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WM 2018 – Gruppe E: Brasilien + X? Kann Costa Rica es nochmal tun?

BRASILIEN

Brasilien ist zurück. So liest man es momentan überall. Vier Jahre nach der Heim-WM, die mit dem traumatischen 1:7 gegen Deutschland im Halbfinale endete, sehnt man sich in Brasilien nach Wiedergutmachung. Und der Weg dahin ist eindrucksvoll. In der schweren Südamerika-Qualifikation distanzierte Brasilien allein den zweitplatzierten aus Uruguay deutlich mit 10 Punkten Vorsprung. Lediglich im ersten von 18 Spielen setzte es eine Niederlage gegen Chile.

Vor vier Jahren war die Mannschaft dem kompletten Druck der Nation ausgesetzt. Erst jetzt scheint es, als könnte sie diesem gewachsen sein. Mit Philippe Coutinho, Gabriel Jesus oder Roberto Firmino gibt es offensiv genug Power, um Neymar zu entlasten – der gerade rechtzeitig zur WM wieder fit geworden ist und seitdem in den Testspielen nach Belieben trifft. Trainer Tite hat den Kader so verändert, wie er es brauchte. David Luiz, 2014 noch Kapitän, ist gar nicht dabei, dafür steht ein gewisser Pedro Geromel, den man aus der Bundesliga nur von seinen Leistungen vom 1.FC Köln kennt, Seite an Seite mit Kalibern wie Real Madrids Marcelo. Unter Carlos Dunga waren Bundesliga-Akteure im brasilianischen Kader noch gern gesehen, unter Tite ist man zurück zu alten Mustern gegangen. Sehr zum Missfallen eines Spielers wie Naldo.

Tite weiß genau, wen er sehen will. So verriet er bereits im Februar die Aufstellung für das erste Spiel der WM. Im Mittelfeld kommt Brasilien weniger mit der feinen Klinge, sondern starker Physis in Form eines Casemiro, Renato Augusto oder Paulinho. Dabei wäre es nicht so, dass diese Spieler nicht auch technisch stark wären. In den Testspielen gewann man zuletzt munter weiter, schlug im März auch Deutschland mit 1:0 und hat prinzipiell nur das Problem, dass es fast schon zu gut läuft. Die Gruppe sollte für Brasilien dennoch erstmal nur ein Warmlaufen werden.

Trainer:
Tite

Tor:
Alisson Becker (AS Rom)
Ederson (Manchester City)
Cassio (Corinthians Sao Paulo)

Abwehr:
Danilo (Manchester City)
Fagner (Corinthians Sao Paulo)
Miranda (Inter Mailand)
Marquinhos (Paris St. Germain)
Thiago Silva (Paris St. Germain)
Pedro Geromel (Gremio Porto Alegre)
Marcelo (Real Madrid)
Filipe Luis (Atletico Madrid)

Mittelfeld:
Casemiro (Real Madrid)
Fernandinho (Manchester City)
Fred (Schachtjor Donezk)
Paulinho (FC Barcelona)
Renato Augusto (Beijing Guoan)
Philippe Coutinho (FC Barcelona)
Willian (FC Chelsea)

Angriff:
Neymar (Paris St. Germain)
Gabriel Jesus (Manchester City)
Roberto Firmino (FC Liverpool)
Douglas Costa (Juventus Turin)
Taison (Schachtjor Donezk)

SCHWEIZ

Die Schweiz reist mit zehn Spielern aus der Fußball-Bundesliga im Gepäck nach Russland. Fast wäre es dazu nicht gekommen – trotz einer nahezu perfekten Qualifikation. Doch Portugal und die Schweiz holten beide je neun Siege bei einer Niederlage, und die Schweiz musste in den Play-Offs gegen Nordirland nachsitzen. Beide Vergleiche blieben bis auf ein entscheidendes Elfmetertor vom Ex-Wolfsburger Ricardo Rodriguez torlos.

Vor vier Jahren zog die Schweiz, damals noch unter Ottmar Hitzfeld, souverän (trotz 2:5 gegen Frankreich) ins Achtelfinale und unterlag dort dem späteren Finalisten Argentinien erst in der Verlängerung. Auch vier Jahre später ist ein Weiterkommen der Nati gut möglich – auch wenn das Auftaktspiel gegen Brasilien direkt eine riesige Hürde darstellt. Alle Spieler im Kader spielen auf hohem Niveau. Im Tor hat man mit Yann Sommer einen überragenden Keeper, in der Abwehr findet man gute Spieler wie den routinierten Lichtsteiner oder Ex-HSVler Djourou, während vorne die Abteilung Attacke mit  Spielern wie Shaqiri oder Seferovic aufwartet.

Es sind nicht die ganz großen Namen, weswegen die Schweiz es wohl auch schwer haben wird, zum ersten Mal seit 60 Jahren weiter als bis zum Achtelfinale zu kommen. Allein daran sollte man noch keinen Gedanken verschwenden – mit Costa Rica und Serbien warten erstmal zwei anspruchsvolle Aufgaben für das Team von Vladimir Petkovic.

Trainer:
Vladimir Petkovic

Tor:
Roman Bürki (Dortmund)
Yann Sommer (Gladbach)
Yvon Mvogo (Leipzig)

Abwehr:
Manuel Akanji (Dortmund)
Johan Djourou (Antalyaspor)
Nico Elvedi (Gladbach)
Michael Lang (Basel)
Stephan Lichtsteiner (Juventus)
Jacques-Francois Moubandje (Toulouse)
Ricardo Rodriguez (Milan)
Fabian Schär (La Coruna)

Mittelfeld:
Valon Behrami (Udinese)
Blerim Dzemaili (Bologna)
Gelson Fernandes (Frankfurt)
Remo Freuler (Bergamo)
Xherdan Shaqiri (Stoke City)
Granit Xhaka (Arsenal)
Denis Zakaria (Gladbach)
Steven Zuber (Hoffenheim)

Angriff:
Josip Drmic (Gladbach)
Breel Embolo (Schalke)
Mario Gavranovic (Zagreb)
Haris Seferovic (Benfica)

SERBIEN

Serbien ist für viele Fußballfans immer noch schwer einzuschätzen. Seit 2006 haben die Serben alleine eine Nationalmannschaft, zum zweiten Mal qualifiziert sich diese nach 2010 für die WM. Dabei blieb Serbien in der Quali vor Irland und sorgte auch dafür, dass sowohl EM-Halbfinalist Wales um Gareth Bale als auch Österreich eine Teilnahme verwehrt blieb. Die Qualifikation zur WM erfolgte noch unter Trainer Slavoljub Muslin. Dann kam es jedoch zum Bruch. Der serbische Verband wollte wohl, dass Sergej Milinkovic-Savic, serbisch-montenegrischer Jungstar von Lazio Rom nominiert wird, bevor Montenegro den Spieler kriegt. Muslin weigerte sich – und musste gehen. Nachfolger wurde Ex-Bremer und -Schalker Mladen Krstajic, der jetzt mit Serbien zur WM darf. Und Milinkovic-Savic mitnimmt, versteht sich.

Wie groß dessen Rolle letztendlich sein wird, bleibt abzuwarten. Der Fokus der gegnerischen Verteidiger dürfte auf Aleksandar Mitrovic liegen, mit sechs Toren bester Torjäger der Serben in der Qualifikation. In der Verteidigung wartet die ganze Erfahrung von Branislav Ivanovic, der inzwischen nicht mehr bei Chelsea, sondern St. Petersburg spielt. Fehlen wird dort Schalkes Nastasic, der nach Kreuzbandriss nicht rechtzeitig fit wurde. Im Mittelfeld steht mit Manchester Uniteds Nemanja Matic wohl der größte Star der Mannschaft, wohl neben ebenjenem Milinko-Savic. Als kreativer Vorlagengeber fungiert Southamptons Dusan Tadic.

Nach einer knappen Niederlage gegen Chile (0:1) zeigte man sich gegen Bolivien (5:1) in Torlaune. Serbien hat durchaus gute Chancen auf das Achtelfinale – dafür ist die erste Partie gegen Costa Rica aber bereits ausschlaggebend.

Trainer:
Mladen Krstajic

Tor:
Marko Dmitrovic (SD Eibar)
Predrag Rajkovic (Maccabi Tel Aviv)
Vladimir Stojkovic (Partizan Belgrad)

Abwehr:
Branislav Ivanovic (Zenit St. Petersburg)
Aleksandar Kolarov (AS Rom)
Nikola Milenkovic (AC Florenz)
Milan Rodic (Roter Stern Belgrad)
Antonio Rukavina (FC Villarreal)
Uros Spajic (RSC Anderlecht)
Dusko Tosic (Besiktas Istanbul)
Milos Veljkovic (Werder Bremen)

Mittelfeld:
Marko Grujic (Cardiff City)
Filip Kostic (Hamburger SV)
Adem Ljajic (FC Turin)
Nemanja Matic (Manchester United)
Sergej Milinkovic-Savic (Lazio Rom)
Luka Milivojevic (Crystal Palace)
Nemanja Radonjic (Roter Stern Belgrad)
Dusan Tadic (FC Southampton)
Andrija Zivkovic (Benfica Lissabon)

Angriff:
Luka Jovic (Eintracht Frankfurt)
Aleksandar Mitrovic (FC Fulham)
Aleksandar Prijovic (PAOK Saloniki)

COSTA RICA

WM 2014. Alle sprechen von der Todesgruppe D. Denn darin sind schließlich: England. Italien. Uruguay. Na gut. Und Costa Rica. Von vielen Seiten bekamen die Mittelamerikaner Mitleid zugesprochen, mit so einer Gruppe wohl jede Chance auf ein Weiterkommen vergessen zu können. Drei Spiele später (3:1 gegen Uruguay, 1:0 gegen Italien, 0:0 gegen England) grüßte Costa Rica als Gruppenerster von oben, bezwang im Elfmeterschießen Griechenland im Achtelfinale und wurde nur durch die Niederlande gestoppt – ebenfalls erst im Elfmeterschießen. Costa Rica schied ungeschlagen aus. Real Madrid reagierte – und kaufte Keeper Keylor Navas.

Es bleibt fraglich, ob Costa Rica noch einmal ähnliche Leistungen zeigen kann. In der Mittelamerika-Qualifikation blieben sie deutlich hinter Mexiko auf Platz 2, qualifizierten sich damit  jedoch souverän für die Weltmeisterschaft. Doch von zehn Spielen der Qualifikation wurden lediglich vier gewonnen, bei vier Unentschieden und zwei Niederlagen. In den jüngsten Testspielen setzte es ein 0:2 gegen England und ein 1:4 gegen Belgien – das nennt man wohl „klare Grenzen“.

Doch auch 2014 hatte niemand die Truppe auf der Rechnung, die von Kapitän Bryan Ruiz angeführt wird. Ebenfalls dabei ist 2014-Shootingstar Joel Campbell im Sturm, der mit nur 25 Jahren inzwischen bereits 75 Länderspiele auf dem Buckel hat. Erneut wird Costa Rica als Außenseiter in die Gruppe gehen. Umso mehr dieses Image aber im Vorfeld kommuniziert wird, umso mehr wird es die Jungs vielleicht freuen. Und wer weiß, was diesmal passiert.

Tor:
Keylor Navas (Real Madrid)
Patrick Pemberton (Alajuelense)
Leonel Moreira (Herediano)

Abwehr:
Giancarlo Gonzalez (Bologna)
Johnny Acosta (Águilas Doradas)
Cristian Gamboa (Celtic)
Bryan Oviedo (Sunderland)
Oscar Duarte (Espanyol)
Francisco Calvo (Minnesota United)
Kendall Waston (Vancouver Whitecaps FC)
Ronald Matarrita (New York City FC)
Ian Smith (Norrköping)

Mittelfeld:
Celso Borges (Deportivo La Coruna)
Christian Bolanos (Saprissa)
Randall Azofeifa (Herediano)
Yeltsin Tejeda (Lausanne)
David Guzman (Portland Timbers)
Rodney Wallace (New York City FC)
Daniel Colindres (Saprissa)

Sturm:
Bryan Ruiz (Sporting CP)
Joel Campbell (Real Betis)
Marco Urena (Los Angeles FC)
Johan Venegas (Saprissa)

Prognose:

Brasilien wird in der Gruppe wohl wenig Mühe haben, um als Gruppenerster ins Achtelfinale einzuziehen. Die Achtelfinalpartien werden gegen die deutsche Gruppe F bestritten, weswegen der zweite Platz auch nicht allzu verlockend sein dürfte (für Deutschland wiederum auch nicht). Hinter Brasilien stehen drei Mannschaften, von denen jeder der Einzug ins Achtelfinale zuzutrauen wäre. Die Schweiz könnte beim Auftakspiel gegen Brasilien bereits einiges an Selbstvertrauen verlieren, während der Verlierer der Partie Serbien gegen Costa Rica bereits die Koffer packen kann. Vielleicht ist es diesmal ja an der Zeit für Serbien, unter Krstajic das Weiterkommen zu schaffen.