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Paul Pogba: Mino Raiola gewinnt an Einfluss bei Manchester United

Mit dem bereits lange erwarteten Transfer von Paul Pogba von Juventus Turin für 110 Millionen Euro setzt Manchester United eine neue Rekordmarke in Sachen Ablöse und positioniert sich deutlich für die anstehende Premier-League-Saison. Besonders freuen darf sich Pogbas Agent Mino Raiola: Dem Vernehmen nach soll Manchester United ihm weitere 20 Millionen Euro für die Rückhol-Aktion des einstigen Manchester United-Talents zahlen.

Erst Paris, dann Manchester

Mino Raiolas Art der Verhandlung wurde bereits im Zuge der Mkhytarian-Debatte beim BVB erwähnt. Der Italiener, der früher bereits Pavel Nedved oder Mark van Bommel vertrat,  ist durchaus bekannt für eine gewisse Respektlosigkeit in Verhandlungen. Er spielt Vereine gegeneinander aus und transferiert seine Spieler gerne reihenweise an einen Verein. Bis zu diesem Sommer hatte Raiola mit Maxwell, Blaise Matuidi, Gregory van der Wiel und Zlatan Ibrahimovic gleich vier Spieler bei Paris St. Germain geparkt. In der Presse wiederholte er in dieser Zeit nur allzu gerne, dass der CL-Titel für Paris nur eine Frage der Zeit sei.

PSG wird nicht nur mit hundertprozentiger Sicherheit die Champions League gewinnen, sondern in naher Zeit auch das Triple. Zlatan und ich haben uns dieses Projekt gezielt ausgesucht. Weil wir daran glauben. Bereits Maxwell habe ich bewusst dorthin vermittelt, er war mein erster Spieler dort. Ich habe nämlich etwas früher als alle anderen kapiert, was sich dort entwickelt. Das ist auch der Grund, warum ich so erfolgreich bin. Ich kann den Markt lesen, ich weiß, was passiert und warum es passiert. Ich beeinflusse ihn sogar.(Mino Raiola im 11Freunde-Interview, 2014)

Die Zeit kam jedoch nicht. Und Raiola zieht seine Spieler so langsam wieder ab. Van der Wiel spielt jetzt in Istanbul, Zlatan Ibrahimovic zog es ebenfalls nach Manchester United – ablösefrei. Das darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Raiola diese Situation wohl für ein besonders schönes Handgeld genutzt haben dürfte. Die Vermittlung von Henrikh Mkhytarian nach England käme da noch dazu. Man könnte schon einmal raten, wen Raiola in seinem nächsten Interview zum CL-Favoriten erklärt (Damit wird er noch mindestens ein Jahr warten dürfen, da seine Schützlinge zuerst einmal ein Jahr Europa League vor sich haben).

Koste es, was es wolle

Manchester United dürfte somit in diesem Sommer eine Gesamtsumme an einen Berater gezahlt haben, die selbst die besten Gehälter von Fußballspielern übertrifft. Die Fußballer müssen einem da nicht wirklich leid tun. Und die Vereine, die bereit sind, solche Summen zu zahlen, ebenfalls nicht.

Es bleibt die Frage, ob es klug von Manchester United ist, Paul Pogba zurück zu holen. In erster Linie nicht wegen der Tatsache, dass der 23-jährige bisher noch große Leistungen schuldig blieb, in wichtigen Spielen gerne untertauchte und – noch einmal – 110 Millionen Euro (+20 für Raiola) kosten dürfte. Sondern vielmehr, weil man mit Ibrahimovic, Mkhytarian und Pogba nun drei Säulen des neuen Teams auf den Launen eines Mino Raiola aufbaut.

Raiola und Mourinho könnten sich vom Typ her gut verstehen. Allein die Verpflichtung von Mourinho wird dem Verein jedoch keinen Erfolg garantieren – zu eng geht es in der Premier-League zu. Manchester United versucht im Konkurrenzkampf mit City, Chelsea, Arsenal und Überraschungsteams wie Leicester City und Tottenham mitzuhalten und gleichzeitig endlich zu den erfolgreichen Zeiten der Ferguson-Ära zurück zu kommen. Sollte dies jedoch nicht klappen, könnte es sein, dass Raiola bald einen neuen CL-Favoriten erwählt.