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WM 2018 – Gruppe A: Salah, Saudis, Suarez – und Russland

Die Gruppe A, bestehend aus Russland, Saudi-Arabien, Ägypten und Uruguay

Russland

Jetzt ist sie da – die WM in Russland, die den Russen die vierte WM-Teilnahme beschert. Vor vier Jahren gelang sogar die sportliche Qualifikation, in der Gruppenphase scheiterte man in Brasilien aber in einer eigentlich machbaren Gruppe mit Belgien, Algerien und Südkorea mit zwei Punkten. Die Algerier konnten nach einem derartigen Egoboost nur noch von Manuel Neuer gestoppt werden. Für die Russen begann die Zeit, sich ein WM-Team aufzubauen.

Zwischendrin gab es für deutsche Fans Sean-Dundee-Flashbacks, als die Russen anfingen, Spieler wie Konstantin Rausch und Roman Neustädter einzubürgern. Beide spielten sich jedoch abseits des Platzes schnell erfolgreich in den Hintergrund – und dürfen die WM auf der Couch verfolgen. Rausch verletzte sich kurz vor der Benennung des endgültigen Kaders. Dort stehen hauptsächlich Spieler aus der russischen Liga, der Premjer-Liga. Trainer Stanislaw Tschertschessow (2001/02 übrigens Spieler unter Joachim Löw in Innsbruck) steht dort nach wie vor ein überschaubares Talentebecken zur Verfügung.

In der russischen Liga ist seit 14 Jahren erstmals wieder Lokomotive Moskau Meister geworden. Im Kader dominieren dennoch Spieler von ZSKA (5) und Spartak (3). Lediglich die Mirantschuk-Zwillinge haben es vom Meister geschafft. Die beiden sind mit 22 Jahren schon so etwas wie die russische Hoffnung in der Zukunft  Neben dem vielseitigen Alexander Golovin (22) natürlich, der angeblich im Fokus von Klubs wie Manchester United steht.

Die WM-Vorbereitung mit „holprig“ zu umschreiben wäre geschönt: Seit Oktober wartet man auf einen Sieg, zuletzt gab es ein 1:1 gegen die Türkei und eine Niederlage gegen Österreich. Aber gegen die verliert ja momentan nicht nur Russland. Im Confed-Cup letztes Jahr scheiterte man in der Gruppe an Mexiko und Portugal, und auch dieses Mal ist es nur der vermeintlich leichten Auslosung zu verdanken, dass viele Russland im Achtelfinale sehen. Sollte Mo Salah bei Ägypten rechtzeitig fit werden und Saudi-Arabien seine überraschende Konterstärke aus den Testspielen behalten, könnte es selbst dafür knapp werden. Ein Sieg im Eröffnungsspiel gegen Saudi-Arabien könnte natürlich helfen, das Heimteam durch die WM zu tragen.

Trainer:
Stanislaw Tschertschessow

Tor:
Igor Akinfeev (ZSKA Moskau)
Vladimir Gabulov  (FC Brügge)
Andrei Lunev (Zenit St. Petersburg)

Abwehr:
Vladimir Granat (Rubin Kasan)
Fyodor Kudryashov (Rubin Kasan)
Ilja Kutepov (Spartak Moskau)
Andrej Semenow (Achmat Grosny)
Igor Smolnikow (Zenit St. Petersburg)
Mario Fernandes (ZSKA Moskau)
Sergei Ignashevich (ZSKA Moskau)

Mittelfeld:
Juri Gazinskiy (FK Krasnodar),
Alexander Golovin (ZSKA Moskau)
Alan Dzagoev (ZSKA Moskau)
Alexander Jerochin (Zenit St. Petersburg)
Juri Schirkow (Zenit St. Petersburg)
Daler Kuzjajew (Zenit St. Petersburg)
Roman Zobnin (Spartak Moskau)
Alexander Samedov (Spartak Moskau)
Anton Mirantschuk (Lokomotive Moskau)
Denis Cheryshev (FC Villarreal)

Angriff:
Artyom Dzyuba (Arsenal Tula)
Aleksei Mirantschuk (Lokomotive Moskau)
Fjodor Smolov (FK Krasnodar)

Saudi-Arabien

Bei Saudi-Arabien denken viele Fans nach wie vor an das legendäre 0:8 gegen Deutschland bei der WM 2002. Doch das man die Truppe nicht komplett unterschätzen sollte zeigte nicht zuerst das Testspiel gegen Deutschland am vergangenen Freitag (1:2). Auch gegen Italien unterlag man nur knapp (1:2) und holte zuvor 2:0-Erfolge gegen Algerien und Griechenland. Reicht es vielleicht sogar für eine Überraschung in der Gruppe?

Die Qualifikation meisterte man souverän noch vor Australien, hinter Japan auf Rang 2. Verantwortlich dafür war Trainer Bert van Marwijk, doch da man sich danach nicht auf einen Vertrag einigen konnte, geht die Mannschaft jetzt mit Trainer Pizzi ins Turnier. Im Vorfeld der WM hatte man im Winter einen Deal mit dem spanischen Verband abgeschlossen, der neun Saudis ein kurzfristiges Engagement innerhalb der ersten zwei spanischen Ligen ermöglichte. Gebracht hat es keinem wirklich etwas, und auch im endgültigen Kader der Nationalelf finden sich kaum welche von den Spielern, die ein halbes Jahr Bank und Tribüne in Spanien hinter sich haben.

Die Mannschaft dürfte vor allem auf Torjäger Al-Sahlawi setzen, mit 16 Toren in 13 Qualifikationsspielen wichtigster Offensivmann der Saudis, wobei derartige Zahlen ein bisschen an Glanz verlieren, wenn man sieht, das allein acht Tore aus zwei Spielen gegen Osttimor stammen  (7:0 und 10:0). Die Testspielergebnisse und das forsche Auftreten der Mannschaft bei Kontern lassen aufhorchen. Gelingt eine Überraschung im Eröffungsspiel, dürfte sich die Mannschaft in Russland direkt unbeliebt machen, aber sogar Chancen auf das Achtelfinale besitzen. Realistisch gesehen aber klarer Außenseiter der Gruppe.

Trainer:
Juan Antonio Pizzi (Argentinier)

Tor:
Mohammed Al-Owais (Al-Ahli Dschidda)
Yasser Al-Mosailem ( Al-Ahli Dschidda)
Abdullah Al-Mayouf (Al-Hilal Riad)

Abwehr:
Mansour Al-Harbi (Al-Ahli)
Motaz Hawsawi (Al-Ahli)
Yasir Al-Shahrani (Al-Hilal)
Mohammed Al-Burayk (Al-Hilal)
Osama Hawsawi (Al-Hilal)
Ali Al-Bulaihi (Al-Hilal)
Omar Hawsawi (Al-Nasr)

Mittelfeld:
Abdullah Al-Khaibari (Al-Hilal)
Salman Al-Faraj (Al-Hilal)
Mohamed Kanu (Al-Hilal)
Abdullah Otayf (Al-Hilal)
Taisir Al-Jassim (Al-Ahli)
Hussein Al Moghaw (Al-Ahli)
Abdulmalek Al-Khaibri (Al-Shabab)
Hattan Bahebri (Al-Shabab)
Salem Al-Dawsari (Villarreal)

Angriff:
Fahad Al-Muwallad (Levante)
Mohammad Al-Sahlawi (Al-Nasr)
Muhannad Assiri (Al-Ahli)

Ägypten

Wird er rechtzeitig fit? Alles dreht sich bei Ägypten dieser Tage nur um Superstar Mohammed Salah. Nachdem er im Champions League Finale von Sergio Ramos übel aus dem Spiel genommen wurde, scheint ein Einsatz bei der WM ein Wettrennen gegen die Zeit zu sein. Sie hätten ihn aber wahrscheinlich auch als Maskottchen mitgenommen. Nach 1934 und 1990 nimmt die Pharaonentruppe zum dritten Mal an einer WM teil. Ohne Salah wäre es wohl nicht dazu gekommen.

Wobei mittlerweile allein sieben Spieler aus dem Kader  derzeit in England ihr Geld verdienen. Das klingt gut. Doch auch der zweite Star neben Salah, Arsenal Londons Elneny, ist nach langer Verletzung noch nicht wieder ganz auf der Höhe seines Schaffens angekommen. Die letzten Testspiele ohne Salah liefen durchwachsen, einem Achtungserfolg gegen Kolumbien (0:0) folgten die klaren Grenzen gegen Belgien (0:3). Im vergangenen Jahr schaffte man es im Afrika-Cup zwar bis ins Finale, unterlag dort jedoch Kamerun. Die Qualifikationsgruppe zu dieser WM gewannen die Ägypter, doch auf dem Weg dahin gab es auch immer mal Niederlagen gegen Nationen wie Uganda und Tschad.

Im ersten Spiel gegen Uruguay dürfte für die Ägypter wenig gehen. Gegen die Heimtruppe aus Russland und Saudi-Arabien könnte Ägypten etwas reißen. Erst recht mit einem fitten Mo Salah, der dann im Achtelfinale auf Spanien und Sergio Ramos treffen könnte.

Trainer:
Héctor Cúper (Argentinier)

Tor:
Essam El-Hadary (Al Taawoun)
Mohamed El-Shennawy (Al Ahly)
Sherif Ekramy (Al Ahly)

Abwehr:
Ahmed Fathi (Al Ahly)
Saad Samir (Al Ahly)
Ayman Ashraf (Al Ahly)
Mahmoud Hamdy (Zamalek)
Mohamed Abdel-Shafy (Al Fath)
Ahmed Hegazi (West Brom)
Ali Gabr (West Brom)
Ahmed Elmohamady (Aston Villa)
Omar Gaber (LA Galaxy)

Mittelfeld:
Tarek Hamed (Zamalek)
Shikabala (Al Raed)
Abdallah Said (KuPS)
Sam Morsy (Wigan Athletic)
Mohamed Elneny (Arsenal London)
Ramadan Sobhi (Stoke City)
Mahmoud „Trezeguet“ Hassan (Kasimpasa)
Amr Warda (Atromitos)
Kahraba (Ittihad FC)

Angriff:
Marwan Mohsen (Al Ahly)
Mohamed Salah (Liverpool)

 

Uruguay

Wilde Vermutung: In Uruguay ist man nicht unzufrieden mit der Auslosung der Gruppenphase. Doch die Himmelblauen dürften so oder so mit Selbstbewusstsein zum Turnier reisen. In der schwierigen Südamerika-Qualifikation setzte man sich noch vor Argentinien und Kolumbien auf Platz 2 durch.

Auch wenn der gute alte Diego Forlan nicht mehr mit dabei ist – mit Luis Suarez und Edinson Cavani verfügt man über zwei Angreifer, die ihren Spaß mit den Abwehrreihen von Ägypten, Saudi-Arabien und Russland haben dürften, und die Verteidigung um Abwehrchef Diego Godin muss erstmal geknackt werden. Insbesondere die physische Spielweise von Uruguay dürfte Saudi-Arabien und Ägypten schwer bekömmlich sein.

2014 schaffte es Uruguay in der absolut absurden Gruppe mit Italien und England ins Achtelfinale – hinter Costa Rica. Genau. Falls ihr das vergessen habt. Entscheidend war ein 1:0-Sieg im letzten Gruppenspiel gegen Italien, ind em Luis Suarez einen eigenen Bite-of-Fame-Abdruck auf Chiellinis Hals kreierte (man achte auf rechts unten zu Beginn). Ohne den anschließend für neun Spiele gesperrten Beißer gab es ein sang- und klangloses Aus im Achtelfinale gegen Kolumbien. Diesmal dürfte es auch mit weniger Biss fürs Achtelfinale reichen. Mit voller Besetzung dürfte das Viertelfinale zumindest drin sein.

 

Trainer:
Oscar Washington Tabarez

Tor:
Martin Campana (Independiente)
Fernando Muslera (Galatasaray)
Martin Silva (Vasco da Gama)

Abwehr:
Martin Caceres (Lazio Rom)
Sebastian Coates (Sporting Lissabon)
Jose Maria Gimenez (Atletico Madrid)
Diego Godin (Atletico Madrid)
Maximiliano Pereira (FC Porto)
Gaston Silva (Independiente)
Guillermo Valera (Penarol)

Mittelfeld:

Giorgian de Arrascaeta (Cruzeiro)
Rodrigo Bentancur (Juventus Turin)
Diego Laxalt (FC Genua)
Nahitan Nandez (Boca Juniors)
Cristian Rodriguez (Penarol)
Carlos Sanchez (CF Monterrey)
Lucas Torreira (Sampdoria Genua)
Jonathan Urretaviscaya (CF Monterrey)
Matias Vecino (Inter Mailand)

Angriff:
Edinson Cavani (Paris St. Germain)
Maximiliano Gomez (Celta Vigo)
Cristhian Stuani (FC Girona)
Luis Suarez (FC Barcelona)

Prognose:

Alles andere als ein klarer Gruppensieg von Uruguay wäre eine Überraschung. Dahinter wird es eng. Die Ägypter werden abhängig vom Genesungsprozess Salahs sein. Für Russland spricht zu diesem Zeitpunkt fast nur der Heimbonus sowie die Tatsache, dass die Physis gegen Saudi-Arabien und Ägypten zum Pluspunkt werden könnte. Insbesondere die Saudis könnten in dieser Gruppe überraschen, wenn Russland es nicht schafft, den Druck der Heim-WM zum Vorteil zu nutzen. Gewinnt Russland das Eröffnungsspiel, könnte sich dort aber etwas aufbauen. Tipp: Uruguay setzt sich deutlich vor Russland durch – für die im Achtelfinale dann halt gegen Spanien die WM vorbei ist.

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