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Der BVB ein Spiel ohne Südtribüne: Eine angemessene Strafe?

Die Südtribüne in Dortmund ist eine der wohl eindrucksvollsten Fan-Erscheinungen Europas. Eigentlich. Doch letzten Samstag geriet sie durch einige Idioten in Verruf.  Der Kontrollausschuss fordert nun neben einer Geldstrafe von 100.000 Euro für den Verein auch einen Komplettausschluss der Südtribüne für eine Begegnung. Der Aufschrei unter den betroffenen Fans ist nun groß. Zurecht?

Die Plakatsituation: Zensur von Geschmacklosigkeit

Bilder von den aufgehängten Plakaten auf der Südtribüne haben sich inzwischen wohl überall verbreitet. Und es ist auch deutlich, dass die Medien und Verbände immer dasselbe Plakat, welches sich gegen Ralf Rangnick richtete, als Beispiel für das Level an Geschmacklosigkeit hervorheben. Ein Plakat allein könne ja nicht zu so einem Urteil führen. Das ist richtig. Dass tut es aber auch nicht.

Zum Einen wurden eben zahlreiche weitere Plakate an diesem Tag auf der Südtribüne präsentiert. Die meisten laufen dabei wohl unter „normaler Fansprache“. Doch das bedeutet nicht, dass die wüste, stumpfe Beschimpfung von Einzelpersonen per Plakat als ein Grundrecht anzusehen ist, welches im Sinne von „Freier Meinungsäußerung“ zu beschützen wäre. Ehrlich gesagt verdient allein die Stumpfheit der Plakate eine Strafe. Die mangelnde Kreativität. Wirklich.

Die Dortmunder Fans haben, wie zahlreiche andere schon desöfteren bewiesen, wie man kreative Ideen durch Plakate ausleben kann. Witzige, kluge Inhalte vermitteln. So seine Kritik äußern. Die Plakatsprache am vergangenen Samstag war lediglich eine stumpfe Wand des Hasses, mit Drohungen gegen Verantwortliche und Seitenhiebe gegen Polizisten. Nichts Neues? Ja. Gibt es bei anderen Spielen auch? Ja. Aber es war am Samstag schließlich nicht nur das.

Bewährung versiebt

Es ist erst knapp über ein halbes Jahr her, dass der BVB wegen einiger Fan-Vergehen auf Bewährung verurteilt wurde. Diese wäre bis Ende Mai 2017 gelaufen. Bestraft wurden damit pyrotechnische Vorfälle aus den Bundesligapartien gegen Leverkusen und Bayern sowie dem DFB-Pokalfinale gegen Bayern inklusive eines Vorfalls beim DFB-Pokalspiel gegen den VfB Stuttgart, wo die Fans mit Tennisbällen mehrere Unterbrechungen erzwungen hatten.

Nicht nur bei der Partie gegen Leipzig kam es jetzt erneut zum Einsatz von Pyrotechnik. Die jetzt erfolgte Strafe bezieht sich wohl auch noch auf weitere Vorfälle dieser Saison gegen Mainz, Hoffenheim und aus dem Hinspiel in Leipzig. Das heißt man redet dann darüber, dass seit vergangenem Sommer, wo bereits das Fehlverhalten aus vier Partien auf Bewährung sanktioniert wurde, weitere vier Partien Anlass zu neuen Diskussionen gegeben haben.

Das Problem der Kollektivstrafe der Südtribüne

Dennoch. Kollektivstrafen sind immer problematisch. Ein Großteil der Anhänger, die, falls der BVB das Urteil akzeptiert, eine Partie verpassen, haben mit den Plakaten und der Pyrotechnik wenig bis gar nichts am Hut.

Dennoch ist der DFB auch irgendwann gezwungen, ein Zeichen zu setzen. Das konsequente Ignorieren der Bewährung durch einige Fans führte zwangsläufig zu einem harten Urteil. Das viele BVB-Fans dass unfair finden, ist völlig verständlich. Der Adressat sollten aber da die eigenen Fans sein statt dem DFB. Ausnahmsweise. Denn der BVB findet es sicher auch unfair, dass er 100.000 Euro zahlen muss, weil einige Menschen sich nicht benehmen können.

Erhöhung der Bewährungsstrafe

Das bloße Bestrafen durch eine Geldstrafe hätte fraglos keinerlei Signalwirkung gehabt. Dass die Bewährungsstrafe, die eigentlich nur einen Teilausschluss der Südtribüne vorsah, jetzt zu einem Komplettausschluss führen könnte, ist angesichts der gehäuften Ereignisse fast schon nicht zu verhindern, wenn auch der mediale Druck dabei ebenfalls eine Rolle gespielt haben könnte.

Konsequenterweise nicht bestraft werden die Ereignisse außerhalb des Stadions, die Polizeisache bleiben, den Eindruck des Tages jedoch nicht verbessert haben.

Akzeptieren statt Protestieren

Aus dem Fall könnte man im Fußball auch einiges lernen, wenn man es will. Zum Beispiel, dass bestimmte Äußerungen, auch wenn man sie in vielen anderen Partien von Fans hört, dadurch nicht automatisch in Ordnung sind. Dass man wieder und wieder den Widerspruch aufzeigt zwischen einer großen Betroffenheit der Fans bei Themen wie Depressionen und Rassismus und der dennoch folgenden Akzeptanz für diskriminierende und beleidigende Plakate. Dass man dabei nicht aufhört gegen Veränderungen im Sport zu protestieren, aber in intelligenten, kreativen Wegen.

Protest gegen Leipzig und gegen den Kommerz im Sport ist in der Fanszene akzeptiert. Die Mittel dafür müssen jedoch behutsam gewählt werden. Denn die Entscheidungen, wie sich der Fußball entwickelt, werden am Ende des Tages nicht nur von der Fanszene getroffen. Und stumpfer Hass ist nie eine gute Verhandlungsgrundlage.