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WM 2018 – Gruppe H: Ein Trainerwechsel im April & Falcaos zweite Chance

Kolumbien

Bei der WM in Brasilien vor vier Jahren trumpfte Kolumbien groß auf – allen voran James Rodriguez, der Torschützenkönig wurde – und natürlich anschließend wie Costa Ricas Keylor Navas von Real Madrid verpflichtet wurde. Unter seinen Treffern war damals auch das Tor des Jahres 2014:

Auch diesmal war James Rodriguez für Kolumbien entscheidend: Mit sechs Treffern war er bester Torschütze in der Qualifikation, in der man das WM-Ticket erst am letzten Spieltag durch ein 1:1 gegen Peru. Torschütze? Natürlich James Rodriguez. Doch Kolumbien ist nicht nur James. Im Sturm sind die alternden Radamel Falcao (32) und Carlos Bacca (31) brandgefährlich, auf dem Flügel bringt Juan Cuadrado ordentlich Tempo. Die Mannschaft scheint homogen besetzt zu sein. Coach José Pekerman fährt zum dritten Mal als Trainer zu einer WM (2006 mit Argentinien, 2014 mit Kolumbien) und leitet bereits seit sechs Jahren die Geschicke für Kolumbien.

2014 verpasste Falcao noch das Turnier. Umso motivierter wird er sein, bei seiner wohl einzigen WM in der Karriere Eindruck zu hinterlassen. Tatsächlich sind nur noch neun Akteure dabei, die vor vier Jahren im Team waren. Insbesondere die Abwehr vor Arsenals Backup David Ospina ist bis auf AC Mailand-Routinier Zapata fast komplett ausgetauscht und verjüngt worden mit Talenten wie Tottenhams Davinson Sanchez (22). Die Erfahrung liegt in den anderen Mannschaftsbereichen, wo insbesondere Abel Aguilar (Länderspieldebüt 2004) als Mittelfeldstabilisator für Ruhe sorgen soll. Nicht mehr dabei ist übrigens Juan Zuniga, der im Viertelfinale 2014 Neymar mit einem üblen Foul aus dem Turnier nahm. Körperlich starke und schnelle Spieler hat Kolumbien aber immer noch zuhauf, und die Qualität der Mannschaft ist nicht zu unterschätzen.

Mit Gruppe H hat Kolumbien ein mehr als machbares Angebot an Gegnern bekommen. Der Gruppensieg erscheint realistisch – doch Polen wird es den Südamerikanern nicht leicht machen. Im Achtelfinale wartet für Kolumbien aber vermutlich England oder Belgien. Ein erneuter Einzug ins Viertelfinale erscheint angesichts des Kaders jedoch nicht ausgeschlossen.

Trainer:
Jose Pekerman

Tor:
David Ospina (Arsenal)
Camilo Vargas (Deportivo Cali)
Jose Cuadrado (Once Caldas)

Abwehr:
Cristian Zapata (AC Mailand)
Davinson Sanchez (Tottenham)
Santiago Arias (Eindhoven)
Oscar Murillo (Pachuca/Mexiko)
Frank Fabra (Boca Juniors) (nach Kreuzbandriss Farid Díaz (Olimpia Asunción) nachnominiert)
Johan Mojica (Girona)
Yerry Mina (FC Barcelona)

Mittelfeld:
Wilmar Barrios (Boca Juniors)
Carlos Sanchez (Espanyol Barcelona)
Jefferson Lerma (Levante)
Jose Izquierdo (Brighton & Hove Albion)
James Rodriguez (FC Bayern)
Abel Aguilar (Deportivo Cali)
Mateus Uribe (America/Mexiko)
Juan Quintero (River Plate)
Juan Cuadrado (Juventus)

Angriff:
Radamel Falcao (Monaco)
Miguel Borja (Palmeiras)
Carlos Bacca (Villarreal)
Luis Muriel (FC Sevilla)

 

Polen

Die letzten zwei Weltmeisterschaften musste Polen zuschauen, jetzt ist man wieder dabei. Und zwar ohne Zweifel: Souverän setzte man sich mit 8 Siegen bei einem Remis und einer Niederlage in der Quali-Gruppe vor Dänemark durch. 16 von 28 Treffern erzielte dabei Bayerns Robert Lewandowski, damit erfolgreichster Torschütze der WM-Qualifikation. Auch in Russland wird die Form von Lewandowski entscheidend sein, da Polen in großem Maße von seiner Torjägerqualität abhängig ist. Nachdem er durch seinen Berater mal wieder einen Wechselwunsch hat verlauten lassen, sollte er zusätzlich motiviert sein.

Dabei ist Lewandowski mitnichten der einzige Spieler, auf den man sich bei Polen konzentrieren sollte. Da gibt es zum Beispiel Abwehrchef Kamil Glik, dessen Einsatz aber immer noch auf der Kippe steht. Mit Dortmunds Piszczek, Wolfsburgs Blaszczykowski und dem Ex-Kölner Peszko stehen auch eine Menge Bundesliga-Erfahrung und sz-Buchstabenkombinationen im Kader. Besonders spannend ist aber das Duo vom SSC Neapel, Arkadiusz Milik und Piotr Zielinski. Der hoch gehandelte Milik – ebenfalls aus Bundesliga-Zeiten noch bekannt, hat eine enttäuschende Saison hinter sich, ist mit 24 Jahren aber immer noch mit reichlich Potential ausgestattet. Ebenso wie Zielinski, den sein Trainer Maurizio Sarri mal eben in eine Kategorie mit Kevin de Bruyne packt. Ebenfalls bekannt ist Mittelfeldstratege Krychowiak, der Teil der Mannschaft beim FC Sevilla war, die dreimal hintereinander den Europa League Titel holte. Danach ging er mit Sevilla-Coach Emery nach Paris, wo er sich nicht durchsetzte. Inzwischen spielt er bei West Bromwich Albion. Viel Potenzial – für Polen wäre es immens wichtig, dass dieses zur WM abgerufen wird.

In den letzten Tests gab es ein 2:2 gegen Chile, ein 4:0 gegen Litauen. Ganz klar: Die Gruppenphase muss für Polen machbar sein. Robert Lewandowski könnte die Abwehrreihen Senegals und Japans ordentlich durcheinander wirbeln. Angesichts der möglichen Achtelfinalgegner erscheint es jedoch unwahrscheinlich, dass Polen darüber hinaus im Turnier bleibt.


Trainer:
Adam Nawalka

Tor:
Bartosz Bialkowski (Ipswich Town)
Lukasz Fabianski (Swansea City)
Wojciech Szczesny (Juventus Turin)

Abwehr:
Jan Bednarek (FC Southampton)
Bartosz Bereszynski (Sampdoria Genua)
Thiago Cionek (SPAL)
Kamil Glik (AS Monaco)
Artur Jedrzejczyk (Legia Warschau)
Michal Pazdan (Legia Warschau)
Lukasz Piszczek (Borussia Dortmund)

Mittelfeld:
Jakub Blaszczykowski (VfL Wolfsburg)
Jacek Goralski (PFK Ludogorets Razgrad)
Kamil Grosicki (Hull City)
Grzegorz Krychowiak (West Bromwich Albion)
Rafal Kurzawa (Gornik Zabrze)
Karol Linetty (Sampdoria Genua)
Slawomir Peszko (Lechia Gdansk)
Maciej Rybus (Lokomotive Moskau)
Piotr Zielinski (SSC Neapel)

Sturm:
Dawid Kownacki (Sampdoria Genua)
Robert Lewandowski (Bayern München)
Arkadiusz Milik (SSC Neapel)
Lukasz Teodorczyk (RSC Anderlecht)

Senegal

Erstmals seit 2002 ist auch Senegal wieder mit von der Partie. In der Qualifikation setzte man sich erst gegen Madagaskar, und dann in der Gruppe vor Burkina Faso, Kap Verde und Südafrika durch. Dabei hatte man das Hinspiel gegen Südafrika erst mit 2:1 verloren. Nachdem der Schiedsrichter jedoch wegen Spielmanipulation lebenslänglich gesperrt wurde, wurde auch die Wertung der Partie annuliert. Das Wiederholungsspiel gewann Senegal mit 2:0.

Der bekannteste Name im Kader ist Liverpools Sadio Mane, der unter Jürgen Klopp komplett aufgeblüht ist. Dort ist er jedoch vom Rest der Mannschaft abhängig, die dort eine leicht andere Qualität besitzt als seine Nationalmannschaftskollegen. Doch schlecht sind diese nicht: Viele spielen in europäischen Ligen, zahlreiche Akteure in Engalnd oder Frankreich. Lediglich Torwart N’Diaye spielt in der Heimat. Neben Mane fallen vorne insbesondere der Turiner Niang (23) und Ex-Hannoveraner Diouf ins Auge, während der Aktuell-Noch-Hannoveraner Salif Sane in der Abwehr die Stabilität zusammen mit Neapels Koulibaly halten soll, bevor es nach dem Turnier zu Schalke 04 geht. Eine Problemposition könnte die des Torwarts sein – schon in der Qualifikation setzte man vier verschiedene ein, eine klare Nummer 1 scheint es nicht zu geben.

Die letzten Testspiele zeigten unterschiedliche Gesichter der Mannschaft. Es gab ein 0:0 gegen Luxemburg, ein 1:2 gegen Kroatien und einen 2:0-Sieg gegen Südkorea. Die Mannschaft ist schwer einschätzbar. Bei der letzten Teilnahme 2002 gelang zum Auftakt direkt ein Sieg gegen Weltmeister Frankreich. Diesmal bräuchte es ähnliche Überraschungen, um ein Weiterkommen in der Gruppenphase möglich zu machen – am Besten bereits zum Auftakt gegen Polen. Gelingt das, winkt das Achtelfinale. Aber nur dann.

Trainer:
Aliou Cissé

Tor:
Abdoulaye Diallo (Stade Rennes)
Khadim N’Diaye (Horoya)
Alfred Gomis (Ferrara)

Abwehr:
Kalidou Koulibaly (Neapel)
Lamine Gassama (Alanyaspor)
Kara Mbodji (Anderlecht)
Moussa Wague (Eupen)
Youssouf Sabaly (Bordeaux)
Saliou Ciss (Valenciennes)
Salif Sane (Hannover 96)

Mittelfeld:
Pape Alioune Ndiaye (Stoke City)
Idrissa Gueye (FC Everton)
Cheikhou Kouyate (West Ham United)
Cheikh N’Doye (Birmingham)
Alfred N’Diaye (Wolverhampton)

Angriff:
Sadio Mane (FC Liverpool)
Keita Balde (AS Monaco)
Diafra Sakho (Stade Rennes)
Ismaila Sarr (Stade Rennes)
Moussa Konate (SC Amiens)
M’Baye Niang (FC Turin)
Moussa Sow (Bursaspor)
Mame Biram Diouf (Stoke City)

Japan

Spanien nahm Japan im letzten Augenblick die Bürde ab, den Trainer mit der kürzesten Amtszeit mit zur WM zu schleppen. Denn erst im April war Halihodzic entlassen worden. Der Bosnier hatte Japan erfolgreich zur WM geführt, doch schlechte Ergebnisse und sein autoritärer Führungsstil sollen dem Verband zuviel gewesen sein. Jetzt führt Akira Nishino die Japaner zur WM. Man hat gute Erinnerungen an ihn: Als U23-Coach Japans schlug er 1996 immerhin die Brasilianer, rund um Ronaldo und Roberto Carlos mit 1:0.

Seit seiner ersten WM-Teilnahme 1998 schaffte es Japan jedes Mal, sich für die Fußball-Weltmeisterschaft zu qualifizieren. Zweimal endete das Turnier für Japan sogar erst im Achtelfinale. Auch in Russland sind sie am Start. In der zweiten Runde der Asien-Qualifikation gab es 7 Siege bei einem Unentschieden und 27:0 Toren, in Runde 3 wurde es dann deutlich knapper. Dennoch kam man als Gruppensieger vor Saudi-Arabien und Australien ins Ziel.

Im Tor steht wie schon 2014 Kawashima, mit 1,85m wohl unter Japanern noch eher einer der größeren Spieler. In den restlichen Mannschaftsteilen findet man viele bekannte Gesichter. Tatsächlich hat Japan, nach der deutschen und der schweizerischen Nationalmannschaft am drittmeisten Bundesliga-Akteure bei der WM im Kader. Und generell ist da einiges an hochklassigen Fußballern dabei: Keisuka Honda, inzwischen in Mexiko aktiv, war schon bester Torjäger in der Qualifikation. Er wird umgeben von Dortmunds Shinji Kagawa und Frankfurts Makoto Hasebe, vorne im Sturm wartet der wendige Okazaki. Junge Talente hat Japan derzeit nicht parat: Der jüngste Spieler ist 23 Jahre alt.

Fraglich ist, ob die Abwehr ähnlich gut halten wird wie in der Qualifikation. Gerade gegen körperlich starke Teams dürfte es für Japan schwer werden. Kolumbien und Polen dürften sich darüber freuen. Den Trainerwechsel gab es nach einem schwachen 1:1 gegen Mali und einem 1:2 gegen die Ukraine. Aber danach war nicht gerade alles revolutionär anders: Einem 4:2-Erfolg gegen Paraguay stehen 0:2-Pleiten gegen die Schweiz und Ghana gegenüber. Trotz der internationalen Erfahrung des Kaders fehlt es Japan wohl letztendlich an defensiver Qualität, um große Chancen in der Gruppe zu besitzen.

Trainer:
Akira Nishino

Tor:
Eiji Kawashima (FC Metz)
Kosuke Nakamura (Kashiwa Reysol)
Masaaki Higashiguchi (Gamba Osaka)

Abwehr:
Tomoaki Makino (Urawa Reds)
Yuto Nagatomo (Galatasaray)
Maya Yoshida (Southampton)
Hiroki Sakai (Marseille)
Gotoku Sakai (Hamburger SV)
Gen Shoji (Kashima Antlers)
Wataru Endo (Urawa Reds)
Naomichi Ueda (Kashima Antlers)

Mittelfeld:
Makoto Hasebe (Eintracht Frankfurt)
Hotaru Yamaguchi (Cerezo Osaka)
Gaku Shibasaki (FC Getafe)
Keisuke Honda (Pachuca)
Takashi Inui (SD Eibar)
Genki Haraguchi (Fortuna Düsseldorf)
Takashi Usami (Fortuna Düsseldorf)
Ryota Oshima (Kawasaki Frontale)
Shinji Kagawa (Borussia Dortmund)

Sturm:
Yuya Osako (1. FC Köln)
Yoshinori Muto (Mainz 05)
Shinji Okazaki (Leicester City)

Prognose:

Kolumbien lief 2014 in Brasilien zur Höchstform auf. Abzuwarten bleibt, wie sie in Russland agieren. Angesichts der Qualität des Kaders sind sie leicht favorisiert auf den Gruppensieg. Bei Polen wird viel davon abhängen, wie Robert Lewandowski in den wichtigen Spielen drauf ist, nachdem er genau diese bei den Bayern eher mäßig absolviert hat. Senegal und Japan bleiben die Turnier-Außenseiterchancen. Insbesondere die senegalesische Offensive könnte den Gegnern wehtun.

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