchen, oder „den Ground zu kreuzen“, wie Groundhopper sagen. Eine extreme Form des Sammelns, die einen an die verschiedensten Orte mit verschiedensten Menschen führt. Und nebenbei gibts ja auch noch Fußball. Langweilig wird es damit nicht.

Auf der Suche nach der leckersten Stadionbratwurst, den urigsten Steintribünen und der besten Fanstimmung lernt Jonas tolle Menschen und Orte kennen, kriegt mal gewollte, mal ungewollte Einblicke in die jeweiligen Fanszenen der Vereine und kann nach und nach seine Stadionvita ausbauen.

In einem Gespräch für den Kölncampus Bewegungsmelder habe ich mich mit ihm am Rande der Partie unterhalten:

 

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Thomas Tuchel und die vergebliche Sehnsucht nach dem Ex

Die Tage von Thomas Tuchel in Dortmund scheinen, wenn man die Berichterstattung der letzten Tage verfolgt, nach zwei Saisons dem Ende entgegen zu gehen. Tuchels Berater spricht zwar öffentlich davon, dass das „Ziel ist, dass Thomas beim BVB bleibt“. Aber wenn einem in der Schule der Lehrer sagte, dass das „Ziel ist, dass du die Klasse schaffst“, wusste man zugleich: Es wird also ne enge Nummer.

„Unser Ziel ist es, dass Thomas beim BVB bleibt und dass sich alles wieder beruhigt. Für mich ist es wichtig, dass Thomas Tuchel in dieser Sache nicht weiter beschädigt wird. Thomas war und ist in allen seinen Aussagen sehr ehrlich und aufrichtig.“

(Tuchel-Berater Olaf Meinking zu Sport1)

Das fehlende Pöhler-Lächeln

Früh nach der für BVB-Fans legendären Klopp-Ära, bereits zu Tuchels Inthronisierung im Sommer 2015 war klar: Mit dem neuen Trainer wird einiges anders. Mit einem Mann, der sich mit Pep Guardiola nicht nur zum Abendessen trifft, sondern dessen Stil insgesamt verdächtig an den Spanier erinnert. Dessen Gemeinsamkeiten mit Klopp außer den Arbeitgebern Mainz und Dortmund und einer inflationären Nutzung des Wortes „brutal“ schon verstärkt gesucht werden müssen. Der sollte jetzt nach einer jahrelangen innigen und gut vermarktbaren Liebesbeziehung zwischen Klopp und dem BVB die Lücke füllen. Sportlich ist ihm das, die Grundvoraussetzungen betrachtet, gelungen. Auf den anderen Ebenen kämpft er bis heute um Boden.

Die Debatte rund um die Champions-League-Begegnung gegen Monaco kurz nach dem Anschlag hat das bereits angeschlagene Verhältnis endgültig beschädigt. Nach den Aussagen der letzten Tage scheint es nahezu unvorstellbar, wie Tuchel und der BVB noch langfristig erfolgreich miteinander arbeiten wollen – zumal es aus Spielerkreisen inzwischen auch Signale gegen Tuchel zu geben scheint.

Die Sehnsucht nach Jürgen

Dabei ist es im konkreten Fall schwer vorstellbar, dass ein Jürgen Klopp großartig anders reagiert hätte als Thomas Tuchel. Auch er hatte die Neuansetzung der Partie gegen Monaco kritisiert. Doch allein seine freundschaftliche Nähe zum Vorstand hätte die Kommunikation erleichtert.

Die Sehnsucht nach Jürgen Klopp ist eben auch zwei Jahre nach dessen Abgang in die Premier League spürbar. Und die Suche nach einem neuen Verkörperer des „Echte Liebe“-Slogans läuft nach wie vor.

Fehlende Alternative

Sieht man auf den Trainermarkt, scheinen grundsätzlich einige Optionen vorstellbar. Der ehemalige U23-Trainer der Dortmunder David Wagner ist mit Huddersfield Town als 5. solide in der zweiten englischen Liga unterwegs. Dem Trauzeugen von Jürgen Klopp mangelt es dabei an internationaler Erfahrung und, ja, er ist eben mit Huddersfield Town als 5. solide in der zweiten englischen Liga unterwegs.

In eine ähnliche Richtung geht Hannes Wolf, jahrelang in der Nachwuchsarbeit beim BVB involviert und mit dem VfB Stuttgart immerhin kurz vor dem Bundesligaaufstieg. Ob er den Verein danach verlassen würde?

Ein paar unrealistische Namen – und Julian Nagelsmann

Die medial gehandelten Namen wie Lucien Favre, Jorge Sampaoli oder Diego Simeone scheinen nur allzu unpassend zu sein, auch Jürgen Klopp Himself wird natürlich nicht zurückkehren. Bleibt noch Julian Nagelsmann. Das vielfach beachtete Trainertalent könnte den Sprung auf das nächste Level bereits sehr früh wagen – auch ohne großartige internationale Erfahrung vorweisen zu können.

Der 29-Jährige hat in der Vergangenheit stehts betont, sich viel vorstellen zu können, aber damit keine Eile zu haben. Die TSG Hoffenheim jetzt zu verlassen würde dem ein wenig im Wege stehen. Andererseits kommen bestimmte Angebote nur zu einem bestimmten Zeitpunkt.

Top-Wahl: Thomas Tuchel?

Aber wer kennt den Verein, die Spieler und hat in der Vergangenheit Erfolge in Drucksituationen vorzuweisen? Genau. Thomas Tuchel hat sich in diesem Umbruchprozess der Dortmunder Borussia als überaus erfolgreich erwiesen. Was ersportlich nach dem Wegfall von Gündogan, Hummels und Mkhytarian diese Saison mit dem BVB gegen alle Widrigkeiten geleistet hat, ist ohne Zweifel herausragend. Wahrscheinlich gibt es kaum eine bessere Option für den Trainerposten derzeit.

Doch die zwischenmenschlichen Probleme machen eine Trennung schwer vermeidbar. Auf das Gespräch nach Saisonende darf man jetzt zumindest gespannt sein. Der BVB muss langfristig die Trennung von Jürgen Klopp emotional überwinden. Und wer weiß, ob das nicht doch noch gelingt. Hin und wieder klappt so eine Versetzung ins nächste Schuljahr schließlich auch.

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Die Brutalität des Wortes: Von Klopp über Tuchel zu Nagelsmann

Der Fußball wird moderner, aber der Sprachgebrauch seiner Protagonisten hat sich eigentlich kaum verändert. Waren letztes Jahr noch alle begeistert von der bei der EM ausführlichst dargelegten Packing-Rate, erinnert man sich dennoch auch noch an die großen Klassiker-Phrasen der Analyse. Das Spiel unter Kontrolle bringen. Sich Chancen erarbeiten. Das Spiel breit machen. Den Ball in den eigenen Reihen laufen lassen.

Nein, eine große Sprachrevolution gab es nicht. Aber Nuancen verändern sich. Hin und wieder werden Sätze eingeführt, die Jahre später das ganze Business benutzt. Seit ein paar Jahren gibt es ein neues Wort, welches sich bru…sagen wir, gewaltsam in den Sprachschatz der Trainergattung gedrängt hat. Angeführt von einem, der in England nichtmal ein neues Wort lernen musste. Jürgen Klopp. Und die Liebe zum Wort „Brutal“.

Brutal schwer, Brutal wichtig, Brutal brutal

Diesen Begriff kannte man bis vor wenigen Jahren nur als Umschreibung für die ganz großen Fouls. Von Blutgrätschen bis hin zu Ellenbogenschlägen umschrieb das Wort ziemlich perfekt die rotwürdigen Aussetzer der Profis, sodass es nicht verwundert hätte, wenn Arturo Vidal sich das Wort noch irgendwo auf seinen Hals tättowiert hätte. Da war nur leider brutal wenig Platz.

Klopp jedoch fand in dem Wort ein Ventil für seine Emotionen und sagte daher schon früh, wenn es „brutal schwer“ für seinen BVB werde (hier nach einem 2:0-Sieg gegen Nürnberg im Jahr 2010). Niederlagen, wie gegen den HSV, habe man sich „brutal selbst eingebrockt“, bei Siegen aber den Gegner gerne mal „brutal bearbeitet“. Im DFB-Pokal müsse man jeden Gegner „brutal ernstnehmen“ – es ging dabei um Saarbrücken – aber nach manchen Niederlagen im Ligawettbewerb wusste selbst Klopp lediglich festzustellen: „Die Bundesliga ist brutal“.

Das Wort fand scheinbar vermehrt Anwendung, wenn man den Gesprächspartner davon überzeugen wollte, wie schwer etwas wirklich wiegt. So stellte Klopp auch im Jahr 2011 fest, dass Jakub Blaszszykowski „brutal wichtig“ für den Verein sei. Von Thomas Tuchel wurde der Pole inzwischen brutal aussortiert, von den Fans aber bei seiner Rückkehr brutal gefeiert.

Brutale Übergabe

Apropos Thomas Tuchel. Von seinem Nachfolger sagte Klopp bereits 2013, dass dieser Ideen „brutal mutig“ umsetze – somit war die Neubesetzung des Trainerpostens beim BVB eigentlich da bereits nur noch Formsache und es dauerte nicht lange, bis nach dessen Inthronisierung Mehmet Scholl als ARD-Experte ankündigte, Tuchel werde auch den BVB „brutal umbauen“.

Tuchel führte sich beim BVB derweil auch sprachlich erfolgreich ein. So stellte er im Bezug auf den DFB-Pokal revolutionär fest, dass die Konstellation (Einer gewinnt, einer verliert, es gibt kein Unentschieden) eine „gewisse Brutalität“ mit sich bringe. Spätestens hier war der Zeitpunkt gekommen, an dem Luiz Gustavo seine Heavy-Metal-Garagenband „Los Brutalos“ aus Protest umbenannte.

Brutale Qualität: Kein Karten-Kriterium

Besonders gerne findet man den Begriff bei der Hervorhebung des eigenen oder gegnerischen Niveaus. Ilkay Gündogan hatte Klopp lange genug zugehört um von der „brutalen Qualität“ seiner Mannschaft zu wissen, und selbst Exil-Spieler wie Eindhovens Verteidiger Daniel Schwab wusste, dass er Robert Lewandowski nicht beschreiben konnte, ohne die Vokabel zu benutzen.

Eine dankbare Tendenz für alle Lokalzeitungen und -trainer dieses Landes. Denn die Schlagzeilen der Verbands- bis Kreisliga schrieben sich plötzlich von alleine und lenkten von der tatsächlich doch oft fehlenden brutalen Qualität einer Liga ab.

Brutale Trittbrettfahrer

Hätte Pep Guardiola die Vokabel ähnlich oft auf seinem Lernzettel gehabt wie die Liste deutscher Superlative, er wäre sicher ein großer Fan der Nutzungsweise gewesen. So obliegt es jedoch dem derzeitigen deutschen Vorzeigetrainer, den Trend weiterzuführen. Denn Hoffenheim-Coach Julian Nagelsmann verkündete nun vor der Partie gegen den BVB, der Druck läge „brutal bei Dortmund“. Man kann den Druck förmlich schreien und toben hören. Immerhin: Nach den Ergebnissen der letzten Wochen ist Dortmund sportlich ein wenig aus der „brutal schweren Phase“ raus, die Holger Stanislawski ihnen Anfang April noch bescheinigte.

Dass die Verwendung jetzt auch über Dortmund hinaus auf den Rest des Landes übergeht, kann eine brutale Tendenz sein, die schlimmes für die nächsten Medienschulungen der Spieler vermuten lässt. Und in Arturos Gesicht bilden sich automatisch zwei neue Tränentattoos von brutaler Qualität.

 

 

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Gladbach vs. Schalke: 6 große deutsch-deutschen Duelle

Gladbach gegen Schalke, Schalke gegen Gladbach. Die Europaleague liefert im Achtelfinale ein Top-Duell. Deutsche Fußballfans sind gespalten. Immerhin ein Viertelfinalist aus Deutschland ist durch diese Paarung zwar garantiert. Aber gerade in diesem Jahr, wo der Dauersieger FC Sevilla lieber mit den großen Kids in der Champions League spielt, wäre ja vielleicht auch was mehr drin gewesen, für den Rest.

Es ist nicht das erste „innerdeutsche“ Duell auf internationaler Bühne. Es gab bereits zahlreiche. Wir schauen auf die ersten, jüngsten, willkürlich gepickten Beispiele.

Das erste Duell: 1. FC Köln – Borussia Mönchengladbach (1972/1973)

Das erste Duell zwischen zwei deutschen Teams war direkt ein Knaller. Das Derby. Köln gegen Gladbach. Am Ende setzte sich die Elf aus Gladbach deutlich durch, nach einem 0:0 im Hinspiel in Köln gab es eine deftige 5:0-Reibe für die Kölner im Rückspiel. Während Jupp Heynckes toretechnisch leer ausging, durfte Berti Vogts mit einem seiner wenigen Tore zum Weiterkommen der Borussia beitragen. Im Finale war aber auch für Gladbach Schluss – gegen den FC Liverpool. Fun Fact: Im selben Jahr trafen sich beide Teams im DFB-Pokal-Finale wieder. Gladbach gewann auch diesmal, dank des Treffers in der Verlängerung von Günter Netzer, der sich zuvor selbst eingewechselt hatte.

Das erste Champions League-Duell: Bayern München vs. Dynamo Dresden (1973/1974)

Ein Jahr später folgte das erste Duell zweier deutscher Teams in der Champions League – der damals noch Europapokal der Landesmeister hieß. Zwischen zwei Teams, die technisch gesehen damals in zwei unterschiedlichen Ländern spielten. BRD gegen DDR, Bayern gegen Dresden. Das Spiel wurde heftig politisiert und mündete in zwei torreiche Partien, in denen der FC Bayern sich knapp durchsetzte (4:3, 3:3).

Bildmaterial aus den Spielen. Hinspiel:

Rückspiel (langer Beitrag für Genießer):

Das erste Finale: Gladbach gegen Frankfurt (1979/1980)

Der UEFA-Cup, oder die Europa League, ist für deutsche Teams seit Jahren nur noch bedingt ein guets Pflaster. Das war mal anders. In der Saison 1979/1980 zum Beispiel. Dass der Sieger des Wettbewerbs aus Deutschland kommen würde, stand da bereits nach dem Viertelfinale fest – sämtliche Halbfinal-Teams waren aus Deutschland. Während der VfB Stuttgart gegen Borussia Mönchengladbach ausschied, konnte die Eintracht aus Frankfurt den FC Bayern München eliminieren. Im Finale – damals noch mit Hin- und Rückspiel, siegte Frankfurt nach einer 3:2-Niederlage in Gladbach zuhause mit 1:0 und holte den Pokal. Der einzige internationale Titel bis heute. Das Tor des Tages im Video:

Die Rache der Bayern: Champions League Viertelfinale, Bayern München – 1. FC Kaiserslautern (1998/99)

Die meisten erinnern sich an die Meisterschaft des 1. FC Kaiserslautern in der Saison 1997/1998. Niemals zuvor – oder danach – gelang es einem Aufsteiger, direkt den Titel zu holen. Was weniger im Gedächtnis blieb ist das deutsche Duell in der darauf folgenden Champions League Saison, als Bayern zur großen Rache auffuhr und im Viertelfinale dem 1. FC Kaiserslautern seine Grenzen aufzeigte – nach einem 2:0 und 4:0 war Endstadion für die Lauterer, während Bayerns Weg bis in ein legendäres und traumatisches Finale gegen Manchester United führen sollte (1:2).

Die legendäre Papierkugel: Hamburger SV – Werder Bremen, UEFA-Pokal Halbfinale (2008/2009)

Am nächsten dran an der Partie Schalke-Gladbach ist rein inhaltlich wohl die Begegnung der beiden Nordvereine vor ein paar Jahren. Mit der Begegnung im Halbfinale stand immerhin von vornherein fest: Ein deutsches Team packt das Finale in Istanbul. Nach einem 1:0-Auswärtssieg für den HSV im Hinspiel schien die Finalteilnahme quasi schon gebucht. Doch Werder Bremen gab sich nicht geschlagen und triumphierte in Hamburg – dem vorentscheidenden 3:1 ging dabei eine unmittelbar danach legendäre Papierkugelszene voraus, die zur Ecke führte. Die Story ist fast berühmter als der Ausgang der Saison. Werder Bremen unterlag im Finale Shaktor Donezk nach Verlängerung mit 1:2.

Das CL-Finale: Borussia Dortmund – Bayern München (2012/2013)

Eigentlich war alles schon geplant. Die Dortmunder erzählten Geschichten davon, wie sie nach zwei Meisterschaften 1995 und 1996 die Champions League ein Jahr darauf gewannen. Diese Story sollte sich wiederholen. Man könnte dem FC Bayern die ganze Saison vermiesen, in diesem einen Spiel. Der FC Bayern wiederum war nach zwei Finalniederlagen 2010 und – unvergessen – 2012 in München angeschlagen. Die Dramaturgie des Sports führte beide Teams in einem ausgeglichenen Spiel bis in die 90. Minute, um eine Entscheidung zu erzwingen. Von einem, der im vergangenen Jahr noch Pfiffe über sich ergehen lassen musste, Mitschuld war an der Niederlage gegen Chelsea. Dem danach alles egal sein konnte. Das bisher einzige Finale in der Champions League zwischen zwei deutschen Teams ließ derweil viele Fans hoffen: Beginnt hier eine Ära? Stand heute kann man sagen: Nein.

Ob sich die Begegnung „Schalke – Gladbach“ hier einfügen wird, wird wohl erst der Ablauf des Rückspiels verraten. Nach dem 1:1 aus dem Hinspiel ist zumindest alles bereitet für einen großen Abend…

 

Alle deutsch-deutschen Duelle in europäischen Wettbewerben gibt es übrigens übersichtlich zusammengefasst bei Trainer Baade:

Alle deutsch-deutschen Duelle in allen Europapokalen

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Julian Draxler: Ein mögliches Vorbild für Götze?

Erstes Ligaspiel – Tor Draxler. Erstes Pokalspiel – Tor Draxler. Erster Auftritt in der Champions-League – Barcelona mit 4:0 weggeprügelt und natürlich: Tor Draxler. Einen besseren Einstand hätte sich Paris St. Germains Winterneuzugang Julian Draxler wohl nicht wünschen können. Statt in Wolfsburg mit Mario Gomez und Maxi Arnold mühsam gegen das Abrutschen auf die Abstiegsränge zu kämpfen, darf er Seite an Seite mit Angel di Maria und Edinson Cavani vom Champions-League-Titel träumen. Dass das eine Extramotivation für einen Spieler darstellen dürfte – geschenkt. Aber ist es so einfach?

Schon der Abschied aus Schalke machte einiges klar

Sein Abschied vom FC Schalke 04, für den Draxler immerhin 14 Jahre lang spielte, erschien bereits seltsam. Er wollte ein Umfeld, in dem er befreit Fußball spielen konnte, in Schalke wurden ihm die Lasten auf den Schultern zu groß. Wie immer man als (insbesondere Schalke-) Fan darüber denken mag, Draxler verspürte den Drang, sich zu verändern, um sich fußballerisch weiterzuentwickeln.

Dass es der VfL Wolfsburg wurde statt beispielsweise dem FC Arsenal London zeigte dabei nicht nur, dass man in Wolfsburg nicht gerade schlecht verdient, sondern auch, dass Draxler sich den großen Schritt noch nicht zutraute.

Die andere Form von „Druck“ in Wolfsburg

In Wolfsburg geriet er dann jedoch in eine Mannschaft, die seit dem Abgang von Kevin de Bruyne einen Organisator des Spiels vermissen ließ, sich zwar mit qualitativ hochwertigen Spielern verstärkte, die jedoch alle nicht richtig einschlagen wollten. Plötzlich war der Druck wieder auf Julian Draxler, der, man muss es sich vor Augen führen, immer noch erst 23 Jahre alt ist.

Der Wechsel zu Paris St. Germain ist zwar ein Wechsel in einen anspruchsvolleren Kader, wo Draxler mehr um seinen Platz kämpfen muss als zuvor. Aber als Teil des Mannschaftsgefüges sinkt der Druck auf seinen Schultern, weil er nicht im absoluten Fokus steht. So gering der Druck halt sein kann, wenn man für kolportierte 36 Millionen Euro gekauft wird. Draxlers Verhalten bei Wolfsburg war dabei insbesondere im letzten halben Jahr zwar sicherlich nicht allzu fleckenfrei. Doch seinen Leistungsunterschied allein mit einer veränderten Einstellung zu erklären, ist zu leicht.

Wenn Druck einen Namen hat: Mario Götze

In Deutschland ist Draxler mit seinen sportlichen Problemen als einst gefeiertes Talent kein Einzelfall. Mario Götze tut sich in Dortmund nach wie vor schwer, wieder richtig Fuß zu fassen und wurde wochenlang nur sporadisch eingesetzt, ehe kleinere Verletzungen ihn zusätzlich auszubremsen schienen.

Auch auf Götze lastet seit jeher eine Erwartungshaltung, die Druck erzeugt. Drei Jahre lang versuchte er, den Erwartungen in München gerecht zu werden. Danach ging es zurück zum BVB, wo er jedoch nicht mehr als 18-jähriges Vereinstalent auftritt, sondern als 24-jähriger Welt- und fünffacher Deutscher Meister, der bei vielen Fans jahrelang in Ungnade gefallen war. Wenn das mal kein Druck ist.

Schritt ins Ausland als logische Konsequenz?

Bis heute bleibt es fraglich, ob Götze wirklich als Wunschspieler Tuchels oder vor allem aufgrund alter Beziehungen vom BVB zurückgenommen wurde. Kann er sich jedoch weiterhin nicht durchsetzen, muss auch er sich überlegen, ob ein Schritt ins Ausland eine sinnvolle Lösung wäre.

Der mediale Fokus auf ihn kann nur geringer werden, und auch wenn der Konkurrenzkampf in einer internationalen Top-Mannschaft von einem ähnlichen Niveau wäre wie in Dortmund und München, könnte er eine zusätzliche Motivation und Befreiung durch einen richtigen Luftwechsel erzeugen. Bei Julian Draxler scheint es zu funktionieren.