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Robert Lewandowski: Lasset ihn fahren

Nachdem Robert Lewandowski Anfang des Jahres seine Berater Maik Barthel und Cezary Kucharski gegen Pinhas Zahavi eintauschte, wurde manchem Bayern-Fan schon mulmig. Selbiger Zahavi gilt schließlich als Mann hinter dem 222 Millionen Euro Deal von Neymar. Ein paar Monate später ist die Situation nun da: Zahavi verkündet, dass Lewandowski weg wolle. Lewandowski verweist auf Nachfrage an seinen Berater, der sei für so etwas zuständig. Was soll er auch selbst dazu wissen, wohin er will.

Die Gerüchteküche spielt derweil verrückt. Als Hauptinteressenten werden der FC Chelsea, Manchester United und – natürlich – Paris St. Germain gehandelt. Von einem Interesse Real Madrids war bereits in den vergangenen Monaten weniger zu lesen gewesen. Das neueste Update von der Süddeutschen Zeitung passt ebenfalls in das Kuriositätenkabinett um Robert L.: Die Aussagen von Zahavi sollen nicht mit ihm abgestimmt, der Wechselwunsch gar nicht so dringend sein.

Pikanter Zeitpunkt nach Ansage von Hoeneß

Bereits früher hatten die Berater von Lewandowski das Kokettieren von Transfers gerne und oft für ihren Spieler übernommen. Dieser zeigte sich beim FC Bayern meist sportlich von einer tadellosen Seite – wenn ihm nicht gerade Mitspieler Tore verwehrten. Ansonsten war er nie ein Spieler großer Emotionen oder Lippenbekenntnisse.

Nun kommt die Aussage des Beraters zu einem pikanten Zeitpunkt. Erst letzte Woche hatte Uli Hoeneß nämlich gewohnt großmundig verkündet, dass der FC Bayern München sich nicht unter Druck setzen lasse. Die erzwungene Wechselwelle beim Konkurrenten aus Dortmund in den vergangenen Jahren (Mkhytarian, Dembele, Aubameyang) soll beim FC Bayern so nicht passieren.

Wir werden der Fußballwelt beweisen, dass der Verein immer noch der Stärkere ist

(Uli Hoeneß)

Doch der Sommer ist lang, das Transferfenster gefühlt noch länger. Was sind die Aussagen wohl im August noch wert?

Wird Robert Lewandowski das Exempel der Bundesliga?

Aus Sicht der Bundesliga ist ein Stürmer wie Robert Lewandowski mit seiner Extraklasse natürlich unersetzbar. Aus Sicht des FC Bayern mag für das eigene Prestige einiges dafür sprechen, ihn mit aller Kraft halten zu wollen – zumal er seinen Vertrag nunmal bis 2021 verlängert hat. Ob man ihn für drei Jahre auf die Tribüne setzt? Das würde sicher vielen Fußballfans gefallen. Es ist und bleibt unwahrscheinlich. Ob er seine Karriere opfern würde, um beleidigt zu schmollen? Vermutlich auch nicht. Er würde sich wieder fangen und Tore schießen. Zumindest ein Jahr könnte das so funktionieren, wie er es auch in Dortmund gemacht hat, bevor er nach München wechselte.

Doch die andere Frage ist: Um welchen Preis will man einen Spieler halten, der sich nicht mit dem Verein identifiziert. Egal, wie viele Tore er schießt. Beim FC Bayern München können sie zuversichtlich sein, dass ein Ersatzstürmer auch von geringerer Qualität eine gute Torquote aufweisen würde. Selbst Sandro Wagner kam als Bankspieler auf acht Rückrundentore. Die Möglichkeit, mit dem Geld aus einem Transfer, der bei drei Jahren Restvertragslaufzeit nicht gerade günstig sein dürfte, das Team für Neucoach Niko Kovac umzubauen, wäre ebenfalls reizvoll – obwohl Hoeneß ursprünglich auch hier angekündigt hatte, keine großen Sprünge machen zu wollen.

Sportlicher Verlust unzweifelhaft

89 Bundesliga-Tore in den letzten drei Spielzeiten – man braucht gar nicht erst so zu tun, als wäre der Verlust Lewandowskis sportlich gesehen kein Risiko. Doch das Selbstbewusstsein, mit dem der FC Bayern sein Vereinsmotto „Mia san Mia“ vor sich herlebt, sollte auch dann gelten, wenn es darum geht, welche Spieler man unter Vertrag hält. Die, die stolz darauf sind. Oder die, die jedes Jahr zuverlässig über Berater mitteilen lassen, dass sie lieber woanders wären.

Der FC Bayern könnte also tatsächlich ein Exempel statuieren – indem er zeigt, dass der Verein stärker ist als die Spieler. Und die, die dauernd mit Wechseln kokettieren, ersetzt.

 

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