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WM 2018 – Gruppe D: Messis Trauma, Okochas Neffe und Islands Debüt

Argentinien

Im vergangenen Oktober drohte Argentinien die WM in Russland zu verpassen. Dann folgte im letzten Spiel gegen Ecuador die Gala von Lionel Messi. Mit drei Treffern schoss er die Albiceleste im Alleingang zum Turnier. Es wird seine vierte WM werden. Die drei vergangenen endeten alle gleich: Mit dem Ausscheiden der Argentinier gegen Deutschland. Der WM-Finalist von 2014 zählt für viele nicht zum engsten Favoritenkreis. Doch allein von der nominellen Besetzung im Angriff können viele Teams nur träumen. Mit Mauro Icardi ließ man sogar den Torschützenkönig der Serie A (29 Tore in 34 Partien) zuhause! Dessen Stand ist in Argentinien jedoch seit ein paar Jahren wacklig. Der Grund: Das vermeintliche Ausspannen der Frau von Teamkollege Maxi Lopes! Soviel Boulevard muss sein.

Beide sind nicht bei der WM dabei. Doch die Offensive um Lionel Messi (47 Pflichtspieltore), Gonzalo Higuain (27), Sergio Aguero (31), Angel di Maria (22) und Paulo Dybala (26) lässt sowieso kaum Wünsche offen. Für viele aus dem Kader dürfte es die letzte Möglichkeit sein, bei einer WM doch noch den ganz großen Wurf zu landen. Ein wichtiger Bestandteil der alten Garde wird dabei jedoch fehlen: Stammtorwart Romero fällt beim Turnier verletzt aus. 94 Länderspiele hatte er bis dato auf dem Buckel. Die drei Torhüter, die in Russland dabei sein werden, kommen alle zusammen nicht einmal auf zehn Spiele. Dazu hat Argentinien insbesondere auf den defensiven Außenbahnen seine Probleme. Deutlich zu sehen war das im März beim Testspiel gegen Spanien, wo es ein heftiges 1:6 (!) setzte. Dazu gab es Probleme en masse: Von Spielerstreiks bis hin zu Ärger im argentinischen Verband.

Dennoch dürfte die Gruppenphase kein Problem darstellen. Und Lionel Messi hofft wohl nur darauf, dass Deutschland einen anderen Turnierweg wählt als den der Argentinier.

Trainer:
Jorge Sampaoli

Tor:
Franco Armani (River Plate)
Wilfredo Caballero (FC Chelsea)
Nahuel Guzman (Tigres UANL)

Abwehr:
Marcos Acuna (Sporting Lissabon)
Cristian Ansaldi (FC Turin)
Federico Fazio (AS Rom)
Javier Mascherano (Hebei China Fortune)
Gabriel Mercado (FC Sevilla)
Nicolas Otamendi (Manchester City)
Marcos Rojo (Manchester United)
Eduardo Salvio (Benfica Lissabon)
Nicolas Tagliafico (Ajax Amsterdam)

Mittelfeld:
Ever Banega (FC Sevilla)
Lucas Biglia (AC Mailand)
Angel Di Maria (Paris St. Germain)
Nahuel Guzman (Tigres UANL) (nachnominiert für Manuel Lanzini / Kreuzbandriss)
Giovani Lo Celso (Paris St. Germain)
Maximiliano Meza (Independiente)
Cristian Pavon (Boca Juniors)

Angriff:
Sergio Agüero (Manchester City)
Paulo Dybala (Juventus Turin)
Gonzalo Higuain (Juventus Turin)
Lionel Messi (FC Barcelona)

Kroatien

Wie eh und je begegnen einem eine Menge bekannter Namen im Kader von Kroatien. Allein fast alle Stürmer spielen oder spielten in der Bundesliga, mit Ivan Rakitic und Luka Modric verfügt man zudem über zwei der besten Mittelfeldspieler Europas, die es zusammen inzwischen auf fast 200 Länderspiele bringen. Dennoch reichte es in der WM-Qualifikation nur zu Platz 2 hinter Island. In der Relegation setzte man sich dann souverän gegen Griechenland durch.

Das Potential der Kroaten scheint gewohnt groß zu sein. Die Frage, ob sie es auf den Platz bringen, ist eine ganz andere. Wollen sie ins Achtelfinale, müssen sie diesmal besser sein als Island, die sich wie in der Qualifikation auch bei der WM in der gleichen Gruppe tummeln. Doch die Voraussetzungen dafür sind nicht rosig. Zum mühsamen Erreichen der Endrunde kommen mittelmäßige Testspielergebnisse im Jahr 2018, über das auch der jüngste 2:1-Sieg gegen WM-Teilnehmer Senegal nicht hinwegtäuschen kann.

Bei der letzten WM durfte man das Eröffnungsspiel bestreiten, scheiterte aber in der Gruppenphase an Brasilien und Mexiko. Mit einem Kader, der neben den beiden Superstars im Mittelfeld noch Hochkaräter wie Mario Mandzukic, Ivan Perisic und Matteo Kovacic besitzt, muss das Achtelfinale rein nominell Pflicht sein. Ob Island nach der EM 2016 und nach der Qualifikation zur WM 2018 auch diesmal überraschen kann? Nur wenn die Kroaten ihre individuelle Qualität im Mannschaftsgefüge abrufen können, wird das zu verhindern sein. Dennoch favorisiert für den zweiten Platz in der Gruppe D, was im Achtelfinale jedoch wahrscheinlich ein Duell mit Frankreich bedeuten würde.

Trainer:
Zlatko Dalic

Tor:
Lovre Kalinic (KAA Gent)
Dominik Livakovic (Dinamo Zagreb)
Danijel Subasic (AS Monaco)

Abwehr:
Duje Caleta-Car (Red Bull Salzburg)
Vedran Corluka (Lokomotive Moskau)
Tin Jedvaj (Bayer Leverkusen)
Dejan Lovren (FC Liverpool)
Josip Pivaric (Dynamo Kiew)
Ivan Strinic (Sampdoria Genua)
Domagoj Vida (Besiktas Istanbul)
Sime Vrsaljko (Atletico Madrid)

Mittelfeld:
Milan Badelj (AC Florenz)
Filip Bradaric (HNK Rijeka)
Marcelo Brozovic (Inter Mailand)
Mateo Kovacic (Real Madrid)
Luka Modric (Real Madrid)
Ivan Rakitic (FC Barcelona)

Angriff:
Nikola Kalinic (AC Mailand)
Andrej Kramaric (1899 Hoffenheim)
Mario Mandzukic (Juventus Turin)
Ivan Perisic (Inter Mailand)
Marko Pjaca (Schalke 04)
Ante Rebic (Eintracht Frankfurt)

Nigeria

Nur Legenden im Kader von Nigeria! Besser gesagt: Im Trainerstab. Neben Trainer Gernot Rohr, der mit Bayern München als Spieler in den 70ern zweimal Deutscher Meister wurde, arbeiten auch Jay-Jay Okocha und Viktor Agali für die nigerianische Nationalmannschaft. Nach Gabun, Niger und Burkina Faso ist Nigeria die vierte Trainerstation für Rohr bei afrikanischen Nationalmannschaften. Bei Nigeria hat er für einen Umbruch gesorgt. Nigeria hat einen der jüngsten Kader aller WM-Teilnehmer. Gleichzeitig wurde  die sechste WM-Qualifikation des Landes erreicht, trotz einer Gruppe mit Sambia, Kamerun und Deutschlandschreck Algerien. Wen man aus dem ersten Topf zugelost bekommt, war aber wohl jedem Nigerianer klar: Gegen Argentinien tritt man nun zum fünften Mal bei sechs WM-Teilnahmen teil. Jedes Mal gewann Argentinien mit exakt einem Tor Vorsprung.

John Obi Mikel hat sich nach elf Jahren bei Chelsea London inzwischen zwar in die chinesische Liga zurückgezogen, ist aber immer noch zentraler Punkt der Mannschaft. Mit Victor Moses und den jungen Stürmern Alex Iwobi und Kelechi Iheanacho verfügt die Truppe aber über ordentliches Offensivpotenzial. Iwobi schoss die Nigerianer bereits zur WM und war auch einziger Torschütze im Test gegen England Anfang Juni (1:2). Der Neffe von Jay Jay Okocha bräuchte nach einer durchwachsenen Saison bei Arsenal (drei Tore) jedoch eine deutliche Leistungssteigerung, um Nigeria im Turnier zu halten.

Die Gegner dürften jedoch gewarnt sein: Vor vier Jahren schaffte es Nigeria – natürlich hinter Argentinien – aber vor Bosnien und Herzegowina auf Platz 2 und ins Achtelfinale, wo gegen Frankreich Endstation war. Ein Duell, was auch diesmal möglich wäre, sollte man Platz 2 in der Gruppe erreichen. Die Super Eagles sollten nicht unterschätzt werden, sind jedoch letztendlich der Außenseiter der Gruppe.

Trainer:
Gernot Rohr (Deutschland)

Tor:
Francis Uzoho (Deportivo La Coruna)
Ikechukwu Ezenwa (Enyimba Aba)
Daniel Akpeyi (Chippa United)

Abwehr:
Kenneth Omeruo (Kasimpasa)
Elderson Echiejile (Cercle Brügge)
Leon Balogun (FSV Mainz 05)
Tyronne Ebuehi (ADO Den Haag)
Bryan Idowu (Amkar Perm)
Chidozie Awaziem (FC Nantes)
William Troost-Ekong (Bursaspor)
Abdullahi Shehu (Bursaspor)

Mittelfeld:
Wilfred Ndidi (Leicester City)
Ogenyi Onazi (Trabzonspor)
John Obi Mikel (Tianjin TEDA FC)
John Ogu (Hapoel Be’er Sheva)
Oghenekaro Etebo (UD Las Palmas)
Joel Obi (FC Turin)

Angriff:
Simeon Nwankwo (FC Crotone)
Victor Moses (FC Chelsea)
Odion Ighalo (Changchun Yatai)
Kelechi Iheanacho (Leicester City)
Ahmed Musa (ZSKA Moskau)
Alex Iwobi (FC Arsenal)

Island

Die Publikumslieblinge der EM 2016 sind auch bei der WM 2018 dabei, zur Freude vieler Fußballfans. Und wie: In der Qualifikation ließ man Gruppengegner Kroatien hinter sich und zeigte eindrucksvoll, dass man es hier nicht mit einer Einturnierfliege zu tun hat. Dass die Nation mit den rund 330.000 Einwohnern jetzt aber auch noch die erste Fußball-WM seiner Geschichte spielen darf ist dennoch eine Sensation. Damit löst man auch Trinidad & Tobago ab – als WM-Teilnehmerland mit den wenigsten Einwohnern.

Der Kader der Isländer hat sich nicht groß gewandelt – und der Star ist weiterhin die Mannschaft, wenn auch einzelne Akteure wie Evertons Sigurdsson oder Augsburgs Finnbogason hervorstechen. Dank Rurik Gislason ist auch der SV Sandhausen bei der WM 2018 vertreten. Und verträumte Islandromantik hin oder her – faktisch spielen fast alle Spieler aus dem WM Kader inzwischen quer verteilt in Europa, von Russland bis nach Bulgarien.

Die Gegner dürften gewarnt sein – Island ist nicht zu unterschätzen und nervenstark. Das zeigte man in der Qualifikation zum Beispiel am vorletzten Spieltag, als sie der Türkei durch einen 3:0-Auswärtserfolg endgültig die WM-Chance raubten. Die letzten Testspiele misslangen jedoch. Im März gab es Niederlagen gegen Mexiko (0:3) und Peru (1:3), im Juni war es kaum besser gegen Norwegen (2:3) und Ghana (2:2).

Dass nach der EM 2016 inflationär und überall eingesetzte „Hu!“ zwischen Fans und Mannschaft ist inzwischen (zum Glück) markenrechtlich geschützt. Eigentlich kann dann nichts schief gehen. Nur die gestiegene Erwartungshaltung könnte nerven. Doch im ersten Spiel gegen Argentinien hat man nichts zu verlieren. Perfekt für eine Überraschung? Trotz EM 2016 und WM-Quali 2018 bedarf es einer überdurchschnittlichen Vorstellung, um in der Gruppe weiterzukommen.

Trainer:
Heimir Hallgrímsson

Torhüter:
Hannes Halldorsson (Randers)
Runar Runarsson (Nordsjaelland)
Frederik Schram (Roskilde)

Abwehr:
Birkir Saevarsson (Valdur Reykjavik)
Sverrir Ingason (Rostov)
Ragnar Sigurdsson (Rostov)
Kari Arnason (Aberdeen)
Holmar Eyjolfsson (Levski Sofia)
Hordur Magnusson (Bristol City)
Ari Skulason (Lokeren)

Mittelfeld:
Samuel Fridjonsson (Valerenga)
Albert Gudmundsson (PSV Eindhoven)
Johann Gudmundsson (Burnley)
Birkir Bjarnason (Aston Villa)
Gylfi Sigurdsson (Everton)
Olafur Skulason (Karabükspor)
Aron Gunnarsson (Cardiff City/Wales)
Rurik Gislason (SV Sandhausen)
Emil Hallfredsson (Udinese Calcio)
Arnor Traustason (Malmö FF)

Angriff:
Björn Sigurdarson (Rostov)
Alfred Finnbogason (FC Augsburg)
Jon Bodvarsson (Reading)

Prognose:

Die Kroaten und Argentinier kommen mit routinierten Teams zur WM, Nigeria mit vielen Talenten und Island zum ersten Mal und hochmotiviert. Eine schwierig einzuschätzende Gruppe, in der es letzten Endes jedoch wohl nur um Platz 2 hinter Argentinien gehen wird. Island zeigte in den Testspielen Formschwäche, aber auch Nigeria und Kroatien sind nicht vollends überzeugend. Bei den Kroaten stehen die entscheidenden Spieler vor ihrem letzten Turnier – einmal Achtelfinale ist da noch drin.

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