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Social Media: Douglas Costa vs. Darmstadt 98

Nach dem vergangenen Wochenenden waren die Lobeshymnen natürlich groß. Der FC Bayern hatte zum Auftakt der Bundesliga-Saison doch ein wenig erwartungsgemäß den Hamburger SV mit 5:0 aus dem Stadion gefidelt und Bayern-Neuzugang Douglas Costa (bei dem Thomas Müller direkt mal klarstellte, wie man ihn auszusprechen hat) hatte insbesondere in Halbzeit 2 Spaß mit der auseinander fallenden Defensive der Hamburger. Ob die Partie allein reicht, um die Lobeshymnen auszupacken, die folgten – fraglich. Nichtsdestotrotz bringt der Spielwitz des Brasilianers ein weiteres belebendes Element in das Spiel der Münchner, die Angst vor der Zukunft ohne Franck Ribery könnte eine Antwort gefunden haben.

Der 24-jährige wirkt auf dem Platz wie ein Brasilianer der alten Schule. Doch im Gegensatz zu jenen reichen für hohe Sympathiewerte den Spielern heutzutage meist nicht die Aktionen auf dem Fußballfeld aus. Das inzwischen doch sehr viele Fußballprofis, zumindest ab einem bestimmten Markt- und Markenwert, ihre Facebook- und Twitterkanäle an PR-Agenturen ausgelagert haben, ist heutzutage ein allzu offenes Geheimnis. Im Fall von Douglas Costa grenzt die daraus resultierende Mitteilungsfreude fast schon an Spam. Von kurz vor Spielanpfiff (20:33) bis zum Ende des Tages (00:33) setzte es satte 13 Beiträge auf Facebook – Von der Startaufstellung, über die Tore bis hin zu einer „persönlichen“ Gefühlsmitteilung von Douglas Costa. Abgeschlossen wurde das Ganze im letzten Beitrag mit einem Video seiner Torbeteiligungen:

Amazing night! A goal and an assist! I’ll never forget this!Que noite! Um gol e uma assistência! Inesquecível

Posted by Douglas Costa on Freitag, 14. August 2015

Die Highlights des Spielers so kurz nach Abpfiff zu posten hatte ich persönlich bis dahin so noch nicht gesehen. Der Leistungsnachweis für die digitale Welt direkt noch am Abend des Geschehens liefert einen klaren Mehrwert für den Nutzer.

Jerome Gondorf – Entschuldigung auf Facebook

Parallel dazu ereignete sich am Wochenende bei der Partie zwischen Darmstadt und Hannover eine unschöne Szene. Nach dem verschossenen Elfmeter von Mevlüt Erdinc schrie Jerome Gondorf dem 96-Neuzugang sekundenlang aus nächster Nähe Jubelrufe ins Gesicht. Eine Szene, die an Neven Subotic mit Arjen Robben erinnert und seitdem auch nichts von ihrer Unnötigkeit und Unsportlichkeit verloren hat. Diel viel beschrieene Emotionalität kann schlussendlich eben doch anders ausgelebt werden. Das verstand auch Gondorf, der sich am Sonntag zu einem Entschuldigungsschreiben hinsetzte:

Hi zusammen.Ich möchte mich hiermit für mein Verhalten nach dem verschossen Elfmeter des Hannoveraner Stürmer Erdinc…

Posted by Jerôme Gondorf on Sonntag, 16. August 2015

 

Die Schreibweise des Postings, auf dessen Kommentare Gondorf ebenfalls noch vereinzelt antwortete, legt nahe, dass es vom Spieler selbst stammt. Genötigt sah er sich dazu, nachdem unter seinen vorherigen Post mehrere Fans sein Verhalten deutlich kritisiert hatte. Auch hier hatte er noch den jeweiligen Kommentarschreiben persönlich geantwortet und sich für sein Verhalten noch zwinkernd rechtfertigt. Einen Tag darauf folgte der – für seine Verhältnisse medienwirksame – Umschwung. Und auch den Fans gefällt so ein Spieler mit Ecken und Kanten meist.

Vertrauen ist gut…

Es ist seit jeher die Authentizität, die Spieler wirklich greifbar macht. Für die Marke eines Spielers und die Arbeit der dahinterstehenden PR-Berater kann Authentizität bei Profis jedoch schnell zum Problem werden. Authentisch wirken? Ja. Aber nur, wenn das auch sympathisch ist. Und möglichst glatt. Eben: Kontrollierbar.

Die beiden Profis stehen natürlich in kaum einer Relation zueinander. Sie mögen auf dem Platz in derselben Liga spielen, doch das ist für die Fußballer von heutzutage nicht mehr der einzige Vergleichsort. Hier Bildergalerien, tägliche Fotos von Modeshootings oder Trainingseinheiten, dort alle paar Tage ein privater Schnappschuss.  Mit 2.500 Likes ist Gondorf derzeit ziemlich genau bei einem Prozent der Anhänger von Bundesliga-Kollege 250.000 Douglas Costa. Die Diskrepanz dürfte in nächster Zeit eher größer denn kleiner werden.