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Die Brutalität des Wortes: Von Klopp über Tuchel zu Nagelsmann

Der Fußball wird moderner, aber der Sprachgebrauch seiner Protagonisten hat sich eigentlich kaum verändert. Waren letztes Jahr noch alle begeistert von der bei der EM ausführlichst dargelegten Packing-Rate, erinnert man sich dennoch auch noch an die großen Klassiker-Phrasen der Analyse. Das Spiel unter Kontrolle bringen. Sich Chancen erarbeiten. Das Spiel breit machen. Den Ball in den eigenen Reihen laufen lassen.

Nein, eine große Sprachrevolution gab es nicht. Aber Nuancen verändern sich. Hin und wieder werden Sätze eingeführt, die Jahre später das ganze Business benutzt. Seit ein paar Jahren gibt es ein neues Wort, welches sich bru…sagen wir, gewaltsam in den Sprachschatz der Trainergattung gedrängt hat. Angeführt von einem, der in England nichtmal ein neues Wort lernen musste. Jürgen Klopp. Und die Liebe zum Wort „Brutal“.

Brutal schwer, Brutal wichtig, Brutal brutal

Diesen Begriff kannte man bis vor wenigen Jahren nur als Umschreibung für die ganz großen Fouls. Von Blutgrätschen bis hin zu Ellenbogenschlägen umschrieb das Wort ziemlich perfekt die rotwürdigen Aussetzer der Profis, sodass es nicht verwundert hätte, wenn Arturo Vidal sich das Wort noch irgendwo auf seinen Hals tättowiert hätte. Da war nur leider brutal wenig Platz.

Klopp jedoch fand in dem Wort ein Ventil für seine Emotionen und sagte daher schon früh, wenn es „brutal schwer“ für seinen BVB werde (hier nach einem 2:0-Sieg gegen Nürnberg im Jahr 2010). Niederlagen, wie gegen den HSV, habe man sich „brutal selbst eingebrockt“, bei Siegen aber den Gegner gerne mal „brutal bearbeitet“. Im DFB-Pokal müsse man jeden Gegner „brutal ernstnehmen“ – es ging dabei um Saarbrücken – aber nach manchen Niederlagen im Ligawettbewerb wusste selbst Klopp lediglich festzustellen: „Die Bundesliga ist brutal“.

Das Wort fand scheinbar vermehrt Anwendung, wenn man den Gesprächspartner davon überzeugen wollte, wie schwer etwas wirklich wiegt. So stellte Klopp auch im Jahr 2011 fest, dass Jakub Blaszszykowski „brutal wichtig“ für den Verein sei. Von Thomas Tuchel wurde der Pole inzwischen brutal aussortiert, von den Fans aber bei seiner Rückkehr brutal gefeiert.

Brutale Übergabe

Apropos Thomas Tuchel. Von seinem Nachfolger sagte Klopp bereits 2013, dass dieser Ideen „brutal mutig“ umsetze – somit war die Neubesetzung des Trainerpostens beim BVB eigentlich da bereits nur noch Formsache und es dauerte nicht lange, bis nach dessen Inthronisierung Mehmet Scholl als ARD-Experte ankündigte, Tuchel werde auch den BVB „brutal umbauen“.

Tuchel führte sich beim BVB derweil auch sprachlich erfolgreich ein. So stellte er im Bezug auf den DFB-Pokal revolutionär fest, dass die Konstellation (Einer gewinnt, einer verliert, es gibt kein Unentschieden) eine „gewisse Brutalität“ mit sich bringe. Spätestens hier war der Zeitpunkt gekommen, an dem Luiz Gustavo seine Heavy-Metal-Garagenband „Los Brutalos“ aus Protest umbenannte.

Brutale Qualität: Kein Karten-Kriterium

Besonders gerne findet man den Begriff bei der Hervorhebung des eigenen oder gegnerischen Niveaus. Ilkay Gündogan hatte Klopp lange genug zugehört um von der „brutalen Qualität“ seiner Mannschaft zu wissen, und selbst Exil-Spieler wie Eindhovens Verteidiger Daniel Schwab wusste, dass er Robert Lewandowski nicht beschreiben konnte, ohne die Vokabel zu benutzen.

Eine dankbare Tendenz für alle Lokalzeitungen und -trainer dieses Landes. Denn die Schlagzeilen der Verbands- bis Kreisliga schrieben sich plötzlich von alleine und lenkten von der tatsächlich doch oft fehlenden brutalen Qualität einer Liga ab.

Brutale Trittbrettfahrer

Hätte Pep Guardiola die Vokabel ähnlich oft auf seinem Lernzettel gehabt wie die Liste deutscher Superlative, er wäre sicher ein großer Fan der Nutzungsweise gewesen. So obliegt es jedoch dem derzeitigen deutschen Vorzeigetrainer, den Trend weiterzuführen. Denn Hoffenheim-Coach Julian Nagelsmann verkündete nun vor der Partie gegen den BVB, der Druck läge „brutal bei Dortmund“. Man kann den Druck förmlich schreien und toben hören. Immerhin: Nach den Ergebnissen der letzten Wochen ist Dortmund sportlich ein wenig aus der „brutal schweren Phase“ raus, die Holger Stanislawski ihnen Anfang April noch bescheinigte.

Dass die Verwendung jetzt auch über Dortmund hinaus auf den Rest des Landes übergeht, kann eine brutale Tendenz sein, die schlimmes für die nächsten Medienschulungen der Spieler vermuten lässt. Und in Arturos Gesicht bilden sich automatisch zwei neue Tränentattoos von brutaler Qualität.

 

 

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Gladbach vs. Schalke: 6 große deutsch-deutschen Duelle

Gladbach gegen Schalke, Schalke gegen Gladbach. Die Europaleague liefert im Achtelfinale ein Top-Duell. Deutsche Fußballfans sind gespalten. Immerhin ein Viertelfinalist aus Deutschland ist durch diese Paarung zwar garantiert. Aber gerade in diesem Jahr, wo der Dauersieger FC Sevilla lieber mit den großen Kids in der Champions League spielt, wäre ja vielleicht auch was mehr drin gewesen, für den Rest.

Es ist nicht das erste „innerdeutsche“ Duell auf internationaler Bühne. Es gab bereits zahlreiche. Wir schauen auf die ersten, jüngsten, willkürlich gepickten Beispiele.

Das erste Duell: 1. FC Köln – Borussia Mönchengladbach (1972/1973)

Das erste Duell zwischen zwei deutschen Teams war direkt ein Knaller. Das Derby. Köln gegen Gladbach. Am Ende setzte sich die Elf aus Gladbach deutlich durch, nach einem 0:0 im Hinspiel in Köln gab es eine deftige 5:0-Reibe für die Kölner im Rückspiel. Während Jupp Heynckes toretechnisch leer ausging, durfte Berti Vogts mit einem seiner wenigen Tore zum Weiterkommen der Borussia beitragen. Im Finale war aber auch für Gladbach Schluss – gegen den FC Liverpool. Fun Fact: Im selben Jahr trafen sich beide Teams im DFB-Pokal-Finale wieder. Gladbach gewann auch diesmal, dank des Treffers in der Verlängerung von Günter Netzer, der sich zuvor selbst eingewechselt hatte.

Das erste Champions League-Duell: Bayern München vs. Dynamo Dresden (1973/1974)

Ein Jahr später folgte das erste Duell zweier deutscher Teams in der Champions League – der damals noch Europapokal der Landesmeister hieß. Zwischen zwei Teams, die technisch gesehen damals in zwei unterschiedlichen Ländern spielten. BRD gegen DDR, Bayern gegen Dresden. Das Spiel wurde heftig politisiert und mündete in zwei torreiche Partien, in denen der FC Bayern sich knapp durchsetzte (4:3, 3:3).

Bildmaterial aus den Spielen. Hinspiel:

Rückspiel (langer Beitrag für Genießer):

Das erste Finale: Gladbach gegen Frankfurt (1979/1980)

Der UEFA-Cup, oder die Europa League, ist für deutsche Teams seit Jahren nur noch bedingt ein guets Pflaster. Das war mal anders. In der Saison 1979/1980 zum Beispiel. Dass der Sieger des Wettbewerbs aus Deutschland kommen würde, stand da bereits nach dem Viertelfinale fest – sämtliche Halbfinal-Teams waren aus Deutschland. Während der VfB Stuttgart gegen Borussia Mönchengladbach ausschied, konnte die Eintracht aus Frankfurt den FC Bayern München eliminieren. Im Finale – damals noch mit Hin- und Rückspiel, siegte Frankfurt nach einer 3:2-Niederlage in Gladbach zuhause mit 1:0 und holte den Pokal. Der einzige internationale Titel bis heute. Das Tor des Tages im Video:

Die Rache der Bayern: Champions League Viertelfinale, Bayern München – 1. FC Kaiserslautern (1998/99)

Die meisten erinnern sich an die Meisterschaft des 1. FC Kaiserslautern in der Saison 1997/1998. Niemals zuvor – oder danach – gelang es einem Aufsteiger, direkt den Titel zu holen. Was weniger im Gedächtnis blieb ist das deutsche Duell in der darauf folgenden Champions League Saison, als Bayern zur großen Rache auffuhr und im Viertelfinale dem 1. FC Kaiserslautern seine Grenzen aufzeigte – nach einem 2:0 und 4:0 war Endstadion für die Lauterer, während Bayerns Weg bis in ein legendäres und traumatisches Finale gegen Manchester United führen sollte (1:2).

Die legendäre Papierkugel: Hamburger SV – Werder Bremen, UEFA-Pokal Halbfinale (2008/2009)

Am nächsten dran an der Partie Schalke-Gladbach ist rein inhaltlich wohl die Begegnung der beiden Nordvereine vor ein paar Jahren. Mit der Begegnung im Halbfinale stand immerhin von vornherein fest: Ein deutsches Team packt das Finale in Istanbul. Nach einem 1:0-Auswärtssieg für den HSV im Hinspiel schien die Finalteilnahme quasi schon gebucht. Doch Werder Bremen gab sich nicht geschlagen und triumphierte in Hamburg – dem vorentscheidenden 3:1 ging dabei eine unmittelbar danach legendäre Papierkugelszene voraus, die zur Ecke führte. Die Story ist fast berühmter als der Ausgang der Saison. Werder Bremen unterlag im Finale Shaktor Donezk nach Verlängerung mit 1:2.

Das CL-Finale: Borussia Dortmund – Bayern München (2012/2013)

Eigentlich war alles schon geplant. Die Dortmunder erzählten Geschichten davon, wie sie nach zwei Meisterschaften 1995 und 1996 die Champions League ein Jahr darauf gewannen. Diese Story sollte sich wiederholen. Man könnte dem FC Bayern die ganze Saison vermiesen, in diesem einen Spiel. Der FC Bayern wiederum war nach zwei Finalniederlagen 2010 und – unvergessen – 2012 in München angeschlagen. Die Dramaturgie des Sports führte beide Teams in einem ausgeglichenen Spiel bis in die 90. Minute, um eine Entscheidung zu erzwingen. Von einem, der im vergangenen Jahr noch Pfiffe über sich ergehen lassen musste, Mitschuld war an der Niederlage gegen Chelsea. Dem danach alles egal sein konnte. Das bisher einzige Finale in der Champions League zwischen zwei deutschen Teams ließ derweil viele Fans hoffen: Beginnt hier eine Ära? Stand heute kann man sagen: Nein.

Ob sich die Begegnung „Schalke – Gladbach“ hier einfügen wird, wird wohl erst der Ablauf des Rückspiels verraten. Nach dem 1:1 aus dem Hinspiel ist zumindest alles bereitet für einen großen Abend…

 

Alle deutsch-deutschen Duelle in europäischen Wettbewerben gibt es übrigens übersichtlich zusammengefasst bei Trainer Baade:

Alle deutsch-deutschen Duelle in allen Europapokalen

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Julian Draxler: Ein mögliches Vorbild für Götze?

Erstes Ligaspiel – Tor Draxler. Erstes Pokalspiel – Tor Draxler. Erster Auftritt in der Champions-League – Barcelona mit 4:0 weggeprügelt und natürlich: Tor Draxler. Einen besseren Einstand hätte sich Paris St. Germains Winterneuzugang Julian Draxler wohl nicht wünschen können. Statt in Wolfsburg mit Mario Gomez und Maxi Arnold mühsam gegen das Abrutschen auf die Abstiegsränge zu kämpfen, darf er Seite an Seite mit Angel di Maria und Edinson Cavani vom Champions-League-Titel träumen. Dass das eine Extramotivation für einen Spieler darstellen dürfte – geschenkt. Aber ist es so einfach?

Schon der Abschied aus Schalke machte einiges klar

Sein Abschied vom FC Schalke 04, für den Draxler immerhin 14 Jahre lang spielte, erschien bereits seltsam. Er wollte ein Umfeld, in dem er befreit Fußball spielen konnte, in Schalke wurden ihm die Lasten auf den Schultern zu groß. Wie immer man als (insbesondere Schalke-) Fan darüber denken mag, Draxler verspürte den Drang, sich zu verändern, um sich fußballerisch weiterzuentwickeln.

Dass es der VfL Wolfsburg wurde statt beispielsweise dem FC Arsenal London zeigte dabei nicht nur, dass man in Wolfsburg nicht gerade schlecht verdient, sondern auch, dass Draxler sich den großen Schritt noch nicht zutraute.

Die andere Form von „Druck“ in Wolfsburg

In Wolfsburg geriet er dann jedoch in eine Mannschaft, die seit dem Abgang von Kevin de Bruyne einen Organisator des Spiels vermissen ließ, sich zwar mit qualitativ hochwertigen Spielern verstärkte, die jedoch alle nicht richtig einschlagen wollten. Plötzlich war der Druck wieder auf Julian Draxler, der, man muss es sich vor Augen führen, immer noch erst 23 Jahre alt ist.

Der Wechsel zu Paris St. Germain ist zwar ein Wechsel in einen anspruchsvolleren Kader, wo Draxler mehr um seinen Platz kämpfen muss als zuvor. Aber als Teil des Mannschaftsgefüges sinkt der Druck auf seinen Schultern, weil er nicht im absoluten Fokus steht. So gering der Druck halt sein kann, wenn man für kolportierte 36 Millionen Euro gekauft wird. Draxlers Verhalten bei Wolfsburg war dabei insbesondere im letzten halben Jahr zwar sicherlich nicht allzu fleckenfrei. Doch seinen Leistungsunterschied allein mit einer veränderten Einstellung zu erklären, ist zu leicht.

Wenn Druck einen Namen hat: Mario Götze

In Deutschland ist Draxler mit seinen sportlichen Problemen als einst gefeiertes Talent kein Einzelfall. Mario Götze tut sich in Dortmund nach wie vor schwer, wieder richtig Fuß zu fassen und wurde wochenlang nur sporadisch eingesetzt, ehe kleinere Verletzungen ihn zusätzlich auszubremsen schienen.

Auch auf Götze lastet seit jeher eine Erwartungshaltung, die Druck erzeugt. Drei Jahre lang versuchte er, den Erwartungen in München gerecht zu werden. Danach ging es zurück zum BVB, wo er jedoch nicht mehr als 18-jähriges Vereinstalent auftritt, sondern als 24-jähriger Welt- und fünffacher Deutscher Meister, der bei vielen Fans jahrelang in Ungnade gefallen war. Wenn das mal kein Druck ist.

Schritt ins Ausland als logische Konsequenz?

Bis heute bleibt es fraglich, ob Götze wirklich als Wunschspieler Tuchels oder vor allem aufgrund alter Beziehungen vom BVB zurückgenommen wurde. Kann er sich jedoch weiterhin nicht durchsetzen, muss auch er sich überlegen, ob ein Schritt ins Ausland eine sinnvolle Lösung wäre.

Der mediale Fokus auf ihn kann nur geringer werden, und auch wenn der Konkurrenzkampf in einer internationalen Top-Mannschaft von einem ähnlichen Niveau wäre wie in Dortmund und München, könnte er eine zusätzliche Motivation und Befreiung durch einen richtigen Luftwechsel erzeugen. Bei Julian Draxler scheint es zu funktionieren.

 

 

 

 

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Der BVB ein Spiel ohne Südtribüne: Eine angemessene Strafe?

Die Südtribüne in Dortmund ist eine der wohl eindrucksvollsten Fan-Erscheinungen Europas. Eigentlich. Doch letzten Samstag geriet sie durch einige Idioten in Verruf.  Der Kontrollausschuss fordert nun neben einer Geldstrafe von 100.000 Euro für den Verein auch einen Komplettausschluss der Südtribüne für eine Begegnung. Der Aufschrei unter den betroffenen Fans ist nun groß. Zurecht?

Die Plakatsituation: Zensur von Geschmacklosigkeit

Bilder von den aufgehängten Plakaten auf der Südtribüne haben sich inzwischen wohl überall verbreitet. Und es ist auch deutlich, dass die Medien und Verbände immer dasselbe Plakat, welches sich gegen Ralf Rangnick richtete, als Beispiel für das Level an Geschmacklosigkeit hervorheben. Ein Plakat allein könne ja nicht zu so einem Urteil führen. Das ist richtig. Dass tut es aber auch nicht.

Zum Einen wurden eben zahlreiche weitere Plakate an diesem Tag auf der Südtribüne präsentiert. Die meisten laufen dabei wohl unter „normaler Fansprache“. Doch das bedeutet nicht, dass die wüste, stumpfe Beschimpfung von Einzelpersonen per Plakat als ein Grundrecht anzusehen ist, welches im Sinne von „Freier Meinungsäußerung“ zu beschützen wäre. Ehrlich gesagt verdient allein die Stumpfheit der Plakate eine Strafe. Die mangelnde Kreativität. Wirklich.

Die Dortmunder Fans haben, wie zahlreiche andere schon desöfteren bewiesen, wie man kreative Ideen durch Plakate ausleben kann. Witzige, kluge Inhalte vermitteln. So seine Kritik äußern. Die Plakatsprache am vergangenen Samstag war lediglich eine stumpfe Wand des Hasses, mit Drohungen gegen Verantwortliche und Seitenhiebe gegen Polizisten. Nichts Neues? Ja. Gibt es bei anderen Spielen auch? Ja. Aber es war am Samstag schließlich nicht nur das.

Bewährung versiebt

Es ist erst knapp über ein halbes Jahr her, dass der BVB wegen einiger Fan-Vergehen auf Bewährung verurteilt wurde. Diese wäre bis Ende Mai 2017 gelaufen. Bestraft wurden damit pyrotechnische Vorfälle aus den Bundesligapartien gegen Leverkusen und Bayern sowie dem DFB-Pokalfinale gegen Bayern inklusive eines Vorfalls beim DFB-Pokalspiel gegen den VfB Stuttgart, wo die Fans mit Tennisbällen mehrere Unterbrechungen erzwungen hatten.

Nicht nur bei der Partie gegen Leipzig kam es jetzt erneut zum Einsatz von Pyrotechnik. Die jetzt erfolgte Strafe bezieht sich wohl auch noch auf weitere Vorfälle dieser Saison gegen Mainz, Hoffenheim und aus dem Hinspiel in Leipzig. Das heißt man redet dann darüber, dass seit vergangenem Sommer, wo bereits das Fehlverhalten aus vier Partien auf Bewährung sanktioniert wurde, weitere vier Partien Anlass zu neuen Diskussionen gegeben haben.

Das Problem der Kollektivstrafe der Südtribüne

Dennoch. Kollektivstrafen sind immer problematisch. Ein Großteil der Anhänger, die, falls der BVB das Urteil akzeptiert, eine Partie verpassen, haben mit den Plakaten und der Pyrotechnik wenig bis gar nichts am Hut.

Dennoch ist der DFB auch irgendwann gezwungen, ein Zeichen zu setzen. Das konsequente Ignorieren der Bewährung durch einige Fans führte zwangsläufig zu einem harten Urteil. Das viele BVB-Fans dass unfair finden, ist völlig verständlich. Der Adressat sollten aber da die eigenen Fans sein statt dem DFB. Ausnahmsweise. Denn der BVB findet es sicher auch unfair, dass er 100.000 Euro zahlen muss, weil einige Menschen sich nicht benehmen können.

Erhöhung der Bewährungsstrafe

Das bloße Bestrafen durch eine Geldstrafe hätte fraglos keinerlei Signalwirkung gehabt. Dass die Bewährungsstrafe, die eigentlich nur einen Teilausschluss der Südtribüne vorsah, jetzt zu einem Komplettausschluss führen könnte, ist angesichts der gehäuften Ereignisse fast schon nicht zu verhindern, wenn auch der mediale Druck dabei ebenfalls eine Rolle gespielt haben könnte.

Konsequenterweise nicht bestraft werden die Ereignisse außerhalb des Stadions, die Polizeisache bleiben, den Eindruck des Tages jedoch nicht verbessert haben.

Akzeptieren statt Protestieren

Aus dem Fall könnte man im Fußball auch einiges lernen, wenn man es will. Zum Beispiel, dass bestimmte Äußerungen, auch wenn man sie in vielen anderen Partien von Fans hört, dadurch nicht automatisch in Ordnung sind. Dass man wieder und wieder den Widerspruch aufzeigt zwischen einer großen Betroffenheit der Fans bei Themen wie Depressionen und Rassismus und der dennoch folgenden Akzeptanz für diskriminierende und beleidigende Plakate. Dass man dabei nicht aufhört gegen Veränderungen im Sport zu protestieren, aber in intelligenten, kreativen Wegen.

Protest gegen Leipzig und gegen den Kommerz im Sport ist in der Fanszene akzeptiert. Die Mittel dafür müssen jedoch behutsam gewählt werden. Denn die Entscheidungen, wie sich der Fußball entwickelt, werden am Ende des Tages nicht nur von der Fanszene getroffen. Und stumpfer Hass ist nie eine gute Verhandlungsgrundlage.

 

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Wayne Rooney ist einer dieser Spieler, die seit Jahren nicht unumstritten sind. Dabei ist seine Statistik beeindruckend. Gestern krönte er seine Karriere weiter, indem er seinen 250. Pflichtspieltreffer für Manchester United erzielte. In der 94. Minute. Zum 1:1-Ausgleich gegen Stoke City. Per Traumtor.

Damit überflügelte er United-Legende Sir Bobby Charlton und ist nun alleiniger Rekordtorjäger von Manchester United. Kann man machen!