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Wohin des Weges, Sami?

Im Interview nach der Partie war Sami Khedira der Frust deutlich anzumerken. Real Madrid hatte sich gerade gegen Schalke 04 mit aller Müh und Not und einer 3:4-Niederlage im Gepäck ins Viertelfinale gezittert. Weltfußballer Ronaldo sprach noch auf dem Platz von einer Schande, gefolgt von einem selbst auferlegten Maulkorb bis Saisonende (inwiefern dieser auch etwaige Brunftschreie beinhaltet, ist noch nicht überliefert).

Der Frust Khediras schien sich derweil nicht nur auf die Partie zu beziehen. Mit Pfiffen übersät verließ Khedira nach 58 Minuten den Rasen. Dass er gespielt hatte, war bereits für viele überraschend. Dass er in Madrid von den eigenen Fans ausgepfiffen wurde leider weniger. Khedira betonte, dass er um seinen Stand bei den Fans wüsste und im Sommer für „vieles offen“ wäre. In der modernen Fußballersprache bedeutet das: Die Koffer sind gepackt, Lena Gercke verabschiedet sich bereits tränenreich von den Boutiquen der Stadt, und Sami wohl endgültig von Real Madrid. Sein Vertrag läuft aus.

Was interessiert mich deine Leistung von gestern?

Der Mann, der über 100 Spiele für das weiße Ballett und über 50 Länderspiele absolviert hat. Der nach seinem Kreuzbandriss mit einer mustergültigen Einstellung noch rechtzeitig zur Weltmeisterschaft fit wurde, um im Finale Kramer den Vortritt zu lassen aufgrund des Rates von Mannschaftsarzt Müller-Wohlfarth. Ein Thema, das sich durch Khediras Akte der letzten Jahre zieht: Verletzungen, Verletzungen, immer wieder kleine Rückschläge.

In Madrid sind alte Leistungen wenig wert. Eigentlich vergisst man in der Presse am Sonntag bereits die Partie vom Mittwoch. Zwischen Superlativen, die die Fußballer nach Siegen in den Gottesstatus erheben und solchen, welche den Spielern nach Niederlagen gerne absprechen, jemals einen Ball aus nächster Nähe betrachtet zu haben, müssen die Akteure lernen, eine gewisse Form von Ignoranz gegenüber den Medien aufzubauen. Doch die Emotionen der Fans sind nicht so leicht zu ignorieren. Undankbarkeit ist auch für höchst lukrativ bezahlte Fußballer eine schmerzvolle Erfahrung. Khedira wirkt als unspektakulärer Abräumer im Star-Ensemble eben einfach austauschbar.

Schalke, Wolfsburg, Arsenal…?

Doch wohin kann die Reise für Khedira nun gehen? Will er nach Deutschland zurück, gibt es für den 27-Jährigen wenige Optionen. Dass der FC Bayern kaum eine Option ist, habe ich bereits vor einiger Zeit erörtert. Beim BVB dürfte er auch wegen dem noch unklaren Ausgang der Krisensaison ebenfalls kein potentieller Neuzugang sein. Der FC Schalke 04 hat sein Interesse dagegen auf Nachfrage mehrfach verbürgt, und ansonsten gibt es ja auch hierzulande immer noch den VFL Wolfsburg, der derzeit pro Transferperiode einen dicken Coup zu landen pflegt. Holen sie nach Schürrle den nächsten Weltmeister aus dem Ausland zurück? Andere Vereine wären wohl kaum bereit, das fällige Gehalt zu bezahlen.

Will Khedira seine Reise im Ausland noch ein wenig fortsetzen, sollte maßgeblich England als potentielles Ziel gelten, trotz dem Trend deutscher Fußballer, das Dolce Vita in Italien näher kennenlernen zu wollen. Hielten sich letztes Jahr die Gerüchte um einen Wechsel nach London zu Arsenal und Ex-Teamkollege Özil hartnäckig, könnte es in diesem Jahr zum Vollzug kommen. Generell spielt seine Verletzungsanfälligkeit dem Deutsch-Tunesier nicht gerade in die Karten – der Faktor des Vertragsendes in Madrid dafür umso mehr. Die Mentalität Khediras dürfte dazu kein Club ernsthaft in Frage stellen. Doch ein Transfer nach London wäre bereits früher wohl möglich gewesen. Dass es dazu nicht kam, spricht nicht gerade dafür, dass Wenger für eine Verpflichtung plädiert hat.

Ein fehlendes Puzzleteil?

Das aggressive Vorpreschen von Heldt in der Debatte Khedira spricht dafür, dass mehr als nur ein Gruß vor dem Spiel zwischen den Parteien bereits erfolgt ist. Ein ordentliches Handgeld ist auf Schalke naturgemäß zu erwarten, sollte sich Sami für Königsblau entscheiden. Es würde gleichzeitig mit großer Wahrscheinlichkeit das Ende der Ära Kevin-Prince Boateng bedeuten, der sich offensiv bereits talentierter Konkurrenz gegenübersieht und dann auch im defensiven Mittelfeld wenig Chancen hätte. Mit einem fitten Khedira, der Rückkehr einiger Langzeitverletzten wie Draxler und dem durchaus großen Angebot fähiger Nachwuchsspieler könnte der FC Schalke seinem Team damit einen entscheidenden Impuls für die nächste Saison geben. Wenn Khedira fit bleibt. Und wenn der VfL Wolfsburg nicht dazwischen spritzt.

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