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Rudy & Süle – Kauft Bayern die Konkurrenz leer?

Am Wochenende explodierte die Bombe: Bayern holt zur nächsten Saison Sebastian Rudy von der TSG 1899 Hoffenheim, Niklas Süle soll ebenfalls im Sommer kommen. Abgesehen davon, dass von keiner Seite bestätigte Transfers wie in letzter Zeit gewohnt als Fakten präsentiert werden, brannte eine interessante, innovative, noch nie da gewesene Diskussion innerhalb der Fanszene auf: Kauft der FC Bayern München wieder einmal die Konkurrenz leer – ohne logischen Eigenbedarf?

Die ewige Debatte

Eine Debatte, die gefühlt so alt ist wie die um Traditionsvereine, geht in die nächste Runde. Insbesondere der 26-jährige Sebastian Rudy ist an sich vielen Fans ein Mysterium. Schon seine wiederholte Nationalelf-Nominierung ruft selten Begeisterungsstürme aus. Unspektakulär, aber flexibel, erweist sich Rudy als beliebter Spieler bei Jogi Löw – und bald auch unter Ancelotti?

Nach den jüngsten Erfolgen der Hoffenheimer Truppe um Trainer Julian Nagelsmann steht für viele jedenfalls fest: „Der Rekordmeister aus München will einen aufkommenden Konkurrenten klein halten. Wenn es so weitergeht, steht der Transfer von Hobbyflieger Timo Werner vom Brauseprimus zum Branchenprimus sicherlich auch kurz bevor!“

Die Frage nach möglichen Neuzugängen

Dazu sollte man sich einmal die Einkaufspolitik der Bayern ansehen. Der FC Bayern benutzt seit einigen Jahren primär zwei Quellen zur Verpflichtung von Spielern. Zum Einen sind es internationale Talente und Stars mit Erfahrungen aus dem europäischen Fußball. Von Talenten aus dem südamerikanischen Raum sieht man seit Negativerfahrungen mit mehreren Spielern in Serie (Breno, Sosa, dos Santos) inzwischen zumeist ab.

Zum Anderen sind herausragende Spieler aus der Bundesliga stets gefragt. Das Selbstverständnis des FC Bayern sieht vor, möglichst viele deutsche Nationalspieler in den eigenen Reihen zu halten. Dazu bevorzugt man verstärkt Spieler mit Bundesliga- und Spracherfahrung, die sich möglichst leicht integrieren lassen.

Es mag viele verwundern, aber deutschsprachige Spieler, die positiv auffallen, findet man meistens bei den Vereinen, die in der Bundesligatabelle weiter oben mitspielen. Nicolai Müller vom HSV wäre derzeit wohl ebenso kein geeigneter Kandidat für den FCB wie Maximilian Arnold vom VfL Wolfsburg. Denn wenn es beim Verein nicht läuft, spielt ein einzelner Spieler sich ebenfalls selten ins Rampenlicht.

Die konkreten Fälle: Sebastian Rudy

Sowohl Rudy als auch Süle können für den FC Bayern sinnvolle Transfers sein. Was nicht heißt, dass die Transfers auch für beide Spieler von Vorteil sind. Im Fall Sebastian Rudy spielt der auslaufende Vertrag wohl eine wesentliche Rolle. Ein Spieler, der mehrere Positionen besetzen und Verantwortung übernehmen kann erscheint nicht nur dann sinnvoll, wenn man an bevorstehende Abgänge von Philipp Lahm und Xabi Alonso denkt.

Es bleibt zwar unwahrscheinlich, dass Rudy sich in München als Stammspieler etablieren wird. Unter dem aktuellen Trainer Carlo Ancelotti werden jedoch die Einsatzzeiten eh so gleichmäßig aufgeteilt, dass kaum mehr von Stammspielern die Rede sein kann. Unvorstellbar ist zudem, dass Bayern bei einem möglichen vorzeitigen Lahm-Abgang lediglich auf Rafinha und Rudy setzen würde. Im Mittelfeld wartet zudem eine übermäßig starke Konkurrenz, Rotatione hin oder her.

Die konkreten Fälle: Niklas Süle

Unstrittiger ist die Frage bei einer Verpflichtung von Niklas Süle (21). Selbst TSG-Manager Rosen äußerte gestern, dass jeder Top-Klub sich mit dem Verteidiger beschäftigen müsste. Beim FC Bayern erscheint die konkrete Notwendigkeit eines weiteren Verteidigers angesichts des Gespanns von Jerome Boateng (28), Mats Hummels (28), Javi Martinez (28) sowie Holger Badstuber (27) auf den ersten Blick nicht zu existieren. Bedenkt man jedoch, dass sich nicht nur Boateng erst jetzt wieder mit einer Schulter-OP abmeldete, sondern auch Hummels, Martinez und nicht zuletzt Badstuber vermehrt durch eine gewisse Anfälligkeit auffallen, ergibt sich ein anderes Bild. Gerade Martinez könnte mittelfristig auch wieder zum 6er werden, als der er 2013 großen Anteil am Champions League-Titel der Bayern hatte.

Zudem ist es auch hier eine Frage des Systems. In einer Dreierkette würde auch ein Süle neben zwei Mitstreitern Platz finden. Bei den kolportierten 25 Millionen Euro Ablöse für die Bayern eine Pflicht, sich mit dem deutschen Nationalspieler auseinanderzusetzen.

Die große Chance – Zu scheitern

Das Thema „Konkurrenz schwächen“ ist beim FC Bayern in jedem zweiten Transfer also zwangsläufig Teil des Einkaufs. Was nicht bedeutet, dass sie diesen netten Nebeneffekt in München nicht genießen würden. Als primäre Kaufmotivation dürfte er gerade in diesem Fall jedoch weniger dienen. Beide Transfers würden dem FC Bayern zusätzliche Flexibilität bei Formation und Rotation verleihen, die gerade in den letzten Jahren verstärkte Bedeutung erhalten haben.

Nichtsdestotrotz bleibt zu fragen, ob ein Transfer für den Spieler zu diesem frühen Zeitpunkt Sinn macht, statt sich in Hoffenheim – oder bei einer weiteren Station, weiterzuentwickeln. Denn die Chance „Bayern München“ beinhaltet stets auch ein großes Risiko des Scheiterns. In erster Linie bleibt abzuwarten, ob und wann den Verkündungen von medialer Seite auch offizielle Statements der Vereine folgen.