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Der ganz normale Unsinn einer Wahl: Ballon D’Or

Man hatte sich dann doch einen Sieg von Manuel Neuer bei der Weltfußballerwahl gewünscht. Wider aller Statistiken, die bereits verrieten, dass dies seit 60 Jahren keinem Torwart mehr gelungen ist. Dass Ronaldo eines seiner stärksten Jahre gespielt und dieses sogar mit gewichtigen Titeln untermauert hat. Die Wahl für Ronaldo, der dies mit einem für ihn charakteristischen Brunftschrei zelebrierte, war im Endeffekt keine Überraschung. Gerade, wenn man seinen Status als Weltmarke und den fragwürdigen Abstimmungsmodus der FIFA bedenkt. Die Nationalmannschaftskapitäne, -trainer und ausgewählte Journalisten verfügen über eine Stimmberechtigung bei der Wahl. Dies sorgte dafür, dass selbst der in diesem Jahr titellose Lionel Messi knapp vor Manuel Neuer landen durfte, genau wie er im letzten Jahr bereits vor Franck Ribery gelandet war.

Dass die genauen Stimmabgaben zur Wahl nach Veranstaltungsende im Internet aufzufinden waren, half doch sehr um die Absurdität der Wahl zu verstehen. So konnte man nachlesen, wie die Vertreter von Bangladesh oder Barbados Lionel Messi auf 1 setzten oder wie der Kapitän des Nationalteams von St. Lucia gar Mario Götze auf dem Fußballthron wähnte. Weltmarken setzen sich in so einer Wahl eben durch. Da kann man zwar durchaus monieren, dass die eigentliche Wahl an Wert verliert. Die Qualität des Fußballers scheint eben nicht so relevant zu sein wie sein Status als Marke im jeweiligen Land. Andererseits bringt es überhaupt nichts, die Wahlen anderer Ländervertreter zu kritisieren. Denn hierzulande sitzt man leider im selben Boot.

Die deutschen Stimmabgaben

Johan Cruyff sagte einmal über die Weltfußballerwahl, es handele sich dabei um einen „Haufen Journalisten und Leute, die für ihre Freunde abstimmen„. Und tatsächlich: Sowohl Bastian Schweinsteiger als auch Jogi Löw und Kicker-Chefredakteur Karlheinz Wild berücksichtigten bei der Weltfußballerwahl ausschließlich deutsche Akteure unter ihren Nominierten.

Matthias Sammer suchte im Trainingslager der Bayern gar das Gespräch mit Robert Lewandowski, der es sich erlaubt hatte, Ronaldo anstatt Neuer auf Rang 1 der Liste zu platzieren, woraufhin dieser sich  genötigt sah, seine Wahl öffentlich zu bereuen  – um dann wenige Stunden später via Twitter zurückzurudern und seine bei kicker veröffentlichten Zitate zu widerrufen.

Über Sinn und Unsinn der Wahl

Allein die Tatsache, dass sich ein Spieler dafür entschuldigen muss, nicht seinen Teamkollegen an die Spitze gesetzt zu haben, zeigt die Absurdität dieser Wahl. Wo die Notwendigkeit für Matthias Sammer bestand, dieses Thema mit ihm besprechen zu müssen, wird dabei sein Geheimnis bleiben. Vielleicht hatte sich Sammer die Wahl eben doch ein Stück erfolgreicher gehofft, um Manuel Neuer noch mehr zu dem zu machen, was Messi und Ronaldo bereits ohne jeglichen Zweifel sind: Eine absolute Weltmarke. Mit einer objektiven Wahl darüber, wer der beste Fußballer der Welt ist, hat das alles nur noch am Rande zu tun. Ganz unabhängig vom Gewinner.