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WM 2018 – Gruppe D: Messis Trauma, Okochas Neffe und Islands Debüt

Argentinien

Im vergangenen Oktober drohte Argentinien die WM in Russland zu verpassen. Dann folgte im letzten Spiel gegen Ecuador die Gala von Lionel Messi. Mit drei Treffern schoss er die Albiceleste im Alleingang zum Turnier. Es wird seine vierte WM werden. Die drei vergangenen endeten alle gleich: Mit dem Ausscheiden der Argentinier gegen Deutschland. Der WM-Finalist von 2014 zählt für viele nicht zum engsten Favoritenkreis. Doch allein von der nominellen Besetzung im Angriff können viele Teams nur träumen. Mit Mauro Icardi ließ man sogar den Torschützenkönig der Serie A (29 Tore in 34 Partien) zuhause! Dessen Stand ist in Argentinien jedoch seit ein paar Jahren wacklig. Der Grund: Das vermeintliche Ausspannen der Frau von Teamkollege Maxi Lopes! Soviel Boulevard muss sein.

Beide sind nicht bei der WM dabei. Doch die Offensive um Lionel Messi (47 Pflichtspieltore), Gonzalo Higuain (27), Sergio Aguero (31), Angel di Maria (22) und Paulo Dybala (26) lässt sowieso kaum Wünsche offen. Für viele aus dem Kader dürfte es die letzte Möglichkeit sein, bei einer WM doch noch den ganz großen Wurf zu landen. Ein wichtiger Bestandteil der alten Garde wird dabei jedoch fehlen: Stammtorwart Romero fällt beim Turnier verletzt aus. 94 Länderspiele hatte er bis dato auf dem Buckel. Die drei Torhüter, die in Russland dabei sein werden, kommen alle zusammen nicht einmal auf zehn Spiele. Dazu hat Argentinien insbesondere auf den defensiven Außenbahnen seine Probleme. Deutlich zu sehen war das im März beim Testspiel gegen Spanien, wo es ein heftiges 1:6 (!) setzte. Dazu gab es Probleme en masse: Von Spielerstreiks bis hin zu Ärger im argentinischen Verband.

Dennoch dürfte die Gruppenphase kein Problem darstellen. Und Lionel Messi hofft wohl nur darauf, dass Deutschland einen anderen Turnierweg wählt als den der Argentinier.

Trainer:
Jorge Sampaoli

Tor:
Franco Armani (River Plate)
Wilfredo Caballero (FC Chelsea)
Nahuel Guzman (Tigres UANL)

Abwehr:
Marcos Acuna (Sporting Lissabon)
Cristian Ansaldi (FC Turin)
Federico Fazio (AS Rom)
Javier Mascherano (Hebei China Fortune)
Gabriel Mercado (FC Sevilla)
Nicolas Otamendi (Manchester City)
Marcos Rojo (Manchester United)
Eduardo Salvio (Benfica Lissabon)
Nicolas Tagliafico (Ajax Amsterdam)

Mittelfeld:
Ever Banega (FC Sevilla)
Lucas Biglia (AC Mailand)
Angel Di Maria (Paris St. Germain)
Nahuel Guzman (Tigres UANL) (nachnominiert für Manuel Lanzini / Kreuzbandriss)
Giovani Lo Celso (Paris St. Germain)
Maximiliano Meza (Independiente)
Cristian Pavon (Boca Juniors)

Angriff:
Sergio Agüero (Manchester City)
Paulo Dybala (Juventus Turin)
Gonzalo Higuain (Juventus Turin)
Lionel Messi (FC Barcelona)

Kroatien

Wie eh und je begegnen einem eine Menge bekannter Namen im Kader von Kroatien. Allein fast alle Stürmer spielen oder spielten in der Bundesliga, mit Ivan Rakitic und Luka Modric verfügt man zudem über zwei der besten Mittelfeldspieler Europas, die es zusammen inzwischen auf fast 200 Länderspiele bringen. Dennoch reichte es in der WM-Qualifikation nur zu Platz 2 hinter Island. In der Relegation setzte man sich dann souverän gegen Griechenland durch.

Das Potential der Kroaten scheint gewohnt groß zu sein. Die Frage, ob sie es auf den Platz bringen, ist eine ganz andere. Wollen sie ins Achtelfinale, müssen sie diesmal besser sein als Island, die sich wie in der Qualifikation auch bei der WM in der gleichen Gruppe tummeln. Doch die Voraussetzungen dafür sind nicht rosig. Zum mühsamen Erreichen der Endrunde kommen mittelmäßige Testspielergebnisse im Jahr 2018, über das auch der jüngste 2:1-Sieg gegen WM-Teilnehmer Senegal nicht hinwegtäuschen kann.

Bei der letzten WM durfte man das Eröffnungsspiel bestreiten, scheiterte aber in der Gruppenphase an Brasilien und Mexiko. Mit einem Kader, der neben den beiden Superstars im Mittelfeld noch Hochkaräter wie Mario Mandzukic, Ivan Perisic und Matteo Kovacic besitzt, muss das Achtelfinale rein nominell Pflicht sein. Ob Island nach der EM 2016 und nach der Qualifikation zur WM 2018 auch diesmal überraschen kann? Nur wenn die Kroaten ihre individuelle Qualität im Mannschaftsgefüge abrufen können, wird das zu verhindern sein. Dennoch favorisiert für den zweiten Platz in der Gruppe D, was im Achtelfinale jedoch wahrscheinlich ein Duell mit Frankreich bedeuten würde.

Trainer:
Zlatko Dalic

Tor:
Lovre Kalinic (KAA Gent)
Dominik Livakovic (Dinamo Zagreb)
Danijel Subasic (AS Monaco)

Abwehr:
Duje Caleta-Car (Red Bull Salzburg)
Vedran Corluka (Lokomotive Moskau)
Tin Jedvaj (Bayer Leverkusen)
Dejan Lovren (FC Liverpool)
Josip Pivaric (Dynamo Kiew)
Ivan Strinic (Sampdoria Genua)
Domagoj Vida (Besiktas Istanbul)
Sime Vrsaljko (Atletico Madrid)

Mittelfeld:
Milan Badelj (AC Florenz)
Filip Bradaric (HNK Rijeka)
Marcelo Brozovic (Inter Mailand)
Mateo Kovacic (Real Madrid)
Luka Modric (Real Madrid)
Ivan Rakitic (FC Barcelona)

Angriff:
Nikola Kalinic (AC Mailand)
Andrej Kramaric (1899 Hoffenheim)
Mario Mandzukic (Juventus Turin)
Ivan Perisic (Inter Mailand)
Marko Pjaca (Schalke 04)
Ante Rebic (Eintracht Frankfurt)

Nigeria

Nur Legenden im Kader von Nigeria! Besser gesagt: Im Trainerstab. Neben Trainer Gernot Rohr, der mit Bayern München als Spieler in den 70ern zweimal Deutscher Meister wurde, arbeiten auch Jay-Jay Okocha und Viktor Agali für die nigerianische Nationalmannschaft. Nach Gabun, Niger und Burkina Faso ist Nigeria die vierte Trainerstation für Rohr bei afrikanischen Nationalmannschaften. Bei Nigeria hat er für einen Umbruch gesorgt. Nigeria hat einen der jüngsten Kader aller WM-Teilnehmer. Gleichzeitig wurde  die sechste WM-Qualifikation des Landes erreicht, trotz einer Gruppe mit Sambia, Kamerun und Deutschlandschreck Algerien. Wen man aus dem ersten Topf zugelost bekommt, war aber wohl jedem Nigerianer klar: Gegen Argentinien tritt man nun zum fünften Mal bei sechs WM-Teilnahmen teil. Jedes Mal gewann Argentinien mit exakt einem Tor Vorsprung.

John Obi Mikel hat sich nach elf Jahren bei Chelsea London inzwischen zwar in die chinesische Liga zurückgezogen, ist aber immer noch zentraler Punkt der Mannschaft. Mit Victor Moses und den jungen Stürmern Alex Iwobi und Kelechi Iheanacho verfügt die Truppe aber über ordentliches Offensivpotenzial. Iwobi schoss die Nigerianer bereits zur WM und war auch einziger Torschütze im Test gegen England Anfang Juni (1:2). Der Neffe von Jay Jay Okocha bräuchte nach einer durchwachsenen Saison bei Arsenal (drei Tore) jedoch eine deutliche Leistungssteigerung, um Nigeria im Turnier zu halten.

Die Gegner dürften jedoch gewarnt sein: Vor vier Jahren schaffte es Nigeria – natürlich hinter Argentinien – aber vor Bosnien und Herzegowina auf Platz 2 und ins Achtelfinale, wo gegen Frankreich Endstation war. Ein Duell, was auch diesmal möglich wäre, sollte man Platz 2 in der Gruppe erreichen. Die Super Eagles sollten nicht unterschätzt werden, sind jedoch letztendlich der Außenseiter der Gruppe.

Trainer:
Gernot Rohr (Deutschland)

Tor:
Francis Uzoho (Deportivo La Coruna)
Ikechukwu Ezenwa (Enyimba Aba)
Daniel Akpeyi (Chippa United)

Abwehr:
Kenneth Omeruo (Kasimpasa)
Elderson Echiejile (Cercle Brügge)
Leon Balogun (FSV Mainz 05)
Tyronne Ebuehi (ADO Den Haag)
Bryan Idowu (Amkar Perm)
Chidozie Awaziem (FC Nantes)
William Troost-Ekong (Bursaspor)
Abdullahi Shehu (Bursaspor)

Mittelfeld:
Wilfred Ndidi (Leicester City)
Ogenyi Onazi (Trabzonspor)
John Obi Mikel (Tianjin TEDA FC)
John Ogu (Hapoel Be’er Sheva)
Oghenekaro Etebo (UD Las Palmas)
Joel Obi (FC Turin)

Angriff:
Simeon Nwankwo (FC Crotone)
Victor Moses (FC Chelsea)
Odion Ighalo (Changchun Yatai)
Kelechi Iheanacho (Leicester City)
Ahmed Musa (ZSKA Moskau)
Alex Iwobi (FC Arsenal)

Island

Die Publikumslieblinge der EM 2016 sind auch bei der WM 2018 dabei, zur Freude vieler Fußballfans. Und wie: In der Qualifikation ließ man Gruppengegner Kroatien hinter sich und zeigte eindrucksvoll, dass man es hier nicht mit einer Einturnierfliege zu tun hat. Dass die Nation mit den rund 330.000 Einwohnern jetzt aber auch noch die erste Fußball-WM seiner Geschichte spielen darf ist dennoch eine Sensation. Damit löst man auch Trinidad & Tobago ab – als WM-Teilnehmerland mit den wenigsten Einwohnern.

Der Kader der Isländer hat sich nicht groß gewandelt – und der Star ist weiterhin die Mannschaft, wenn auch einzelne Akteure wie Evertons Sigurdsson oder Augsburgs Finnbogason hervorstechen. Dank Rurik Gislason ist auch der SV Sandhausen bei der WM 2018 vertreten. Und verträumte Islandromantik hin oder her – faktisch spielen fast alle Spieler aus dem WM Kader inzwischen quer verteilt in Europa, von Russland bis nach Bulgarien.

Die Gegner dürften gewarnt sein – Island ist nicht zu unterschätzen und nervenstark. Das zeigte man in der Qualifikation zum Beispiel am vorletzten Spieltag, als sie der Türkei durch einen 3:0-Auswärtserfolg endgültig die WM-Chance raubten. Die letzten Testspiele misslangen jedoch. Im März gab es Niederlagen gegen Mexiko (0:3) und Peru (1:3), im Juni war es kaum besser gegen Norwegen (2:3) und Ghana (2:2).

Dass nach der EM 2016 inflationär und überall eingesetzte „Hu!“ zwischen Fans und Mannschaft ist inzwischen (zum Glück) markenrechtlich geschützt. Eigentlich kann dann nichts schief gehen. Nur die gestiegene Erwartungshaltung könnte nerven. Doch im ersten Spiel gegen Argentinien hat man nichts zu verlieren. Perfekt für eine Überraschung? Trotz EM 2016 und WM-Quali 2018 bedarf es einer überdurchschnittlichen Vorstellung, um in der Gruppe weiterzukommen.

Trainer:
Heimir Hallgrímsson

Torhüter:
Hannes Halldorsson (Randers)
Runar Runarsson (Nordsjaelland)
Frederik Schram (Roskilde)

Abwehr:
Birkir Saevarsson (Valdur Reykjavik)
Sverrir Ingason (Rostov)
Ragnar Sigurdsson (Rostov)
Kari Arnason (Aberdeen)
Holmar Eyjolfsson (Levski Sofia)
Hordur Magnusson (Bristol City)
Ari Skulason (Lokeren)

Mittelfeld:
Samuel Fridjonsson (Valerenga)
Albert Gudmundsson (PSV Eindhoven)
Johann Gudmundsson (Burnley)
Birkir Bjarnason (Aston Villa)
Gylfi Sigurdsson (Everton)
Olafur Skulason (Karabükspor)
Aron Gunnarsson (Cardiff City/Wales)
Rurik Gislason (SV Sandhausen)
Emil Hallfredsson (Udinese Calcio)
Arnor Traustason (Malmö FF)

Angriff:
Björn Sigurdarson (Rostov)
Alfred Finnbogason (FC Augsburg)
Jon Bodvarsson (Reading)

Prognose:

Die Kroaten und Argentinier kommen mit routinierten Teams zur WM, Nigeria mit vielen Talenten und Island zum ersten Mal und hochmotiviert. Eine schwierig einzuschätzende Gruppe, in der es letzten Endes jedoch wohl nur um Platz 2 hinter Argentinien gehen wird. Island zeigte in den Testspielen Formschwäche, aber auch Nigeria und Kroatien sind nicht vollends überzeugend. Bei den Kroaten stehen die entscheidenden Spieler vor ihrem letzten Turnier – einmal Achtelfinale ist da noch drin.

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WM 2018 – Gruppe C: Kein Lord, Kein Claudio – Ein Paolo Guerrero

Frankreich

Was haben Kingsley Coman (Bayern München), Karim Benzema (Real Madrid), Alexandre Lacazette (Arsenal London) und Anthony Martial (Manchester United) gemeinsam? Sie alle haben es nicht in den französischen WM-Kader gepackt. Ganz klar: Offensiv ist Frankreich gewaltig aufgestellt. Die Angriffsreihe um Atleticos Antoine Griezmann, der seinen Hotline-Bling-Jubel inzwischen gegen einen noch schlimmeren eingetauscht hat, den in Deutschland nur noch mittelprächtig beliebten Ousmane Dembele und dem Neymar-Sidekick Mbappé könnte bei der WM für Furore sorgen.

Aber auch in den anderen Mannschafsteilen ist Frankreich gut aufgestellt. Mit Corentin Tolisso und Stuttgarts Pavard ist sogar ein bisschen Bundesligaflavour im Kader enthalten. Pavard mag für viele überraschend sein, doch tatsächlich besitzt der Lockenkopf ordentliche Aussicht auf Einsatzzeit. Er ist die große Überraschung im Kader, die sonst nur aus Spitzenspielern europäischer Topklubs zu bestehen scheint. Angesichts dessen lief die Qualifikation fast schon holprig. In einer zugegeben starken Gruppe landete man vor Schweden und den Niederlanden, erlaubte sich dabei aber unter anderem torlose Remis gegen Luxemburg und Weißrussland.

Frankreich hat seit längerem den Ruf einer ego-gespickten Truppe, die sich während der Turniere gerne mal zerreißt. Vielleicht ist dies auch ein Grund, dass Nationaltrainer Deschamps weiterhin auf Karim Benzema verzichtet. Seit dem Erpressungsskandal 2015 lief er nicht mehr für Frankreich auf, hatte aber tatsächlich in dieser Saison auch sportlich nicht viel zu bieten und erzielte lediglich fünf (!) Tore in der Liga. Da sowohl Sven Ulreich als auch Loris Karius nicht zur WM fahren ist Benzema selbst für ein Retraumatisierungs-Programm ungeeignet.

Von der Besetzung her ist Frankreich ein Topfavorit auf den WM-Sieg. Zwei Jahre nach der Finalniederlage bei der Heim-EM gegen Portugal wird der Druck jedoch hoch sein. Die Beziehung zwischen Fans und Mannschaft ist immer noch gespalten, erst Anfang Juni wurde Paul Pogba bei einem Testspiel ausgepfiffen. Der Ausfall von Abwehrchef Koscielny wiegt schwer, auch wenn die Innenverteidigung mit Umtiti (Barcelona) und Varane (Madrid) nicht schlecht aufgestellt ist. Gerade für ihn wird es ein wichtiges Turnier, um den Hype um seine Person zu rechtfertigen. Das Selbstvertrauen besitzt er:

Ich war der beste Rookie bei der WM 2014. Ich hoffe, dass ich diesmal der beste Spieler sein werde. (Paul Pogba)

In den jüngsten Testspielen zeigte sich auch die Defensive gefestigter. Das war bei der 2:3-Niederlage im März gegen Kolumbien noch nicht der Fall. Insgesamt bleibt anderen Teams nur zu hoffen, dass die fehlende Konstanz der Mannschaft auch im Turnier zum Vorschein kommt.

Trainer:
Didier Deschamps

Tor:
Hugo Lloris (Tottenham Hotspur)
Steve Mandanda (Olympique Marseille)
Alphonse Areola (Paris Saint-Germain)

Abwehr:
Adil Rami (FC Sevilla)
Samuel Umtiti (FC Barcelona)
Benjamin Pavard (VfB Stuttgart)
Presnel Kimpembe (Paris Saint-Germain)
Raphael Varane (Real Madrid)
Lucas Hernandez (Atletico Madrid)
Benjamin Mendy (Manchester City)
Djibril Sidibe (AS Monaco)

Mittelfeld:
Paul Pogba (Juventus Turin)
Corentin Tolisso (FC Bayern München)
Blaise Matuidi (Paris Saint-Germain)
N’Golo Kante (Leicester City)
Steven Nzonzi (FC Sevilla)

Angriff:
Antoine Griezmann (Atlético Madrid)
Thomas Lemar (AS Monaco)
Kylian Mbappe (Paris Saint-Germain)
Ousmane Dembele (FC Barcelona)
Nabil Fekir (Olympique Lyon)
Florian Thauvin (Olympique Marseille)
Olivier Giroud (FC Arsenal)

Dänemark

Zuerst die schlechte Nachricht: Der Lord wird nicht zur WM nach Russland fahren. Dabei hat Nicklas Bendtner sportlich weiterhin alles, was es mitbringt. Und auch leistungstechnisch stimmte es – in der vergangenen Saison schoss er Rosenborg BK mit 19 Treffern in der Liga zur Meisterschaft. Doch kurz vor der WM verletzte er sich und verpasst nun die WM.

Die gute Nachricht: Dänemarks Mannschaft hat auch ohne Bendtner einen Kader zusammengekriegt, der sich sehen lassen kann. In der Abwehr rund um Chelseas Christensen stabil, zieht im Mittelfeld Tottenhams Christian Eriksen die Fäden, der in der Premier League auf zehn Treffer und elf Assists kam. Dortmund-Fans werden hierwohl eher 20-Millionen-Neuzugang Thomas Delaney im Fokus haben. Im Sturm wird es spannend zu beobachten, wie sich Jungstar Kasper Dollberg (20) schlägt. Einer starken Saison bei Ajax Amsterdam, wo er mit 19 Jahren 16 Treffer und sechs Assists hinlegte, folgte eine ernüchternde Spielzeit mit sechs Toren und keinem Assist. Nicht in den Kader geschafft hat es der ehemalige Bayern- und Schalkespieler Pierre-Emil Hojbjerg (22), inzwischen beim FC Southampton. Schon in der Qualifikation hatte das einst gepriesene Talent keine große Rolle gespielt.

Die WM-Qualifikation verlief holprig für Dänemark. In der Gruppe blieb man deutlich hinter Polen und musste in zwei Playoff-Partien gegen Irland. Nach einem trockenen 0:0 zuhause gabs auswärts ein deutliches 5:1. Dreifacher Torschütze: Christian Eriksen. Entscheidend wird für Dänemark bei der WM direkt das Auftakspiel gegen Peru. Mit amerikanischen Teams hat man in jüngster Zeit gute Erfahrungen gemacht, gewann erst letzte Woche mit 2:0 gegen Mexiko, schlug auch Panama (1:0) und spielte Remis gegen Chile (0:0). Die stabile Defensive wird die Trumpfkarte von Dänemark – und vielleicht kommt Dollberg ja noch in Form.

Trainer:
Åge Hareide

Tor:
Jonas Lössl (Huddersfield Town)
Frederik Rönnow (Bröndby IF),
Kasper Schmeichel (Leicester City)

Abwehr:
Andreas Christensen (FC Chelsea)
Henrik Dalsgaard (FC Brentford)
Mathias Jörgensen (Huddersfield Town)
Simon Kjaer (FC Sevilla)
Jonas Knudsen (Ipswich Town)
Jens Stryger Larsen (Udinese Calcio)
Jannik Vestergaard (Borussia Mönchengladbach)

Mittelfeld:
Thomas Delaney (Werder Bremen)
Christian Eriksen (Tottenham Hotspur)
Michael Krohn-Dehli (Deportivo La Coruna)
William Kvist (FC Kopenhagen)
Lukas Lerager (Girondins Bordeaux)
Lasse Schöne (Ajax Amsterdam)

Angriff:
Martin Braithwaite (Girondins Bordeaux)
Andreas Cornelius (Atalanta Bergamo)
Kasper Dolberg (Ajax Amsterdam)
Viktor Fischer (FC Kopenhagen)
Nicolai Jörgensen (Feyenoord Rotterdam)
Yussuf Poulsen (RB Leipzig)
Pione Sisto (Celta Vigo)

Peru

Die WM darf sich auf Peru freuen! Es ist die erste WM-Teilnahme für die Südamerikaner seit 1982! Und das ganze Land atmet auf: Kapitän Paolo Guerrero darf nun auch dabei sein. Nachdem der ehemalige Bundesligaprofi positiv auf Kokain getestet worden war, begann ein Hin und Her darüber, ob er bei der WM, dem Karrierehighlight für den inzwischen 34-jährigen, nicht doch dabei sein kann. Sogar die Kapitäne der Gruppengegner baten um Gnade für den Hitzkopf. Und auch wenn bis jetzt vor allem für Guerrero selbst völlig unklar ist, wer ihm Kokain ins Getränk gemischt haben soll, wird die Strafe für die WM ausgesetzt. Hier nochmal der eindruckvollste Treffer von Paolo Guerrero:

Einem anderen Peruaner wurde der Wunsch nicht erfüllt: Peru fährt ohne Claudio Pizarro zur WM. In der Bundesliga ein Kultspieler, hat der 39-jährige seit jeher einen schwereren Stand in seiner Heimat. Dennoch dürften letztendlich auch die sportlichen Argumente gefehlt haben, um den 85-maligen Nationalspieler mitzunehmen. Dass Peru dabei ist, verdanken sie auch dem schlechten Abschneiden von Chile, die man in der Südamerika-Qualifikation nur dank des besseren Torverhältnisses hinter sich ließ. Pikant: Eine 0:2-Niederlage von Peru gegen Bolivien wurde am grünen Tisch in einen 3:0-Sieg umgewandelt wegen eines nicht spielberechtigten Spielers beim Gegner. Auch Chile bekam nachträglich drei Punkte – hatten aber zuvor Unentschieden gegen Bolivien gespielt. Die entscheidenden Punkte.

Peru musste dennoch nachsitzen und qualifizierte sich nach einem müden 0:0 durch ein 2:0 im Rückspiel gegen Neuseeland. Das wirkt alles nicht berauschend. Viel liegt offensiv auf den Schultern von Guerrero (34) und dem wiedererstarkten Jefferson Farfan (33). Gegen die grundsoliden Dänen müsste für Peru aber vieles stimmen, um sich durchzusetzen.

Trainer:
Ricardo Gareca

Tor:
Pedro Gallese (CD Veracruz)
Jose Carvallo (Universitario de Deportes)
Carlos Caceda (Deportivo Municipal)

Verteidigung:
Luis Advincula (Lobos BUAP)
Miguel Araujo (Alianza Lima)
Aldo Corzo (Universitario de Deportes)
Nilson Loyola (FBC Melgar)
Christian Ramos (CD Veracruz)
Alberto Rodriguez (Junior de Barranquilla)
Anderson Santamaria (Puebla FC)
Miguel Trauco (CR Flamengo)

Mittelfeld:
Pedro Aquino (Lobos BUAP)
Wilmer Cartagena (CD Veracruz)
Christian Cueva (Sao Paulo FC)
Edison Flores (Aalborg BK)
Paolo Hurtado (Vitoria Guimaraes)
Andy Polo (Portland Timbers)
Renato Tapia (Feyenoord Rotterdam)
Yoshimar Yotun (Orlando City)

Angriff:
Andre Carrillo (FC Watford)
Raul Ruidiaz (Monarcas Morelia)
Jefferson Farfan (Lokomotive Moskau)
Paolo Guerrero (Flamengo Rio de Janeiro)

Australien

Was haben Tim Cahill und Cristiano Ronaldo gemeinsam? Beide können sich zum vierten Mal bei einer WM als Torschützen eintragen. Gerne erinnert man sich noch an seine Bude von vor vier Jahren:

Inzwischen ist Tim Cahill 38 Jahre alt – aber immer noch dabei. Dass die Australier nach Russland fahren, war lange Zeit nicht klar. In der Qualifikationsgruppe landete man lediglich hinter Japan und Saudi-Arabien, was einen in die Relegation gegen Syrien und anschließend Honduras zwang. Souverän geht anders. Australiens Nationaltrainer Ante Postecoglou trat überraschend zurück und sorgte dafür, dass Bert van Marwijk doch noch zur WM fahren darf. Er hatte sich vorher mit Saudi-Arabien qualifiziert – aufgrund besserer Tordifferenz vor Australien. Hach, manchmal kriegt man einen schönen Bogen hin. Es wird jedoch keine lange Liaison, sein Abgang nach dem Turnier steht bereits fest.

Australien nimmt die gewohnte Außenseiterrolle ein. Diesmal jedoch vielleicht stärker denn je. Denn mit 51 Toren stellt man zwar die gefährlichste Offensive der WM-Qualifikation überhaupt. Das lag jedoch auch an den absurd vielen Spielen, die man bestritt (22). Gegen Tschechien gelang Anfang Juni ein beeindruckendes 4:0. Doch wenn es um den Einzug ins Achtelfinale geht, dürften andere Teams die Nase vorn haben.

Trainer:
Bert van Marwijk (Niederlande)

Tor:
Brad Jones (Feyenoord Rotterdam)
Mathew Ryan (Brighton & Hove Albion)
Daniel Vukovic (KRC Genk)

Abwehr:
Aziz Behich (Bursaspor)
Milos Degenek (Yokohama Marinos)
Matthew Jurman (Suwon Bluewings)
James Meredith (FC Millwall)
Josh Risdon (Western Sydney Wanderers)
Trent Sainsbury (Grasshopper Zürich)

Mittelfeld:
Jackson Irvine (Hull City)
Mile Jedinak (Aston Villa)
Robbie Kruse (VfL Bochum)
Massimo Luongo (Queens Park Rangers)
Mark Milligan (Al Ahli)
Aaron Mooy (Huddersfield Town)
Tom Rogic (Celtic Glasgow)

Angriff:
Daniel Arzani (Melbourne City)
Tim Cahill (FC Millwall)
Tomi Juric (FC Luzern)
Mathew Leckie (Hertha BSC)
Jamie Maclaren (Hibernian Edinburgh)
Andrew Nabbout (Urawa Red Diamonds)
Dimitri Petratos (Newcastle Jets)

Prognose:

Wie gut Frankreich wirklich ist, lässt sich nicht vorhersagen. Alles andere als der Gruppensieg wäre in dieser machbaren Konstellation jedoch eine Blamage. Dahinter streiten sich Peru und Dänemark um den zweiten Rang. Eine Vorentscheidung gibts deshalb bereits durch den ersten Spieltag, wo beide aufeinandertreffen. Dänemark besitzt jedoch die größere Stabilität und mit Christian Eriksen vielleicht den entscheidenden Mann, um aufzutrumpfen.

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WM 2018 – Gruppe B: Die weltbeste Abwehr und der iranische Messi

Spanien

Bis heute war Spanien klarer Titelfavorit. Doch in den letzten zwei Tagen ist viel passiert. Nationaltrainer Lopetegui, der die Spanier fast ohne Makel zur WM geführt hat, unterschrieb bei Real Madrid und wurde bei Spanien am Mittwoch rausgeschmissen. Zwei Tage vor dem ersten Spiel gegen Portugal. Was das mit der Mannschaft macht, wie es die Chancen auf den WM-Sieg mindert, man weiß es nicht. Eine gute Vorbereitung sieht aber sicher anders aus.

Nach den drei Turniersiegen in Folge (EM 2008, WM 2010, EM 2012) gab es für Spanien kleinen Knick, resultierend in dem Turnieraus in der Gruppenphase der WM 2014 und dem frühen Achtelfinal-Aus bei der EM 2016 gegen Italien. In der Qualifikation für die WM rächte sich Spanien an den Italienern, die in dieselbe Gruppe gelost wurden. Spanien wurde mit neun Siegen bei einem Remis souverän Gruppenerster und zwang den Konkurrenten in die Relegation. Ergebnis: Italien nimmt nicht an der WM teil.

Zehn Spieler des Kaders kommen erwartbarerweise von Real Madrid und dem FC Barcelona. Auch die Nichtberücksichtigung von Javi Martinez (29) ist ein Klassiker. Darüber hinaus verzichtet Spanien aber auch auf Kaliber wie Manchesters Juan Mata (30) sowie auf Chelseas Cesc Fabregas (31) und Alvaro Morata (25), mit elf Saisontreffern in der Premier League mit einer Durchschnittssaison. Das führt jedoch dazu, das Spanien als Sturmtank wieder auf Diego Costa baut, wo er seit seiner Rückkehr zu Atletico Madrid ganze drei Tore in der Rückrunde geschossen hat. Sandro Wagner hat ja acht gemacht. Just Sayin‘.

Andres Iniesta wird sein letztes Turnier für Spanien bestreiten, daneben könnte Bayerns Thiago endlich auch mal vermehrt Akzente im Spiel setzen und sich für einen möglichen Wechsel in Position spielen. Spannend könnte Marco Asensio werden. Der Shootingstar von Real Madrid steht bei seinem Verein oft noch in entscheidenden Spielen in zweiter Reihe. Sein Potenzial ist unbestritten. Jüngst hatte Javi Martinez betont, Asensio könne seiner Meinung nach bereits nächste Saison zu einem der besten, wenn nicht dem weltbesten Spieler werden. Mal sehen. Randnotiz: Ebenfalls im Kader fehlt auch Marcos Alonso. Schon dessen Vater (Marcos Alonso Pena) und sein Großvater (Marquitos) waren spanische Nationalspieler. Zu einer WM fuhr keiner von ihnen

Die Testspiele waren wie die der deutschen Nationalelf wenig berauschend, auf ein 1:1 gegen die Schweiz folgte ein 1:0 gegen Tunesien. Hierzulande dürfte man sich vielmehr an das Kreativfeuerwerk erinnern, dass die Spanier in Halbzeit 1 des Testspiels gegen Deutschland im März abließ. Der Achtelfinaleinzug dürfte diesmal trotz des spontanen Trainerwechsels nicht gefährdet sein, und dort wartet aller Voraussicht nach ein machbarer Gegner aus Gruppe A. Wie weit es aber nach dem Paukenschlag vom Mittwoch wirklich reicht, kann momentan keiner vorhersehen.

Trainer:
Fernando Hierro

Tor:
David de Gea (Manchester United)
Kepa Arrizabalaga (Athletic Bilbao)
Pepe Reina (SSC Neapel)

Abwehr:
Dani Carvajal (Real Madrid)
Sergio Ramos (Real Madrid)
Nacho Fernandez (Real Madrid)
Alvaro Odriozola (Real Sociedad San Sebastian)
Gerard Pique (FC Barcelona)
Jordi Alba (FC Barcelona)
Cesar Azpilicueta (FC Chelsea)
Nacho Monreal (FC Arsenal)

Mittelfeld:
Sergio Busquets (FC Barcelona)
Andres Iniesta (FC Barcelona)
Saul Niguez (Atletico Madrid)
Koke (Atletico Madrid)
Isco (Real Madrid)
Thiago (Bayern München)

Angriff:
David Silva (Manchester City)
Marco Asensio (Real Madrid)
Lucas Vazquez (Real Madrid)
Diego Costa (Atletico Madrid)
Rodrigo Moreno (FC Valencia)
Iago Aspas (Celta Vigo)

Portugal

Der amtierende Europameister ist natürlich auch dabei. Zur Erinnerung: Die Portugiesen gewannen vor zwei Jahren die neu strukturierte EM, indem sie ohne Sieg, aber mit drei Unentschieden als Gruppendritter ins Achtelfinale einzogen, dort Kroatien in der Verlängerung besiegten, Polen im Elfmeterschießen bezwingen konnten und anschließend auch Wales schlugen, um im Finale vom verletzten Cristiano Ronaldo zum Sieg gecoacht zu werden.

Die Gegner auf dem Weg zum WM-Triumph dürften andere sein, und ein erneuter dritter Platz bedeutet hier immer noch das Aus. Vom Namen her scheint es in der Gruppe nur um Spanien und Portugal zu gehen, doch die Portugiesen sollten gewappnet sein. Gerade Marokko wird ihnen den Achtelfinalplatz nicht schenken. Für Cristiano Ronaldo könnte es mit 33 Jahren seine letzte WM sein, wenn er seinen Körper nicht doch weitere vier Jahre mantra-artig durch seine Cryo-Kammer jagt.

Neben CR7 hat Trainer Fernando Santos einiges an bekanntem Spielermaterial dabei, von Fairness-Instanz Pepe bis hin zum hoch veranlagten William Carvalho, 2015 bei der U21-Europameisterschaft „Spieler des Turniers“ und auch bei der EM2016 schon beständiger Teil der ersten Elf, der jedoch weiterhin sein sportliches Dasein in der heimischen Liga bei Sporting Lissabon fristet, hat jedoch wie seine Nationalmannschaftskollegen Gelson Martins und Bruno Fernandes kürzlich erst nach Fan-Attacken seine Kündigung eingereicht. Ein guter Zeitpunkt, um bei einem Turnier positiv aufzufallen.

Im Aufgebot sind mit Spielern wie Ricardo Quaresma (34), Pepe (35) und Bruno Alves (36) auch Akteure, die ihre stärksten Jahre schon länger hinter sich gelassen haben. Mit neuen Impulsen durch Figuren wie ManCitys Bernardo Silva gibt es aber nicht nur Altware. Im Endeffekt hängt für Portugal wohl mal wieder vieles von Cristiano Ronaldo ab, doch Portugal dürfte nicht gerade große Chancen auf eine erneute große Überraschung besitzen.

Trainer:
Fernando Santos

Tor:
Anthony Lopes (Olympique Lyon)
Beto (Göztepe Izmir)
Rui Patricio (Sporting Lissabon)

Abwehr:
Bruno Alves (Glasgow Rangers)
Cedric Soares (FC Southampton)
Jose Fonte (Dalian Yifang)
Mario Rui (SSC Neapel)
Pepe (Besiktas Istanbul)
Raphael Guerreiro (Borussia Dortmund)
Ricardo Pereira (FC Porto)
Ruben Dias (Benfica Lissabon)

Mittelfeld:
Adrien Silva (Leicester City)
Bruno Fernandes (Sporting Lissabon)
Joao Mario (West Ham United)
Joao Moutinho (AS Monaco)
Manuel Fernandes (Lokomotive Moskau)
William Carvalho (Sporting Lissabon)
Bernardo Silva (Manchester City)

Angriff:
Andre Silva (AC Mailand)
Cristiano Ronaldo (Real Madrid)
Gelson Martins (Sporting Lissabon)
Goncalo Guedes (FC Valencia)
Ricardo Quaresma (Besiktas Istanbul)

Marokko

Kleiner Fun Fact zum Start: Marokko hat die wohl beste Defensive der Welt. Zumindest, wenn man nach den Zahlen aus der WM-Qualifikation geht. Da setzte sich Marokko ohne ein einziges Gegentor durch! Zur Wahrheit gehört aber auch: Es waren insgesamt nur acht Partien, und in dreien davon trennte man sich 0:0 (je einmal gegen Gabun, Mali und die Elfenbeinküste).

Dennoch: Die Abwehrkette um Ex-Bayern-Spieler Medhi Benatia steht, auch wenn es in den Testspielen (2:1 gegen Slowakei, 3:1 gegen Estland, 0:0 gegen die Ukraine) auch mal Gegentreffer setzte. Die Gruppengegner bei der WM dürften offensiv nochmal eine ganz andere Aufgabe darstellen.

Auffällig ist generell die hohe Verteilung der marokkanischen Spieler in europäischen Ligen, wo sich aber die Mehrzahl eher in der türkischen, holländischen oder belgischen Liga rumschlägt. Das macht Schalkes Shootingstar Amine Harit schon zu einem der Leistungsträger der Mannschaft. Unter Trainer Hervé Renard wird es in dieser Gruppe vor allem darum gehen, das Bollwerk aufrecht zu erhalten und Nadelstiche zu setzen. Dafür muss die erste Partie gegen den Iran direkt gewonnen werden, um sich Chancen aufs Achtelfinale zu erhalten.

Der französische Trainer Renard kennt sich im afrikanischen Fußball aus. Mit Sambia gewann er 2012 den Afrika-Cup und wiederholte das Kunststück drei Jahre später mit der Elfenbeinküste. Marokko führte er nun zur ersten WM-Teilnahme seit 1998. Außenseiter? Ja. Aber wenn Portugal sich in der Form der Gruppenphase der EM 2016 befindet, dürfte Marokko sogar eine kleine Chance besitzen, für eine Überraschung zu sorgen.

Trainer:
Hervé Renard

Torhüter:
Mounir El Kajoui (Numancia)
Yassine Bounou (Girona)
Ahmad Reda Tagnaouti (Ittihad Tanger)

Abwehr:
Mehdi Benatia (Juventus Turin)
Romain Saiss (Wolverhampton Wanderers)
Manuel Da Costa (Basaksehir)
Nabil Dirar (Fenerbahce Istanbul)
Achraf Hakimi (Real Madrid)
Hamza Mendyl (Lille)

Mittelfeld:
M’bark Boussoufa (Al Jazira)
Karim El Ahmadi (Feyenoord Rotterdam)
Sofyan Amrabat (Feyenoord Rotterdam)
Youssef Ait Bennasser (Caen)
Younes Belhanda (Galatasaray Istanbul)
Faycal Fajr (FC Getafe)
Amine Harit (FC Schalke 04, Deutschland)

Sturm:
Khalid Boutaib (Malatyaspor)
Aziz Bouhaddouz (St. Pauli, Deutschland)
Ayoub El Kaabi (Renaissance Berkane)
Nordin Amrabat (Leganes, Spanien)
Mehdi Carcela (Standard de Liege)
Hakim Ziyech (Ajax Amsterdam)
Youssef En-Nesyri (FC Malaga)

Iran

Während Iran in der asiatischen WM-Qualifikation in der zweiten Runde mit Teams wie dem Oman, Turkmenistan, Guam und Indien noch keine Probleme hatte, tat man sich schon mit Südkorea, Syrien und China schwerer. Dabei muss man betonen: Von allen 18 Qualifikationsspielen hat der Iran kein einziges verloren. Aber in den letzten zehn Spielen eben auch nur noch zehn Tore erzielt. Insbesondere im Hinblick auf Auftaktgegner Marokko bleibt fraglich, wie man das Abwehrbollwerk überwinden will, ganz zu schweigen von der spanischen Verteidigung um Sergio Ramos, der wahrscheinlich derzeit noch eifrig recherchiert, welcher Gegenspieler sich für etwaige Judogriffe eignet.

Die Zeiten, in denen die Bundesliga mit iranischen Spielern en masse aufwartete, sind vorbei. Keine Medhi Madhavkias oder Vahid Hashemians helfen, die Qualität der Mannschaft einzuordnen. Am Bekanntesten ist hierzulande der Name Ashkan Dejagah. Der Ex-Herthaner und -Wolfsburger gurkt inzwischen mit Nottingham Forest in der zweiten englischen Liga herum. Als Kapitän in der Qualifikation ist er absoluter Hoffnungsträger der Mannschaft, doch zum Zeitpunkt der Kadernominierung hatte er seit einer Knie-OP im Februar nicht mehr auf dem Platz gestanden. Fitnesslevel: Unbekannt. Ansonsten präsentiert der Iran mit Sardar Azmoun von Rubin Kasan den „iranischen Messi“. Cristiano Ronaldo darf sich freuen und hätte sicher auch kein Problem mit Duellen gegen den deutschen Messi (Marko Marin), den türkischen Messi (Emre Mor) oder dem kroatischen Messi (Alen Halilovic). Hier die offizielle inoffizielle Liste.

Die Lebensrealität der anderen Spieler Irans heißt oft Griechenland, Holland – oder eben die heimische Liga in Iran. Es ist die fünfte WM-Qualifikation für das Land, das seit 2011 bereits auf den Portugiesen Carlos Quieroz als Nationaltrainer setzt und somit mehr Konstanz auf diesem Posten hat als viele andere Mannschaften. Ob die Erfahrung aus der vergangenen WM hilft, als man in der Gruppe relativ sang- und klanglos in der Vorrunde ausschied? Unwahrscheinlich. Das Auftaktspiel gegen Marokko dürfte bereits das Ende jeglicher Träume darstellen.

Trainer:
Carlos Quieroz

Tor:
Alireza Beiranvand (Persepolis)
Rashid Mazaheri (Zob Ahan)
Amir Abedzadeh (Maritimo Funchal)

Abwehr:
Ramin Rezaeian (KV Ostende)
Mohammad Reza Khanzadeh (Padideh)
Morteza Pouraliganji (Al-Saad)
Pejman Montazeri (Esteghlal)
Seyed Majid Hosseini (Esteghlal)
Milad Mohammadi (Achmat Grosny)

Mittelfeld:
Saeid Ezatolahi (Amkar Perm)
Massoud Shojaei (AEK Athen)
Mehdi Torabi (Saipa)
Ashkan Dejagah (Nottingham Forest)
Omid Ebrahimi (Esteghlal)
Ehsan Hajsafi (Olympiakos Piräus)
Ali Gholizadeh (Saipa)
Vahid Amiri (Persepolis)

Angriff:
Alireza Jahanbakhsh (AZ Alkmaar)
Karim Ansarifard (Olympiakos Piräus)
Mahdi Taremi (Al-Gharafa)
Sardar Azmoun (Rubin Kasan)
Reza Ghoochannejhad (SC Heerenveen)
Ahmad Abdolahzadeh (Foolad)
Saman Ghoddos (Österdund)

Kurz-Prognose:

Spanien war eigentlich klarer Titel-Mitfavorit, aber nach dem spontanen Trainerwechsel zwei Tage vor dem ersten Spiel weiß noch keiner, wie die Mannschaft reagieren wird . Portugal könnte das im ersten Spiel nutzen. An sich müsen die alternden Portugiesen jedoch aufpassen, nicht zu nachlässig gerade gegen Marokko zu agieren, die überraschen könnten. Doch Cristiano Ronaldo könnte einmal mehr zum ausschlaggebenden Argument werden. Die krasse Außenseiterrolle wird vom Iran eingenommen.

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WM 2018 – Gruppe A: Salah, Saudis, Suarez – und Russland

Die Gruppe A, bestehend aus Russland, Saudi-Arabien, Ägypten und Uruguay

Russland

Jetzt ist sie da – die WM in Russland, die den Russen die vierte WM-Teilnahme beschert. Vor vier Jahren gelang sogar die sportliche Qualifikation, in der Gruppenphase scheiterte man in Brasilien aber in einer eigentlich machbaren Gruppe mit Belgien, Algerien und Südkorea mit zwei Punkten. Die Algerier konnten nach einem derartigen Egoboost nur noch von Manuel Neuer gestoppt werden. Für die Russen begann die Zeit, sich ein WM-Team aufzubauen.

Zwischendrin gab es für deutsche Fans Sean-Dundee-Flashbacks, als die Russen anfingen, Spieler wie Konstantin Rausch und Roman Neustädter einzubürgern. Beide spielten sich jedoch abseits des Platzes schnell erfolgreich in den Hintergrund – und dürfen die WM auf der Couch verfolgen. Rausch verletzte sich kurz vor der Benennung des endgültigen Kaders. Dort stehen hauptsächlich Spieler aus der russischen Liga, der Premjer-Liga. Trainer Stanislaw Tschertschessow (2001/02 übrigens Spieler unter Joachim Löw in Innsbruck) steht dort nach wie vor ein überschaubares Talentebecken zur Verfügung.

In der russischen Liga ist seit 14 Jahren erstmals wieder Lokomotive Moskau Meister geworden. Im Kader dominieren dennoch Spieler von ZSKA (5) und Spartak (3). Lediglich die Mirantschuk-Zwillinge haben es vom Meister geschafft. Die beiden sind mit 22 Jahren schon so etwas wie die russische Hoffnung in der Zukunft  Neben dem vielseitigen Alexander Golovin (22) natürlich, der angeblich im Fokus von Klubs wie Manchester United steht.

Die WM-Vorbereitung mit „holprig“ zu umschreiben wäre geschönt: Seit Oktober wartet man auf einen Sieg, zuletzt gab es ein 1:1 gegen die Türkei und eine Niederlage gegen Österreich. Aber gegen die verliert ja momentan nicht nur Russland. Im Confed-Cup letztes Jahr scheiterte man in der Gruppe an Mexiko und Portugal, und auch dieses Mal ist es nur der vermeintlich leichten Auslosung zu verdanken, dass viele Russland im Achtelfinale sehen. Sollte Mo Salah bei Ägypten rechtzeitig fit werden und Saudi-Arabien seine überraschende Konterstärke aus den Testspielen behalten, könnte es selbst dafür knapp werden. Ein Sieg im Eröffnungsspiel gegen Saudi-Arabien könnte natürlich helfen, das Heimteam durch die WM zu tragen.

Trainer:
Stanislaw Tschertschessow

Tor:
Igor Akinfeev (ZSKA Moskau)
Vladimir Gabulov  (FC Brügge)
Andrei Lunev (Zenit St. Petersburg)

Abwehr:
Vladimir Granat (Rubin Kasan)
Fyodor Kudryashov (Rubin Kasan)
Ilja Kutepov (Spartak Moskau)
Andrej Semenow (Achmat Grosny)
Igor Smolnikow (Zenit St. Petersburg)
Mario Fernandes (ZSKA Moskau)
Sergei Ignashevich (ZSKA Moskau)

Mittelfeld:
Juri Gazinskiy (FK Krasnodar),
Alexander Golovin (ZSKA Moskau)
Alan Dzagoev (ZSKA Moskau)
Alexander Jerochin (Zenit St. Petersburg)
Juri Schirkow (Zenit St. Petersburg)
Daler Kuzjajew (Zenit St. Petersburg)
Roman Zobnin (Spartak Moskau)
Alexander Samedov (Spartak Moskau)
Anton Mirantschuk (Lokomotive Moskau)
Denis Cheryshev (FC Villarreal)

Angriff:
Artyom Dzyuba (Arsenal Tula)
Aleksei Mirantschuk (Lokomotive Moskau)
Fjodor Smolov (FK Krasnodar)

Saudi-Arabien

Bei Saudi-Arabien denken viele Fans nach wie vor an das legendäre 0:8 gegen Deutschland bei der WM 2002. Doch das man die Truppe nicht komplett unterschätzen sollte zeigte nicht zuerst das Testspiel gegen Deutschland am vergangenen Freitag (1:2). Auch gegen Italien unterlag man nur knapp (1:2) und holte zuvor 2:0-Erfolge gegen Algerien und Griechenland. Reicht es vielleicht sogar für eine Überraschung in der Gruppe?

Die Qualifikation meisterte man souverän noch vor Australien, hinter Japan auf Rang 2. Verantwortlich dafür war Trainer Bert van Marwijk, doch da man sich danach nicht auf einen Vertrag einigen konnte, geht die Mannschaft jetzt mit Trainer Pizzi ins Turnier. Im Vorfeld der WM hatte man im Winter einen Deal mit dem spanischen Verband abgeschlossen, der neun Saudis ein kurzfristiges Engagement innerhalb der ersten zwei spanischen Ligen ermöglichte. Gebracht hat es keinem wirklich etwas, und auch im endgültigen Kader der Nationalelf finden sich kaum welche von den Spielern, die ein halbes Jahr Bank und Tribüne in Spanien hinter sich haben.

Die Mannschaft dürfte vor allem auf Torjäger Al-Sahlawi setzen, mit 16 Toren in 13 Qualifikationsspielen wichtigster Offensivmann der Saudis, wobei derartige Zahlen ein bisschen an Glanz verlieren, wenn man sieht, das allein acht Tore aus zwei Spielen gegen Osttimor stammen  (7:0 und 10:0). Die Testspielergebnisse und das forsche Auftreten der Mannschaft bei Kontern lassen aufhorchen. Gelingt eine Überraschung im Eröffungsspiel, dürfte sich die Mannschaft in Russland direkt unbeliebt machen, aber sogar Chancen auf das Achtelfinale besitzen. Realistisch gesehen aber klarer Außenseiter der Gruppe.

Trainer:
Juan Antonio Pizzi (Argentinier)

Tor:
Mohammed Al-Owais (Al-Ahli Dschidda)
Yasser Al-Mosailem ( Al-Ahli Dschidda)
Abdullah Al-Mayouf (Al-Hilal Riad)

Abwehr:
Mansour Al-Harbi (Al-Ahli)
Motaz Hawsawi (Al-Ahli)
Yasir Al-Shahrani (Al-Hilal)
Mohammed Al-Burayk (Al-Hilal)
Osama Hawsawi (Al-Hilal)
Ali Al-Bulaihi (Al-Hilal)
Omar Hawsawi (Al-Nasr)

Mittelfeld:
Abdullah Al-Khaibari (Al-Hilal)
Salman Al-Faraj (Al-Hilal)
Mohamed Kanu (Al-Hilal)
Abdullah Otayf (Al-Hilal)
Taisir Al-Jassim (Al-Ahli)
Hussein Al Moghaw (Al-Ahli)
Abdulmalek Al-Khaibri (Al-Shabab)
Hattan Bahebri (Al-Shabab)
Salem Al-Dawsari (Villarreal)

Angriff:
Fahad Al-Muwallad (Levante)
Mohammad Al-Sahlawi (Al-Nasr)
Muhannad Assiri (Al-Ahli)

Ägypten

Wird er rechtzeitig fit? Alles dreht sich bei Ägypten dieser Tage nur um Superstar Mohammed Salah. Nachdem er im Champions League Finale von Sergio Ramos übel aus dem Spiel genommen wurde, scheint ein Einsatz bei der WM ein Wettrennen gegen die Zeit zu sein. Sie hätten ihn aber wahrscheinlich auch als Maskottchen mitgenommen. Nach 1934 und 1990 nimmt die Pharaonentruppe zum dritten Mal an einer WM teil. Ohne Salah wäre es wohl nicht dazu gekommen.

Wobei mittlerweile allein sieben Spieler aus dem Kader  derzeit in England ihr Geld verdienen. Das klingt gut. Doch auch der zweite Star neben Salah, Arsenal Londons Elneny, ist nach langer Verletzung noch nicht wieder ganz auf der Höhe seines Schaffens angekommen. Die letzten Testspiele ohne Salah liefen durchwachsen, einem Achtungserfolg gegen Kolumbien (0:0) folgten die klaren Grenzen gegen Belgien (0:3). Im vergangenen Jahr schaffte man es im Afrika-Cup zwar bis ins Finale, unterlag dort jedoch Kamerun. Die Qualifikationsgruppe zu dieser WM gewannen die Ägypter, doch auf dem Weg dahin gab es auch immer mal Niederlagen gegen Nationen wie Uganda und Tschad.

Im ersten Spiel gegen Uruguay dürfte für die Ägypter wenig gehen. Gegen die Heimtruppe aus Russland und Saudi-Arabien könnte Ägypten etwas reißen. Erst recht mit einem fitten Mo Salah, der dann im Achtelfinale auf Spanien und Sergio Ramos treffen könnte.

Trainer:
Héctor Cúper (Argentinier)

Tor:
Essam El-Hadary (Al Taawoun)
Mohamed El-Shennawy (Al Ahly)
Sherif Ekramy (Al Ahly)

Abwehr:
Ahmed Fathi (Al Ahly)
Saad Samir (Al Ahly)
Ayman Ashraf (Al Ahly)
Mahmoud Hamdy (Zamalek)
Mohamed Abdel-Shafy (Al Fath)
Ahmed Hegazi (West Brom)
Ali Gabr (West Brom)
Ahmed Elmohamady (Aston Villa)
Omar Gaber (LA Galaxy)

Mittelfeld:
Tarek Hamed (Zamalek)
Shikabala (Al Raed)
Abdallah Said (KuPS)
Sam Morsy (Wigan Athletic)
Mohamed Elneny (Arsenal London)
Ramadan Sobhi (Stoke City)
Mahmoud „Trezeguet“ Hassan (Kasimpasa)
Amr Warda (Atromitos)
Kahraba (Ittihad FC)

Angriff:
Marwan Mohsen (Al Ahly)
Mohamed Salah (Liverpool)

 

Uruguay

Wilde Vermutung: In Uruguay ist man nicht unzufrieden mit der Auslosung der Gruppenphase. Doch die Himmelblauen dürften so oder so mit Selbstbewusstsein zum Turnier reisen. In der schwierigen Südamerika-Qualifikation setzte man sich noch vor Argentinien und Kolumbien auf Platz 2 durch.

Auch wenn der gute alte Diego Forlan nicht mehr mit dabei ist – mit Luis Suarez und Edinson Cavani verfügt man über zwei Angreifer, die ihren Spaß mit den Abwehrreihen von Ägypten, Saudi-Arabien und Russland haben dürften, und die Verteidigung um Abwehrchef Diego Godin muss erstmal geknackt werden. Insbesondere die physische Spielweise von Uruguay dürfte Saudi-Arabien und Ägypten schwer bekömmlich sein.

2014 schaffte es Uruguay in der absolut absurden Gruppe mit Italien und England ins Achtelfinale – hinter Costa Rica. Genau. Falls ihr das vergessen habt. Entscheidend war ein 1:0-Sieg im letzten Gruppenspiel gegen Italien, ind em Luis Suarez einen eigenen Bite-of-Fame-Abdruck auf Chiellinis Hals kreierte (man achte auf rechts unten zu Beginn). Ohne den anschließend für neun Spiele gesperrten Beißer gab es ein sang- und klangloses Aus im Achtelfinale gegen Kolumbien. Diesmal dürfte es auch mit weniger Biss fürs Achtelfinale reichen. Mit voller Besetzung dürfte das Viertelfinale zumindest drin sein.

 

Trainer:
Oscar Washington Tabarez

Tor:
Martin Campana (Independiente)
Fernando Muslera (Galatasaray)
Martin Silva (Vasco da Gama)

Abwehr:
Martin Caceres (Lazio Rom)
Sebastian Coates (Sporting Lissabon)
Jose Maria Gimenez (Atletico Madrid)
Diego Godin (Atletico Madrid)
Maximiliano Pereira (FC Porto)
Gaston Silva (Independiente)
Guillermo Valera (Penarol)

Mittelfeld:

Giorgian de Arrascaeta (Cruzeiro)
Rodrigo Bentancur (Juventus Turin)
Diego Laxalt (FC Genua)
Nahitan Nandez (Boca Juniors)
Cristian Rodriguez (Penarol)
Carlos Sanchez (CF Monterrey)
Lucas Torreira (Sampdoria Genua)
Jonathan Urretaviscaya (CF Monterrey)
Matias Vecino (Inter Mailand)

Angriff:
Edinson Cavani (Paris St. Germain)
Maximiliano Gomez (Celta Vigo)
Cristhian Stuani (FC Girona)
Luis Suarez (FC Barcelona)

Prognose:

Alles andere als ein klarer Gruppensieg von Uruguay wäre eine Überraschung. Dahinter wird es eng. Die Ägypter werden abhängig vom Genesungsprozess Salahs sein. Für Russland spricht zu diesem Zeitpunkt fast nur der Heimbonus sowie die Tatsache, dass die Physis gegen Saudi-Arabien und Ägypten zum Pluspunkt werden könnte. Insbesondere die Saudis könnten in dieser Gruppe überraschen, wenn Russland es nicht schafft, den Druck der Heim-WM zum Vorteil zu nutzen. Gewinnt Russland das Eröffnungsspiel, könnte sich dort aber etwas aufbauen. Tipp: Uruguay setzt sich deutlich vor Russland durch – für die im Achtelfinale dann halt gegen Spanien die WM vorbei ist.

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Robert Lewandowski: Lasset ihn fahren

Nachdem Robert Lewandowski Anfang des Jahres seine Berater Maik Barthel und Cezary Kucharski gegen Pinhas Zahavi eintauschte, wurde manchem Bayern-Fan schon mulmig. Selbiger Zahavi gilt schließlich als Mann hinter dem 222 Millionen Euro Deal von Neymar. Ein paar Monate später ist die Situation nun da: Zahavi verkündet, dass Lewandowski weg wolle. Lewandowski verweist auf Nachfrage an seinen Berater, der sei für so etwas zuständig. Was soll er auch selbst dazu wissen, wohin er will.

Die Gerüchteküche spielt derweil verrückt. Als Hauptinteressenten werden der FC Chelsea, Manchester United und – natürlich – Paris St. Germain gehandelt. Von einem Interesse Real Madrids war bereits in den vergangenen Monaten weniger zu lesen gewesen. Das neueste Update von der Süddeutschen Zeitung passt ebenfalls in das Kuriositätenkabinett um Robert L.: Die Aussagen von Zahavi sollen nicht mit ihm abgestimmt, der Wechselwunsch gar nicht so dringend sein.

Pikanter Zeitpunkt nach Ansage von Hoeneß

Bereits früher hatten die Berater von Lewandowski das Kokettieren von Transfers gerne und oft für ihren Spieler übernommen. Dieser zeigte sich beim FC Bayern meist sportlich von einer tadellosen Seite – wenn ihm nicht gerade Mitspieler Tore verwehrten. Ansonsten war er nie ein Spieler großer Emotionen oder Lippenbekenntnisse.

Nun kommt die Aussage des Beraters zu einem pikanten Zeitpunkt. Erst letzte Woche hatte Uli Hoeneß nämlich gewohnt großmundig verkündet, dass der FC Bayern München sich nicht unter Druck setzen lasse. Die erzwungene Wechselwelle beim Konkurrenten aus Dortmund in den vergangenen Jahren (Mkhytarian, Dembele, Aubameyang) soll beim FC Bayern so nicht passieren.

Wir werden der Fußballwelt beweisen, dass der Verein immer noch der Stärkere ist

(Uli Hoeneß)

Doch der Sommer ist lang, das Transferfenster gefühlt noch länger. Was sind die Aussagen wohl im August noch wert?

Wird Robert Lewandowski das Exempel der Bundesliga?

Aus Sicht der Bundesliga ist ein Stürmer wie Robert Lewandowski mit seiner Extraklasse natürlich unersetzbar. Aus Sicht des FC Bayern mag für das eigene Prestige einiges dafür sprechen, ihn mit aller Kraft halten zu wollen – zumal er seinen Vertrag nunmal bis 2021 verlängert hat. Ob man ihn für drei Jahre auf die Tribüne setzt? Das würde sicher vielen Fußballfans gefallen. Es ist und bleibt unwahrscheinlich. Ob er seine Karriere opfern würde, um beleidigt zu schmollen? Vermutlich auch nicht. Er würde sich wieder fangen und Tore schießen. Zumindest ein Jahr könnte das so funktionieren, wie er es auch in Dortmund gemacht hat, bevor er nach München wechselte.

Doch die andere Frage ist: Um welchen Preis will man einen Spieler halten, der sich nicht mit dem Verein identifiziert. Egal, wie viele Tore er schießt. Beim FC Bayern München können sie zuversichtlich sein, dass ein Ersatzstürmer auch von geringerer Qualität eine gute Torquote aufweisen würde. Selbst Sandro Wagner kam als Bankspieler auf acht Rückrundentore. Die Möglichkeit, mit dem Geld aus einem Transfer, der bei drei Jahren Restvertragslaufzeit nicht gerade günstig sein dürfte, das Team für Neucoach Niko Kovac umzubauen, wäre ebenfalls reizvoll – obwohl Hoeneß ursprünglich auch hier angekündigt hatte, keine großen Sprünge machen zu wollen.

Sportlicher Verlust unzweifelhaft

89 Bundesliga-Tore in den letzten drei Spielzeiten – man braucht gar nicht erst so zu tun, als wäre der Verlust Lewandowskis sportlich gesehen kein Risiko. Doch das Selbstbewusstsein, mit dem der FC Bayern sein Vereinsmotto „Mia san Mia“ vor sich herlebt, sollte auch dann gelten, wenn es darum geht, welche Spieler man unter Vertrag hält. Die, die stolz darauf sind. Oder die, die jedes Jahr zuverlässig über Berater mitteilen lassen, dass sie lieber woanders wären.

Der FC Bayern könnte also tatsächlich ein Exempel statuieren – indem er zeigt, dass der Verein stärker ist als die Spieler. Und die, die dauernd mit Wechseln kokettieren, ersetzt.